29.11.2021 - 15:03 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Regierungspräsident Bartelt zu Gast bei „Musterlandwirt“ Leonhard Rösel

Der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt wäre fast selbst Landwirt geworden. Nicht nur deshalb besuchte er den Hof der Familie Rösel in Pilgramshof bei Neukirchen gerne. Sondern auch wegen der fortschrittlichen Konzepte.

Leonhard Rösel (Zweiter von links) stellte dem Regierungspräsidenten Axel Bartelt (Bildmitte) seinen Betrieb vor. Mit dabei waren unter anderem die BBV-Bezirksbäuerin Rita Blüml (Dritte von links) und Kreisbäuerin Brigitte Trummer (Vierte von links).
von Autor GFProfil

"Hier ist mein Impfnachweis", betonte Regierungspräsident Axel Bartelt, als er auf dem Hof der Familie Rösel in Pilgramshof bei Neukirchen aus seinem Dienstwagen mit E-Kennzeichen stieg. Kurz bevor er den Musterhof wieder verließ, meinte Bartelt, dass er vor Jahrzehnten fast die Tradition seiner Großeltern fortgesetzt hätte und Landwirt geworden wäre, aber nur fast.

Seine Oberpfalz zu besuchen, sei eine schöne Tradition, so Bartelt. Deshalb komme er der Einladung des BBV-Bezirksverbands Oberpfalz gerne nach, „denn den Musterlandwirt Leonhard Rösel will ich sehen“. Wortgewandt ist Rösel schon, und er versteht es, „sich zu verkaufen“.

Mehrmals umgestellt

Eingangs wies sein Vater Hermann Rösel, der aktuelle Betriebsleiter, darauf hin, dass seine Oma, eine echte Power-Frau, nach Kriegsende mit Fleckviehzucht angefangen habe. Seine Eltern hätten dann auf Bullenmast umgestellt, dabei die Betriebsfläche verdoppelt und nach der BSE-Krise habe er eine Biogasanlage gebaut, die immer noch zufriedenstellend laufe. Auf seine Initiative, so Leonhard Rösel, sei ab Juli 2021 auf Biolandbau umgestellt worden. Der BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz bezeichnete den Jungbauern als „jungen, innovativen Landwirt“, der neue Wege in der Landwirtschaft einschlage und dabei überaus erfolgreich sei.

BBV-Kreisobmann Peter Beer meinte, im Landkreis Amberg-Sulzbach gebe es über 1500 landwirtschaftliche Betriebe, auf über 1000 werde Vieh gehalten und rund 150 betreiben Okölandbau. Im Haupterwerb arbeiten gut 460 Landwirte. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Landkreis umfasse über 50 000 Hektar, über 35 000 Hektar seien Ackerfläche, der Rest Dauergrünland. Die Bauern im Landkreis haben über 20 000 Kühe, mehr als 13 000 Ferkel, fast 15 000 Mastschweine, rund 3500 Zuchtsauen, fast 70 000 Legehennen und über 40 000 Masthühner.

Leonhard Rösel führte den Regierungspräsidenten durch seinen Betrieb, unterstrich, dass seine Eltern offen sind, wenn er mit neuen Ideen komme, und freie Hand bei der Umsetzung habe. Den Neuwert seines Maschinenparks schätze er auf über eine Million Euro, aber die Geräte werden auch überbetrieblich eingesetzt.

Gutes Verhältnis zu Nachbarn

Mit der Abwärme der Biogasanlage trockne er jährlich an die 3500 Kubikmeter Trockengut, Mais, Getreide, Hackschnitzel. Die Biogasanlage liefere täglich rund 4500 KW-Stunden Strom, mit dem rechnerisch rund 400 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Bestückt werde die Biogasanlage mit nachwachsenden Rohstoffen, auch mit Mais oder Kleegras und die Gärreste werden als Dünger ausgebracht. "Wir arbeiten nicht im Verborgenen", sagt Leonhard Rösel. Der Betrieb sei transparent und "wir kommen auch mit unseren Nachbarn aus, informieren rechtzeitig, wenn es in Erntezeiten zu vermehrtem Verkehrsaufkommen kommen sollte".

"Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, damit müssen wir leben", sagt Rösel. Er achte besonders auf die Bodenqualität auf seinen Nutzflächen. Mit dem Anbau von Zwischenfrüchten schütze er die Flächen vor Austrocknung sowie Erosion und damit auch das Grundwasser. Mit der Umstellung auf Ökolandbau verfolge er vorrangig das Ziel, den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz und die Bezirksbäuerin Rita Blüml lobten Rösel für seine Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Landwirtschaft und Regierungspräsident Axel Bartelt meinte, die „Rösels“ seien schon eine beeindruckende Familie, ein echtes "Aushängeschild für die Landwirtschaft".

Hintergrund:

Das ist Landwirt Leonhard Rösel

  • Leonhard Rösel hat den Ceres-Award 2020 in der Kategorie Junglandwirt gewonnen
  • Er ist Landwirt und Techniker für ökologischen Landbau, bewirtschaftet den Familienbetrieb in Pilgramshof bei Neukirchen mit rund 180 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zusammen mit seinen Eltern Claudia und Hermann Rösel und einem landwirtschaftlichen Mitarbeiter
  • Schwerpunkte setzt Leonhard Rösel auf ökologischen Ackerbau ohne Chemie, auf Bio-Energie und Forstwirtschaft
  • Stolz ist der Junglandwirt darauf, dass er ab Juli 2021 komplett auf ökologischen Landbau umgestellt hat und seither auf chemischen Pflanzenschutz und Dünger verzichtet
"Mit Zwischenfrüchten schütze ich meinen Ackerboden vor Austrocknung und Erosion, der Boden bleibt locker“, sagt Leonhard Rösel.
Mit einer selbst konstruierten Versuchsanordnung bewies Leonhard Rösel, dass der mit Zwischenfrucht bedeckte Boden (rechts) das Regenwasser aufsaugt, im Gegensatz zur kahlen Ackerfläche (links).

 

 

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