Marktredwitzer Christian Büttner erreicht fünften Meistergrad in WingTsun

Marktredwitz
27.01.2022 - 14:49 Uhr
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Meister in WingTsun bedeutet für den 50 Jahre alten Marktredwitzer Christian Büttner Ruhe und Veränderung zugleich. Die chinesische Kampfkunst erfordert stetes Lernen und Üben.

Christian Büttner (links) mit der Meisterurkunde, die ihm sein Sifu, Professor Dr. Keith Ronald Kernspecht, nach eingehender Prüfung verliehen hat.

Er ruht in sich selbst. Auch in der Pandemie. "Was sollen wir auch machen? Aufregen bringt ja nichts", meint Christian Büttner, während viele Menschen allmählich die Nerven verlieren ob der zahlreichen Einschränkungen. Der 50-Jährige versucht, aus jedem Tag das Beste zu machen. Privat wie beruflich. Vor einiger Zeit hat der Marktredwitzer, der Besitzer und Geschäftsführer von König-Otto-Sprudel in König-Otto-Bad bei Wiesau ist, den fünften Meistergrad in der chinesischen Kampfkunst WingTsun erreicht.

25 Jahre hat das gedauert. Nicht etwa, weil Christian Büttner zwischendrin einmal die Zügel hat schleifen lassen. "Die Ausbildung zieht sich über Jahre hin", verdeutlicht er. "Zwischen jedem Meistertitel braucht es Jahre des stetigen Lernens und Übens", so der 50-Jährige, der jeden Morgen mit Yoga und ein bisschen Meditation beginnt. "Vom ersten auf den zweiten Lehrgrad dauert es zwei Jahre, vom zweiten auf den dritten drei und vom dritten auf den vierten vier Jahre. Das dient dazu, die Fertigkeiten weiter auszubauen. Und immer wieder testet dich der Lehrer auf Bewegungen und Gefühl."

Jetzt, wo fünf Jahre beständigen Übens und 25 Jahre WingTsun hinter Büttner liegen, hat er sich seiner Meisterprüfung in der chinesischen Kampfkunst bei seinem Sifu (chinesisch: Lehrer) Professor Dr. Keith Ronald Kernspecht gestellt. Der Mann aus Kiel ist Gründer, Leiter und Cheftrainer der Europäischen WingTsun-Organisation (EWTO) und hat den zehnten Großmeistergrad. Stolz hält der Marktredwitzer seine Meisterurkunde in der Hand. Bereits im Januar vergangenen Jahres hat Christian Büttner nach 33 Jahren den sechsten Dan in der Kunst des Aikido erhalten. Und mit dem fünften Meistertitel im WingTsun hat er einen weiteren Abschnitt in seiner Kampfkunst-Laufbahn erreicht.

„Pures Körpergefühl“

Der 50-Jährige blickt zurück auf seine sportlichen Lehrjahre, die für ihn "pures Körpergefühl" bedeuten. "Begonnen habe ich mit dem WingTsun 1995 während meines Studiums in Regensburg." 1997 trat Büttner in die EWTO ein. "Die faszinierende Trainingsmethode des Chi Sao - klebende Arme - hat mich einfach an der Kunst kleben lassen und fasziniert mich bis heute." Es sei gelebtes Tao (chinesisch: Weg), "eine stetige Veränderung, kein Stillstand, dennoch Ruhe, explosiv, ein sich ständig ändernder Prozess und mit sich selbst im gesamten Sein", fasst der Unternehmer zusammen. Seine knapp bemessene Freizeit widmet er mit großer Leidenschaft den asiatischen Kampfkünsten. "Ich fahre oft durch Deutschland, um mich mit Meistern und Schülern zum Trainieren zu treffen."

Total erschöpft

Nach Jahren mit dem Durchlaufen von Schülergraden (insgesamt zwölf), vier Lehrergraden mit entsprechenden Trainerqualifikationen sowie der Ernennung zum Sifu (Lehrer) im Jahr 2016 war es dann 2021 so weit: Nach der langen Vorbereitungszeit ist Christian Büttner zwei Tage von seinem Sifu Professor Kernspecht, der mittlerweile 76 Jahre alt ist, zum Meistergrad geprüft worden. "Ich war danach total erschöpft, aber auch überglücklich."

Doch was ist WingTsun eigentlich genau? "WingTsun zählt zu den bekanntesten chinesischen Kung-Fu-Stilen und gilt als einer der effizientesten Wege der Selbstverteidigung, basierend auf der einzigartigen Trainingsmethode Chi Sao/Poon Sao, der klebenden Arme. In der jüngeren Zeit wurde sie durch die Filme ,Ip Man' bekannt, die das Leben des Großmeisters Yp Man beleuchten. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Kunst war Bruce Lee."

Neues Selbstbewusstsein

Die Ursprünge des WingTsun gehen der Legende nach auf eine chinesische Nonne zurück, die den Kampfstil an ihre Schülerin vermittelte, wie Christian Büttner erzählt. "Es ist eine reine Selbstverteidigung, in deren Mittelpunkt einmalige Prinzipien stehen, die durch konzentriertes Üben und bewusstes Sich-Einlassen erlernt und umgesetzt werden können."

Wer WingTsun lernt, entwickelt nach den Worten des Unternehmers ein intensives Körperverständnis und ein neues Selbstbewusstsein. "WingTsun-Lehrer sind gegen jede Form von Gewalt - und dies wird auch vom ersten Tag an unterrichtet. Die erlernten Fähigkeiten dienen nur der Selbstverteidigung und der Nothilfe."

Bis vor einigen Jahren hat Christian Büttner noch in der WingTsun-Schule in Marktredwitz unterrichtet, die es nach wie vor gibt. Während er sich zurückgezogen hat und nur noch privat trainiert, unterrichtet Sifu Michael Stopp in der WingTsun-Schule vis-à-vis des Marktredwitzer Stadtparks am Berliner Platz.

Für Christian Büttner ist das Erreichen des fünften Meistergrads "nur eine Eingangsstufe in eine andere Ebene". Das Tao, der Weg des Übens, gehe immer weiter.

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Tirschenreuth29.12.2021

"WingTsun-Lehrer sind gegen jede Form von Gewalt - und dies wird auch vom ersten Tag an unterrichtet."

Christian Büttner

 
 

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