Borkenkäfereinsatz: Abholzaktion im Waldnaabtal

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Jedes Jahr im Juli und August treibt der Borkenkäfer sein Unwesen. Im Bereich der Blockhütte im Waldnaabtal hat der Buchdrucker gewaltig zugeschlagen. Rund 280 Festmeter Fichtenholz mussten gefällt werden. Die einzig mögliche Lösung.

Am Harvester lässt sich exakt die Länge einstellen, die das Sägewerk zur Weiterverarbeitung der Stämme braucht.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Bei der routinemäßigen Suche nach Borkenkäferbefall entdeckten die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten Waldsassen ein großes Käfernest im Naturschutzgebiet Waldnaabtal. Betroffen war der Hang südlich der Blockhütte, angrenzend an den Uferpfad. Steillage und felsiges Terrain – ein schwieriges Gelände für Maschineneinsatz, erklärt der zuständige Revierleiter Matthias Gibhardt.

Schnelles Handeln sei nötig gewesen, weil die Käfer zum Teil schon wieder ausgeflogen waren, sagt der Förster. Forstbetriebsleiter Norbert Zintl, Matthias Gibhardt und Forstwirtschaftsmeister Siegfried Schwarzbauer schauten sich das Schadensbild vor Ort an und planten gemeinsam den Einsatz. "Bei Käferbefall spielt der Zeitfaktor die wesentliche Rolle", so Gibhardt. Im Steinwald arbeitete zur gleichen Zeit ein Trupp des Forstbetriebs Pscherer aus Fichtelberg Käferholz auf. Die vier Mann brachen den dortigen Einsatz ab und verlegten ihre Maschinen sofort ins Waldnaabtal, weil es ein touristisches Glanzlicht der Region darstellt und schon aus dem Grund Eile geboten war. "Hier steht der Schutzgedanke im Vordergrund", so Gibhardt.

Sicherheit an oberster Stelle

Florian Englmann bediente den Harvester, den Rückezug fuhr Berthold Pscherer, Wolfgang Müller und Nico Hermann standen als Zusäger zur Verfügung. Die beiden wurden gebraucht, weil im Steilhang der Harvester nicht eingesetzt werden konnte. Er bewegte sich entlang der Forststraße und entnahm die Bäume in dem Bereich, die sein Ausleger zuließ. Was darüber hinaus gefällt werden musste, erledigten die Zusäger, klassisch mit der Motorsäge. Sie fällten die Bäume so, dass sie im Bereich des Harvesterzugriffs zum Liegen kamen, der sie dann weiterverarbeiten konnte.

Borkenkäfer-Überwachung in den Bayerischen Staatsforsten

Regensburg

Am Montag um 6.30 Uhr wurde die Aktion gestartet. Sicherheit steht bei der Waldarbeit an oberster Stelle. Dafür sorgen als Einsatzleiter Siegfried Schwarzbauer zusammen mit Martin Hecht, Rudolf Patzina und Bernhard Kuchenreuther vom Forstbetrieb Waldsassen. Alle, die an der Aktion beteiligt waren, standen in Funkkontakt. Schwarzbauer lobt die Erholungsuchenden, die vom großen Wanderparkplatz bei Ödwalpersreuth ins Waldnaabtal wollten. Alle hätten sich vorbildlich verhalten, keiner die Absperrungen missachtet und die ausgeschilderte Umleitung benutzt. Auch deshalb waren bereits am Montag zwei Drittel der Arbeiten getan.

Bei Käferbefall spielt der Zeitfaktor die wesentliche Rolle.

Revierleiter Matthias Gibhardt

Am Dienstagvormittag wurde der Rest erledigt und anschließend der Weg zur Blockhütte gesäubert, so dass am Nachmittag kaum mehr Spuren vom Einsatz zu sehen waren. Außer, dass der Wald auf der rechten Uferpfadseite jetzt viel heller und lichter dasteht als zuvor. Leider wurden noch weitere Käfernester ausgemacht. Größere im Bereich Gletscher- und Hammermühle und zwei kleinere südlich davon. Bei letzteren müssen je zwischen 10 und 20 Festmeter gefällt werden. "Die haben wir gerade noch erwischt", stellt Gibhardt fest.

Ein Sechzehntel des Jahreseinschlags

Im gesamten Revier Falkenberg, für das der Förster verantworlich ist, rechnet Gibhardt nach derzeit bekanntem Akutbefall mit etwa 1000 Festmeter Käferholz, was rund einem Sechzehntel des gesamten Jahreseinschlags von 16.500 Festmeter in diesem Bereich entspreche. Allerdings sei ganz Bayern betroffen und natürlich auch der Privatwald. Da käme dann schon einiges zusammen. "Für uns stellt das einen immensen Preisverfall dar, denn auch im Forst regelten Angebot und Nachfrage die Preisgestaltung", erläutert Gibhardt. Der Weg vom Parkplatz zur Blockhütte ist nun aber wieder störungsfrei begehbar. Das Holz ist am Waldrand gelagert und wird demnächst abgefahren.

Hintergrund:

Seit Jahren kämpfe man im Waldnaabtal gegen den Käfer. Auch wenn schon große Abholzflächen entstanden seien und noch entstehen werden, werde es auch künftig die Fichte im Waldnaabtal geben. Das kühle, feuchte Tal käme dieser Art besonders entgegen. Die Fichte verjüngt sich dort sehr gut von selbst.

Allerdings werde der Anteil schon deutlich zurückgehen, von bisher etwa 80 auf 30 oder 40 Prozent, schätzt Revierleiter Matthias Gibhardt. Man versuche, die Lücken mit klimatoleranteren Baumarten zu ergänzen. Dazu zählten Lärche, Eiche und Ahorn. Man setzte auch dabei zu einem Teil auf natürliche Bestockung.

Und ab Herbst werde auch gepflanzt. Buchen werden nicht eingebracht, weil die der Biber in dem Bereich zum Fressen gern habe. "Gerade an solch sensiblen Stellen wie hier holzen wir nicht gerne großflächig ab. Aber die Realität ließ uns keine Wahl", sagt Gibhardt.

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