07.09.2021 - 15:04 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Gibt es in diesem Sommer besonders viele Kartoffelkäfer?

Neben einem Maisfeld tummeln sich Scharen von Kartoffelkäfern. Auch in manchen Gärten im Kollegenkreis scheinen die pummeligen, gestreiften Tierchen sich gerne blicken zu lassen. Einzelfälle oder handelt es sich um ein Kartoffelkäfer-Jahr?

So sieht der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) aus. Gesichtet wurde er neben vielen weiteren Exemplaren in einem Garten in Waldthurn.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Dass der Sommer 2021 ein Schnecken-Sommer ist, ist bekannt. Doch ist er auch ein Kartoffelkäfer-Sommer? Sichtungen im Kollegenkreis legen dies nahe. Bei der Gartenfachberatung am Landratsamt Neustadt ist dazu aber keine einzige Frage eingegangen, weiß Maria Treiber. "Im Garten sollten Kartoffelkäfer nur vereinzelt aufgetreten sein." Die in diesem Jahr eher feuchte Witterung sei für die Ausbreitung der Käfer ungünstig gewesen. Die Insekten bräuchten vielmehr eine trockenwarme Frühjahrs- und Sommerwitterung. Die Gartenfachberaterin weiß dennoch einige spannende Fakten und Tipps zu berichten.

"Ursprünglich wurde vom Kartoffelkäfer am häufigsten der Stachel-Nachtschatten betroffen. Von dort wurden vermehrt Kartoffelpflanzen befallen – daher auch die heutige Bezeichnung." Wenn Kartoffeln im Garten angebaut werden, könne der Schädling daher auch in Gärten auftreten. Allerdings kann das auch beim Anbau anderer Sorten passieren, denn der Käfer mag generell Nachtschattengewächse: "Auberginen, Tomaten, Paprika, Peperoni, Andenbeeren oder Goji-Beeren gehören auch dieser Familie an, werden also ebenso befallen", erklärt Treiber.

Gegen einen Befall von Pflanzen im Hausgarten helfe das Absammeln, das Ausbringen von Kaffeesatz oder der Einsatz von biologischen Spritzmitteln wie Jauche aus Meerrettich oder Minze. Die chemische Keule ist also nicht das Mittel der Wahl. "Ich würde dringend davon abraten, zur Giftkeule zu greifen", sagt auch Jürgen Holl, Geschäftsleiter der Kreisgeschäftsstelle des BUND-Naturschutz. Weil Gift systemisch wirkt und das Nervensystem angreift, wirke es gegen alle Lebewesen. Auch er rät Privatgärtnern daher zum Absammeln der Larven. "Sie sitzen meist auf der Unterseite der Blätter, sind rot mit schwarzen Punkten und bilden oftmals kleinere Nester." Den Befall erkenne man an Löchern in den Blättern.

Auch in der Landwirtschaft gibt es laut der Gartenfachberaterin neben synthetischen Insektiziden wie Pyrethoriden biologische Mittel wie Präparate mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis oder aus Neem-Öl. Pflanzenschutzmittel sollten grundsätzlich nur bei starkem Befall eingesetzt werden. Es gelte außerdem, die Wirkstoffgruppe immer wieder zu wechseln, denn: "Der Schädling stellt sich schnell auf die Mittel ein." Damit es gar nicht erst so weit kommt, helfen vorbeugende Maßnahmen, wie Treiber erklärt:

  • Fressfeinde fördern: Schwebfliegen, Florfliegen, Marienkäfer, Kröten und Laufkäfer
  • Bodenbearbeitung: möglichst tiefgründig bearbeiten, Durchwuchskartoffeln aus dem Vorjahr konsequent entfernen, da diese bis zur Neupflanzung als Nahrung für Schädlinge dienen können
  • Anpflanzung: wechselnde Fruchtfolge beachten, frühe Sorten bevorzugen, in benachbarten Reihen Lein pflanzen
  • Insektenschutz: Pflanzenbestand frühzeitig mit Netzen oder Vlies abdecken
  • Pflegemaßnahmen: regelmäßig Unkraut entfernen und Pflanzenstärkungsmittel einsetzen
  • Kontrolle und Absammeln: Pflanzen ab Mai (Zeitpunkt der Eiablage des Kartoffelkäfers) regelmäßig kontrollieren; gefundene Ei-Gelege entsorgen (Restmüll, nicht Kompost)

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