15.11.2021 - 17:16 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mit Wagemut auf Afrikas Gipfel: Neustädter Ärztin bezwingt den Kilimandscharo

Kaum Bergerfahrung und höhenkrank. Die Voraussetzungen für die Neustädter Internistin Gudrun Graf, den Kilimandscharo mit seinen fast 6000 Metern Höhe zu erklimmen, waren nicht gut. Wie es ihr trotzdem gelang, ihren Traum zu erfüllen.

Am 4. August um 6.20 Uhr war es so weit: Die Internistin Dr. Gudrun Graf stand nach einigen Strapazen auf dem Gipfel des Kilimandscharo, des höchsten Berges Afrikas.
von Hans PremProfil

"Es war das schönste Erlebnis meines Lebens", gibt die Neustädter Internistin Dr. Gudrun Graf zu. Am 4. August, frühmorgens um 6.20 Uhr, stand sie nach monatelanger Vorbereitung und großen Strapazen auf dem Gipfel des 5.895 Meter hohen Kilimandscharo.

"Es ist schon ungewöhnlich, wenn man mit über 60 Jahren sein eingefahrenes Leben verlässt und wieder Single wird", gesteht sie. Nach einer gescheiterten langjährigen Ehe blieb ihr nichts anderes übrig. Die Medizinerin begann ein neues Leben und setzte sich neue Ziele. Die neuen Lebensumstände veranlassten die Mutter von drei erwachsenen Söhnen, nach Weiden zu ziehen. Die Aussicht auf ein beschauliches Rentnerdasein ohne ihre geliebte Arbeit als Ärztin bereiteten ihr aber Unbehagen und Panik. Sich zurückzulehnen bei ruhigen Fernsehabenden oder gelegentlichen Zoigl-Besuchen war ihr als Zukunftsperspektive einfach zu wenig. Es kam anders.

Zur Vorbereitung über die Alpen

Seit einiger Zeit kam sie in Erzählungen von Bekannten immer wieder mit dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas, und dessen Besteigung in Verbindung. Der "Kili" faszinierte sie immer mehr, so dass sie sich entschloss, das Abenteuer zu wagen.

Die Besteigung eines fast Sechstausenders will gut vorbereitet sein. Das riet ihr auch ihr Personal-Trainer Marko Maier, der mit ihr die physische Vorbereitung in Angriff nahm. Ein Freund ihres Sohnes empfahl ihr, als Vorbereitung einige kleinere Berge zu besteigen. "Bis zum Sommer 2020 hatte ich niemals einen Berg bestiegen oder auf einer Berghütte übernachtet", gesteht sie. Und jetzt das volle Programm. Mit einer Gruppe überquerte sie auf dem Fernwanderweg E5 die Alpen von Oberstdorf nach Meran. Als Single und Wander-Greenhorn traute sie sich das nicht alleine zu. Nach der erfolgreichen Überquerung buchte Gudrun Graf die Besteigung des Kilimandscharo. Und das sollte sie nicht bereuen. Die Wanderführer organisierten den Trip bestens.

Herzrasen und Atemnot

Als Vorbereitung standen ausgedehnte Wanderungen und Dauerläufe sowie ein besonderer Ernährungsplan, ausgearbeitet von ihrem persönlichen Trainer, auf dem Programm. "Einmal sind wir 50 Kilometer von Vohenstrauß nach Eslarn mit acht bis zehn Kilogramm Gepäck auf dem Rücken gewandert", erinnert sie sich. Das sei schon grenzwertig gewesen. Aber auch nötig, denn in Afrika erwartete die Ärztin noch einiges mehr.

In zehn Tagen musste sich die Medizinerin dort zunächst akklimatisieren und an die Höhe gewöhnen. Dazu bestieg die dreiköpfige Gruppe, betreut von einem Team von Trägern und Führern sowie einem Koch, zunächst den Mount Meru, mit 4.562 Metern der fünfthöchste Berg Afrikas. Dort ereilte die Ärztin die Höhenkrankheit mit Herzrasen und Atemnot. Immer wieder stellte sie sich die Frage, ob sie den Kili wohl schaffen werde. Und was ist, wenn sie versagt?

Unbeschreibliches Glück

Die verschiedenen Camps lagen in immer größerer Höhe, bis die Gruppe am 3. August gegen Mitternacht zum "Gipfelsturm" auf den Kilimandscharo aufbrach. "Nach 1.200 weiteren Höhenmetern Aufstieg mit Stirnlampen in Eiseskälte stand Gudrun Graf einen Tag später gegen 6.20 Uhr auf dem Uhuru-Peak, dem höchsten Gipfel des Kilimandscharo. "Das Glücksgefühl war unbeschreiblich und hat sich mir für ewig eingeprägt." Der zweistündige Abstieg ins Basislager war nur noch Formsache.

Rückblickend schwärmt sie von der Herzlichkeit ihres Begleit-Teams und dem Teamgeist ihrer Gruppe, von den einmaligen Eindrücken der afrikanischen Natur. Sie verhehlt aber auch nicht, dass sie an ihre physischen Grenzen gelangt war.

Über ihre Erlebnisse rund um ihr Kilimandscharo-Abenteuer hat Graf ein Buch geschrieben und sich damit einen weiteren Lebenstraum erfüllt. Nächstes Jahr hat die Ärztin, die sich auch jetzt fit hält, ein neues Ziel vor Augen: Sie will nach Peru auf den Machu Picchu.

Weidener Bergsteiger im Himalaya

Weiden in der Oberpfalz
Neues Leben, neue Ziele setzte sich die Ärztin Dr. Gudrun Graf. Sie brach zu einem Abenteuer nach Afrika auf. Die Besteigung des Kilimandscharo im Hintergrund stellte für sie eine besondere Herausforderung dar.
Hintergrund:

Buch zur Wanderung

  • Buch von Gudrun Graf über ihre Erlebnisse auf dem Kilimandscharo
  • Titel: "Hakuna Matata - Neues Leben - Neue Ziele"
  • "Mutmacher" für alle, die ein neues Leben beginnen
  • 70 Seiten von der Anreise bis zum Abstieg vom Kilimandscharo
  • Vorstellung am 4. Dezember in der Regionalbibliothek Weiden

 

 

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