07.12.2021 - 10:11 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Abbruch des Tritschler-Schornsteins verweist auf Fortgang der Altlastensanierung

Es könnte ein Symbol dafür sein, dass es mit der Sanierung der Bleikristallbranchen im Landkreis Neustadt/WN vorangeht. Stein für Stein verschwindet neben dem Bocklradweg der Kamin der ehemaligen Firma Tritschler & Co.

Die Zeiten des Schornsteins der 1987 stillgelegten Firma Tritschler & Co sind gezählt.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Für eine Sprengung ist das Gelände zu eng", sagt Projektleiter Roland Heberl vom Ingenieurbüro Rupp Bodenschutz in Neustadt/Kulm. Die Wohnhäuser jenseits des Bocklradwegs sind nicht weit genug weg, und die Industrieruinen der ehemaligen Bleikristallfabrik Tritscher, Winterhalder &Co stehen noch näher. Sie dürften ebenfalls weder von Teilen des umstürzenden Klinkerturms noch dem Druck der Sprengung nicht beschädigt werden. "Ein händischer Abbruch ist hier erste Wahl", sind sich der Projektleiter und die zuständigen Mitarbeiter des Landratsamts einig.

"Der Schornstein ist noch das geringste Problem", sagt die für die Altlasten zuständige Sachgebietsleiterin Anna Balk. "Aber er muss weg, weil er instabil ist." Gefahr droht von herabfallenden Ziegeln. Nun wird das 45 Meter hohe Bauwerk Stück für Stück auseinandergenommen.

Zu Wochenbeginn waren die ersten fünf Meter bereits weg. Zwei Industriekamin-Rückbauer brechen oben auf der Plattform mit Pressluft die Steine aus dem Schlot und lassen sie in den Kamin fallen. "Eine Woche ist dafür angesetzt - wenn das Wetter mitspielt", meint Heberl. Problem: Das Material ist extrem brüchig, und bei Wind wird die Arbeit als zu gefährlich und eingestellt. Ab einer Resthöhe von etwa 20 Metern ist Schluss für die beiden Kletterer. Bagger übernehmen flott die Abbrucharbeiten des Stumpfes.

Um zuvor das Material von den oberen Metern des Kamins zu bergen, wird mit dem Bagger ein Loch in den Fuß gerissen und der Abraum mit dem Minibagger herausgelöffelt. Die Steine werden zunächst in unmittelbarer Nähe zum Kamin zwischengelagert. Normaler, unbelasteter Schutt bleibt vor Ort, der Rest muss entsorgt werden.

Genaueres entscheidet die Laboranalyse. Die verzögert sich möglicherweise wegen Corona, da es bei dem Dienstleister Krankheitsfälle gebe, meinte Heberl.

Im etwas über 110 000 Euro umfassenden Auftragsvolumen ist der Abbruch des Rohstofflagers direkt neben dem Schornstein enthalten. Damit kein Regen ins Erdreich sickert, soll die Bodenplatte erhalten bleiben. Als Abgrenzung zum Bocklradweg wird weiterhin die Außenmauer stehen.

"Das wollten wir heuer noch über die Bühne bekommen, und das schaffen wir", ist Balk mit dem aktuellen Verlauf bei der Altlastensanierung zufrieden. Der Kamin sei ein Symbol, dass es vorangehe. Aktuell werden im Landratsamt die Ausschreibungen für drei Grundwassermesstellen und fünf bis sechs Aufschlussbohrungen bei Tritschler vorbereitet, informierte Bodenschutzrechtlerin Mirjam Hohl. Die Bohrungen sollen Aufschlüsse geben, welche Materialien, in welcher Tiefe zu erwarten seien.

Und bei den anderen Problemruinen? Bei Beyer & Co in Altenstadt sei man etwas hinter dem Zeitplan meint Balk. "Vermutlich geht es im Sommer an die Sanierungsuntersuchungen." Bei der Annahütte in Windischeschenbach laufe die Spezialuntersuchung.

Fahrplan der Altlastensanierung im Landkreis

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