22.11.2021 - 14:44 Uhr
MähringOberpfalz

Jungen Leuten den Beruf Landwirt schmackhaft machen

Erstmals wurde heuer zehn Betrieben der Staatsehrenpreis für vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft verliehen. Eine Auszeichnung ging an die Firma Eckert GbR in Laub. Marco Eckert über die schönen und schwierigen Seiten des Berufs.

Die 16-jährige Hanna Gmeiner (rechts) macht bei Sabine und Marco Eckert eine Ausbildung zur Landwirtin. Für das vorbildliche Engagement in der Ausbildung im Bereich der Landwirtschaft erhielt die Firma Eckert GbR den Staatsehrenpreis.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Es war eine Premiere: Erstmals zeichnete Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zehn vorbildliche Ausbildungsbetriebe in Bayern mit dem Staatsehrenpreis in der Landwirtschaft aus. Darunter war auch ein Betrieb aus dem Landkreis Tirschenreuth: die Landwirtschaft der Familie Eckert aus Laub in der Gemeinde Mähring.

Beworben hat sich die Familie, nachdem sie auf die Ausschreibung bei einem Ausbildertag aufmerksam wurde. „Der Preis soll eine Anerkennung für uns Landwirtschaftsbetriebe sein und junge Leute motivieren, diesen Beruf zu ergreifen“, fasst Marco Eckert zusammen. „Es ist schon eine Ehre für uns, den Preis bekommen zu haben.“

Nur vier Landwirtschaftsschüler

Nachdem Marco und seine Frau Sabine einen Riesen-Fragenkatalog ausgefüllt hatten, kamen die drei Jurymitglieder für einige Stunden zu Besuch. „Sie stellten richtig viele Fragen und schauten sich alles genau an“, sagt Sabine. Auch mit den Lehrlingen unterhielt sich die Prüfungskommission. „Den Preis kriegt man gar nicht so einfach“, sagt Marco Eckert und lacht.

Für den 34-Jährigen ist Landwirt durchaus ein attraktiver Beruf. „Wir sind viel draußen an der Luft, arbeiten mit den Tieren, bei jedem Wetter. Der Beruf ist narrisch vielfältig“, ist Eckert begeistert. Allerdings auch „narrsich“ arbeitsreich, bekennt er. Als Landwirt sei man eben jeden Tag gefordert, auch an Feiertagen. Und die Bedingungen für die Landwirtschaft seien derzeit sehr schwierig. Die Betriebskosten steigen – für etwa Diesel, gleichzeitig ist aber der Milchpreis im Keller. Auch deshalb gibt es laut Eckert immer weniger Auszubildende in der Landwirtschaft. Im Landkreis Tirschenreuth seien es heuer nur vier Lehrlinge. Die Klasse betreut Eckert immer freitags auf seinem Hof. Seit 2008 ist er als Teilzeit-Praxislehrkraft an der Berufsschule in Neustadt/WN für den Bereich Landwirtschaft tätig.

Weitere Standbeine

Eckerts Eltern führten eine kleine Landwirtschaft, erst mit 40 Kühen, Ende der 1990er Jahre mit 70 Kühen. Marco Eckert hat investiert und expandiert. 2010 und 2013 hat er Stallungen angebaut und mittlerweile mit 130 Kühen fast doppelt so viele Kühe, wie sein Vater vor 30 Jahren. Bereits sein Vater hatte auf dem Hof immer Lehrlinge. 2008 schloss Marco Eckert die Technikerschule ab und war seit 2010 für die Ausbildung der jungen Landwirte im elterlichen Betrieb verantwortlich. 2014 übernahm er den Hof komplett.

Neben der Landwirtschaft mit 130 Kühen samt Nachzucht, führt der 34-Jährige mit seiner Frau Sabine noch ein Transport-Unternehmen und betreibt eine Biogasanlage. „In der Landwirtschaft muss man flexibel und offen sein, schauen was zu einem selber und zum Betrieb passt“, betont Eckert. „Es ist nie schlecht, ein zweites Standbein zu haben“, erklärt der Unternehmer. Schon seine Eltern hatten früher in Mähring Ferienwohnungen vermietet. Auch dieses Standbein baute der Landwirt aus. Die alte Mühle sanierte er in jahrelanger aufwendiger Arbeit. Den Mühlenhof ergänzen ein Dorfladen und einen Fest-Stodl.

Schon 13 Landwirte ausgebildet

Seit 2010 bildete die Familie Eckert in ihrem Betrieb 13 Landwirte aus. Seit August ist Hanna Gemeiner (16) aus Kleinbüchlberg bei Mitterteich als Auszubildende bei der Familie Eckert. Bei der Ausbildung der Nachwuchs-Landwirte ist dem 34-Jährigen wichtig, dass sie selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten können. „Irgendwann sollen sie ja schließlich selbst einen Betrieb führen, da kann ich nicht den ganzen Tag neben ihnen stehen.“ Er selbst bringt sich selbst bei Fortbildungen regelmäßig auf den neuesten Stand.

Festakt in der Residenz

Für dieses vorbildliche Engagement in der Ausbildung im Bereich der Landwirtschaft erhielten die Firma Eckert GbR und neun weitere bayerische Betriebe den Staatsehrenpreis aus den Händen von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. "Neben dem hohen Engagement für die Auszubildenden legen die Preisträger besonderen Wert auf deren individuelle Förderung, die regelmäßige Fortbildung von Ausbildern und Auszubildenden sowie Zusatzangebote für Ausbilder und Auszubildende", heißt es in der Pressemitteilung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Ministerin überreichte die hohe Auszeichnung, die unter dem Leitbild „Fördern, Fordern, Voranbringen“ steht, bei einem Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz. „Durch den Staatsehrenpreis werden nicht nur ihre besonderen Ausbildungsleistungen gewürdigt. Die Auszeichnung dient auch den Ausbildungssuchenden als wichtige Orientierungshilfe. Der Preis soll daher auch Anreiz sein, sich im Bereich der Ausbildung zu engagieren und sich damit die Zukunft des eigenen Betriebs zu sichern“, sagte Kaniber.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber besucht Mühlenhof Mähring

Mähring
Ausbilder Marco Eckert ist es wichtig, dass seine Auszubildenden schnell eigenverantwortlichen im Betrieb mitarbeiten. Nach kurzer Anleitung könnte Hanna Gmeiner den Melkroboter selbstständig bedienen.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber überreichte an Sabine und Marco Eckert (vorne, von links) die den Staatsehrenpreis "Vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft".
Hintergrund:

Staatsehrenpreis „Vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft“

  • Gemeinschaftsinitiative des Landwirtschaftsministeriums und der in der Ausbildung aktiven berufsständischen Verbände, dem Verband landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Bayern (vlm) sowie dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern (vlf)
  • Es sollen Betriebe ausgezeichnet werden, die mit einem beispielhaften Konzept Maßstäbe für die Ausbildung von jungen Menschen setzen.
  • Betriebe müssen sich für die Auszeichnung bewerben. Dabei werden die ersten 100 Bewerbungen zugelassen.
  • Die Auszeichnung darf in Verbindung mit dem Prämierungsjahr vom Betriebsinhaber für eigene Marketing- bzw. Werbezwecke verwendet werden.

 

 

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