19.10.2021 - 09:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Sanierung der Nabburger Laurentiuskirche beendet

Ernst Lau fällt ein Stein von Herzen. Dass die undichten Stellen von Dach und Sakristei der Nabburger Laurentiuskirche ausgebessert wurden, war dem früheren Mesner schon immer ein Anliegen. Das Vorhaben gelang mit Hilfe einer guten Idee.

Die evangelische Laurentiuskirche ist saniert worden. Der Glockenturm wurde erneuert, das Dach der Kirche neu eingedeckt. Das kleine Gebäude dahinter, die Sakristei, erhielt ein komplett neues Dach.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Laurentiuskirche in Nabburg wurde vor rund 500 Jahren als Burgkapelle errichtet. Vor 110 Jahren haben sie die Nabburger Protestanten übernommen und seitdem als Gotteshaus genutzt. Ihre Einweihung als evangelische Kirche erfolgte am 17. Dezember 1911 unter großer Anteilnahme der Nabburger Bürger. Dieses Datum im Dezember gab auch den zeitlichen Rahmen der aktuellen Sanierung vor: Bis zum 110-jährigen Jubiläum sollten alle Instandsetzungsarbeiten erledigt sein. Was gelungen ist.

"Im Jahr 2015 bin ich zum ersten Mal mit Folien und Eimern in das Innere der Kirche und habe herabfließendes Wasser aufgefangen," erinnert sich Ernst Lau. Wie sehr dem langjährigen Mesner "seine" Kirche am Herzen liegt, zeigt schon das Abschiedsgeschenk zur Beendigung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit heuer im Sommer: Ein im 3-D-Drucker hergestelltes Kirchenmodell aus Kunststoff. Und so war es für ihn keine Frage, der Bedrohung durch Regenwasser aktiv entgegenzutreten. Für eine umfängliche Sanierung fehlte anfangs das Geld.

Mehrere Schadstellen

Es gab mehrere Schadstellen. Da war zum einen der Dachreiter, an dem das Wasser von oben in die Kirche eindrang und die Empore wässerte. Dort steht auch die Jugendstilorgel der Kirche, die durch die Feuchtigkeit in Gefahr geriet. So spannte Lau Plastikfolien, die den Regen auffingen und über Löcher in Eimer abgaben. Darüber hinaus waren die Dachziegel der Kirche alt und mussten ersetzt werden. Das Dachgebälk selbst war noch in Ordnung. Anders auf dem Nebengebäude, das die Sakristei und einen kleinen Gruppenraum, die Freisleben-Stube, beinhaltet. Der dortige Dachstuhl war marode, die Balken kaputt. Es musste dringend etwas geschehen.

In Zusammenarbeit mit Architekten Ernst Bräutigam (Nabburg) und in Absprache mit Uli Weich von der Verwaltungsstelle Sulzbach/Weiden der evangelischen Kirche wurden vor zwei Jahren mit den Vorarbeiten der Sanierung begonnen. "Es ging primär um das Sakristeigebäude," erläutert Bräutigam, der auch von "intensiver und erfolgreicher Abstimmung" mit der Denkmalschutzbehörde berichtet: "Denn die Kirche steht unter Denkmalschutz." Ernst Lau hat in der Folgezeit ehrenamtlich die "Bauaufsicht" übernommen.

Etwas einfacher waren die Planungen für die Sakristei, denn sie, so Bräutigam, "ist zwar historisch, aber der Dachstuhl war durch Schädlinge so in Mittleidenschaft gezogen, dass er nicht mehr zu erhalten war". Er musste also komplett erneuert werden. Auf dem eigentlichen Kirchengebäude bekam der kleine Glockenturm eine neue Verschalung aus Lärchenholz-Brettern, außerdem wurden die Schalläden erneuert und es kamen neue Dachziegel auf das Hauptdach. Im März dieses Jahres gingen die Arbeiten los.

