19.01.2021 - 15:58 Uhr
NabburgOberpfalz

Nabburgerinnen bei Friseur-Demo: Stehen "mit dem Rücken zur Wand"

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Keine Aussicht auf Weiterbetrieb, schwere finanzielle Einbußen: Die Stimmung bei den Friseuren kippt, auch bei Jennifer Nirschl aus Nabburg. Sie und ihre Mitarbeiterinnen haben am Montagabend in Regensburg vor dem Landratsamt demonstriert.

Friseurmeisterin Jennifer Nirschl (Mitte) hat gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen am Montagabend in Regensburg gegen die Salonschließungen demonstriert.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

"Darf ich fragen, ob Sie ihren kompletten Lohn bekommen? Ob Sie wissen, was es heißt, wenn man seine Miete nicht mehr zahlen kann?" Mit diesem Redebeitrag richtete sich die Nabburger Friseurin Laura Kiener an den anwesenden Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU). Circa 150 Friseure waren laut Angaben der Polizei in Regensburg vor dem Landratsamt zusammengekommen, um gegen die Salonschließungen zu demonstrieren. Kiener ist Mitarbeiterin von Jennifer Nirschl in Nabburg. Ein Video von Kieners Ansprache hat Nirschl unter anderem auf der Instagramseite ihres Friseursalons veröffentlicht.

"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagt Nirschl am Dienstag im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Mit der Teilnahme an der Demonstration erhoffen sie und ihre Kolleginnen, sich Gehör zu verschaffen. "Wir bekommen keine Hilfen, keine staatliche Unterstützung", sagt sie. Seit 13 Wochen ist ihr Salon nun geschlossen. 13 Wochen ohne jeglichen Umsatz. Kurzarbeitergeld hat sie beantragt, bewilligt ist es allerdings noch nicht.

Drei Vollzeitkräfte habe sie zu zahlen, monatlich 10 000 Euro Fixkosten zu begleichen. "Mittlerweile", erzählt Nirschl bitter, "geht es ans private Ersparte". Vier Monate könne sie mit ihrem Salon noch durchhalten. Danach werde es ohne Unterstützung sehr eng.

"Die Lage ist ziemlich schwierig"

Nabburg

"Man fällt einfach in ein Loch, verfällt allmählich in leichte Depressionen", sagt sie. Denn sie trägt nicht nur Verantwortung für sich, sondern auch für ihre Kolleginnen. "Die haben Familien zu ernähren, Mieten zu zahlen, Versicherungen." Genauso wie Nirschl selbst. "Und leben will man ja auch noch ein wenig."

Die Friseurmeisterin klingt bedrückt, kann die Salonschließungen nicht nachvollziehen. "Der Friseurbereich arbeitet unter strengsten Hygienevorschriften", sagt sie. "Und das gilt übrigens genauso für Tätowierstudios und Schönheitssalons." 400 Euro habe sie nach dem ersten Lockdown pro Monat in Desinfektionsmittel investiert, die Abstandsregelungen hätten problemlos bei ihr umgesetzt werden können, 20 Quadratmeter Platz pro Kunde. "In den Salons gab es auch nachweislich keine Corona-Infektionen - und trotzdem mussten wir, die kleinen mittelständischen Unternehmen, wieder zusperren." Schwarzarbeit komme für Nirschl aber "auf keinen Fall" infrage, wie sie sagt. "Niemals würde ich das machen", beteuert sie. Die Strafen seien extrem hoch, man kassiere außerdem noch eine Anzeige. "Und das kann in der aktuellen Lage niemand auch noch brauchen."

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Ob die Demonstration in Regensburg etwas gebracht hat, kann Nirschl nicht sagen. Überrascht sei sie jedoch von der Teilnehmerzahl gewesen - sie hätte weniger erwartet. "Innerhalb der Innung waren die Meinungen dazu gespalten", verrät sie. Viel Angst hätte geherrscht, in die Querdenker-Ecke gestellt zu werden oder als Rechte zu gelten. Doch deshalb nicht nach Regensburg zu fahren, kam für Nirschl und ihr Team nicht infrage: "Man muss ja irgendwas tun - solange es uns alle noch gibt."

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