25.10.2020 - 13:30 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Ein Kindheitswunsch erfüllt sich

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Mohammad Alrefai aus Syrien ist begeisterter Feuerwehrmann. Die Integration bei der Wehr in Marktredwitz gelingt. Dafür gibt es eine Anerkennung des Freistaats.

Sie sind stolz auf die Anerkennung durch den Freistaat Bayern in Sachen Integration bei der Marktredwitzer Feuerwehr: (von links) Stadtbrandinspektor Maximilian Seiler, Feuerwehrmann Mohammad Alrefai und das aktive FFW-Mitglied Pfarrer Klaus Wening.
von Autor FPHProfil

„Schon als Kind habe ich davon geträumt, Feuerwehrmann zu sein. Doch in Syrien gab es so etwas nicht.“ Mohammad Alrefai hat sich diesen Traum jetzt doch erfüllt. Und zwar in seiner neuen Heimat – in Deutschland. Genauer gesagt, in Marktredwitz. Da ist der 27-jährige Syrer, der im Vermessungsamt der Stadt arbeitet, mittlerweile bestens integriert. Und dafür hat die Freiwillige Feuerwehr jetzt einen Integrationspreis des Freistaats Bayern bekommen. Zwar kam die Wehr nicht unter die ersten drei, „aber wir freuen uns über eine Zuwendung von 500 Euro“, sagt ein strahlender Stadtbrandinspektor Maximilian Seiler.

Etwas zurückgeben

Mohammad Alrefai führt gleich drei Gründe an, warum er mit Hilfe von Pfarrer Klaus Wening – er ist ebenfalls aktiver Feuerwehrmann – ein begeisterter Feuerwehrler geworden ist. „Ich mag wirklich den Leuten helfen“, so der erste Beweggrund. Außerdem wolle er etwas zurückgeben an das Land, das ihm eine neue Chance im Leben eingeräumt hat. „Und ich möchte Kontakt zu deutschen Leuten haben, um Freunde zu finden und damit ich meine Sprachkenntnisse noch weiter verbessern kann.“

Die Sprache sitzt auf jeden Fall nach einem Jahr und acht Monaten in Deutschland. Der 27-Jährige hat in seiner früheren Heimat Syrien fünf Jahre lang Statik studiert, ehe er in Ungarn ein zweijähriges Stipendium bekommen hat. „Dann bin ich nach Deutschland gegangen.“ Einer der ersten, der ihn in der Fremde an die Hand genommen hat, ist Pfarrer Klaus Wening gewesen. „Und er war es auch, der mich zur Feuerwehr gebracht hat“, erzählt Mohammad Alrefai mit leuchtenden Augen.

Urkunde und Geld

Der Syrer ist nicht der einzige Feuerwehrler mit Migrationshintergrund. „Wir haben sechs Mitglieder, die zum Teil auch aus der Türkei stammen“, sagt Stadtbrandinspektor Seiler. „Deshalb hatten wir uns zu Jahresbeginn auch um den Integrationspreis des Freistaats Bayern beworben, wo es als Hauptpreis 5000 Euro gab. Während des Shutdowns haben wir erfahren, dass wir nicht unter den ersten drei sind. Umso mehr freut es uns jetzt, dass wir als Anerkennung nicht nur eine Urkunde, sondern obendrein noch 500 Euro bekommen haben.“ Wenn Corona es wieder zulässt, wolle man das Geld für einen schönen Kameradschaftsabend hernehmen, „bei dem wir natürlich die Integration pflegen“.

Pfarrer Klaus Wening – vor drei Jahren hat er den ersten jungen Mann mit Migrationshintergrund mit zur Feuerwehr genommen – hat den Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, klar gemacht: „Deutschland tut sehr viel für euch, bietet Kurse an und vieles mehr. Und weil Deutschland vom Ehrenamt lebt, wäre es schön, wenn ihr euch hier ein Stück weit einbringen und etwas zurückgeben könntet.“ Gesagt, getan. „Ja, der Klaus unterstützt uns gut“, versichert der Stadtbrandinspektor.

Die ersten zwei Monate hat Mohammad Alrefai mit dem Pfarrer nur Englisch geredet. „Aber nach vier Monaten hat das auch auf Deutsch funktioniert“, erzählt er begeistert. Hilfreich seien dabei die acht Monate an der Volkshochschule gewesen und das Praktikum bei der Stadt Marktredwitz. Während des Lockdowns hat der 27-jährige Syrer außerdem beim Einkaufsservice der Arbeiterwohlfahrt in Arzberg mitgeholfen. Mittlerweile liegt das Praktikum hinter dem Mann, dessen ganze Familie noch heute in Daraa im Süden Syriens lebt. „Ich habe sie alle seit 2016 nicht mehr gesehen“, sagt der Wahl-Marktredwitzer ein bisschen wehmütig. Klagen will er aber nicht: „Wir telefonieren alle drei Tage miteinander, und ich fühle mich in Marktredwitz sehr wohl.“

Ja, ich fühle mich gut integriert.

Mohammad Alrefai

Daran hat eben die Feuerwehr ihren Anteil. Und auch sein Mentor Christian Frohmader, mit dem er nicht nur zusammen bei der Stadt arbeitet, sondern der ihn auch unter seine Fittiche nimmt. Und mit zur Feuerwehr, wenn es gilt, während der Arbeit einmal zu einem Notfall auszurücken. Inzwischen hat Mohammad Alrefai auch eine eigene Wohnung, er hat den Führerschein gemacht und besitzt ein Auto. „Ja, ich fühle mich gut integriert.“

Was momentan leider auf der Strecke bleibt, sind Fortbildungen und Seminare – bei der Stadt ebenso wie bei der Feuerwehr. „Hoffentlich kehrt nächstes Jahr wieder Normalität ein“, schickt der Stadtbrandinspektor ein Stoßgebet gen Himmel. Denn auch die Kameradschaftsabende sind derzeit passé. Und Maximilian Seiler befürchtet schon das Schlimmste, wenn die Corona-Zahlen weiterhin explodieren. „Wir können sowieso nur eingeschränkt üben." Doch gerade die Kameradschaft sei es, die die Feuerwehr letztlich ausmache.

Christlicher Auftrag

Pfarrer Wening weiß, dass es viele Flüchtlinge in die Großstädte zieht. „Daher ist die Fluktuation auch bei der Feuerwehr groß.“ Dabei klappe die Integration in einer Kleinstadt doch viel besser, findet er. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, hier auch einen christlichen Auftrag zu erfüllen. „Wir wollen Konfrontationen und Auseinandersetzungen vermeiden. Angst entsteht bei den Menschen nur, wenn man sich nicht kennt.“ Daher sei Integration das oberste Gebot.

Das weiß auch der 27-jährige Syrer zu schätzen. Ebenso wie der Chef der Feuerwehr. „Vielen Deutschen fällt es erst einmal schwer, sich dem Fremden anzunähern. Deshalb sind auch die Kameradschaftstreffen so wichtig. Haben die Leute die Neulinge richtig kennengelernt, klappt das Miteinander hervorragend.“ Und auch kulturell lerne man voneinander. „Unsere Syrer haben letztes Jahr den Weihnachtsbaum mit aufgestellt.“ Und Pfarrer Wening outet sich als großer Fan der syrischen Küche.

Hier ein Bericht zur Übergabe eines neuen Gerätewagens an die Feuerwehr Marktredwitz

Marktredwitz
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