Auf Spendensuche

"Wir hatten eine unglaubliche aktive Fundraising-Gruppe," freut sich die neue Pfarrerin Barbara Hofmann, die die Schäden an den Gebäuden im Februar besichtigen konnte, als sie ihrer möglichen künftigen Heimat Nabburg einen ersten Besuch abstattete. Bereits im vorhergehenden Herbst 2020 war der Gemeindesaal des evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Hauses bei einem Fundraising-Workshop voll besetzt. Denn es fehlten 80 000 von 160 000 Euro, um den Dachschaden der Laurentiuskirche beheben zu können. 18 ehrenamtliche Mitarbeitende – Alt und Jung – aus allen Gruppen der Gemeinde hatten damals sichtlich Spaß daran, sich Aktionen einfallen zu lassen, die helfen, Spenden zu bekommen und gleichzeitig auch die Zusammenarbeit in der Gemeinde beleben.

Pfarrerin Heid Gentzwein (Schwarzenfeld), die nach dem Weggang von Pfarrerin Irene Friedrich auch die Verantwortung für die Kirchengemeinde Nabburg übernommen hatte, betonte vor einem Jahr mit Blick auf die enormen Kosten des Vorhabens: „Wir sind uns bewusst, dass dies ein gewaltiger Betrag ist – gerade bei einer Gemeinde, die sich allgemein in einer finanziell schwierigen Situation befindet." So wandte man sich an den Fundraiser der evangelischen Dekanate Weiden und Sulzbach-Rosenberg, Gregor Jungheim. Er organisierte in der Folgezeit die Ideenfindung methodisch.

"Wir haben in Geschäften und Betrieben um Spenden nachgefragt," sagt Ernst Lau, "und da ist eine ganz schöne Summe zusammengekommen". Fünfstellige Beträge kamen überdies von der staatlichen Denkmalpflege und der Landeskirche. Eine besonders pfiffige Spendenaktion war das "Retterbier", das über 2700 Euro für die Sanierung der Laurentiuskirche in die Kasse brachte. Die Aktion ist von den Hobbybrauern Maria und Rolf Linke aus Pfreimd angestoßen worden. Das Geld war umso nötiger, als sich unerwarteter Sanierungsbedarf auftat, weil die Elektrik in der Sakristei ebenfalls erneuert werden musste. Ein neuer Schaltschrank, neue Kabeln und Leuchter – da kamen gleich noch einmal mehrere tausend Euro zusammen. "Dafür ist die Sakristei jetzt sehr hell," freut sich Lau. Insgesamt müssen für die Sanierung 168 000 Euro gezahlt werden.

"Aushängeschild der Gemeinde"

Da die Kirche eingerüstet war, konnte sie längere Zeit auch nicht für Gottesdienste oder Andachten genutzt werden. "Aber das war wegen Corona kein so großes Problem," meint Pfarrerin Hofmann. Die Gottesdienste hätten aushilfsweise in Schwarzenfeld oder Pfreimd stattgefunden. Hofmann ist seit einigen Wochen in Nabburg aktiv und will die Kirche jetzt wieder in Nutzung nehmen. Zwei gut besuchte Abendgebete an Mittwochen im besinnlichen Stil von Taize hat sie schon organisiert, weitere sind geplant.

Ernst Lau ist zufrieden mit der Entwicklung. "Unsere Kirche ist das Aushängeschild der Gemeinde," betont er, daher müsse sie auch gepflegt werden. Er weist auf die gute Akustik des Gotteshauses hin und erinnert sich gerne an schöne Konzerte, die dort früher stattgefunden haben. Das könnte es jetzt wieder geben.

Finanzierung mit findigen Ideen

Nabburg
Hintergrund:

Laurentiuskirche

  • Das Gotteshaus ist seit 1911 geistliche Heimat für jetzt rund 500 evangelische Christen
  • Es wird gerne von auswärtigen Gruppen und Schulklassen besucht
  • Als ein touristischer Anziehungspunkt ist die Kirche fester Bestandteil jeder Stadtführung.
  • Am 17. Dezember 2021 wird das 110-jährige Jubiläum als evangelische Kirche gefeiert

 

 

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