25.09.2020 - 17:07 Uhr
PfreimdOberpfalz

Mit Abstand an die Schwalbe

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"Brodl, brodl!" Mit diesem Schlachtruf macht sich der Kirwaverein von Pfreimd Mut für eine Feier mit Hygiene-Konzept. Vorsitzender Jörg Irlbacher erklärt, warum ein traditioneller Kirwa-Baum gerade jetzt so wichtig ist.

Kirwa trotz Corona: Der Vorsitzende des Pfreimder Kirwavereins, Jörg Irlbacher (vorne) will in Pandemie-Zeiten ein Stück Normalität ins Stadtgeschehen bringen. Dafür steht in diesem Jahr der 26 Meter lange Kirwabaum (mit Spitze 31 Meter), der heute aufgestellt wird.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Prachtstück von Kirwa-Baum in der Halle des Busunternehmens Vogl ist fast fertig. Die Schnitzereien unter Regie von Kevin Lösch sind fast abgeschlossen, das Stadtwappen liegt parat. Gelassen sehen die Mitglieder des Kirwavereins einem Wochenende entgegen, das in diesem Jahr von Superlativen bei Publikum und Bierkonsum ziemlich weit entfernt sein dürfte. Ganz auf eine Feier unter Corona-Vorzeichen wollte man in Pfreimd nicht verzichten. Die Gründe dafür erläutert Vorsitzender Jörg Irlbacher im Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Was hat die Pfreimder dazu bewogen, trotz Corona nicht ganz auf die Kirwa zu verzichten?

Jörg Irbacher: Wir wollten einfach ein bisserl Normalität ins Stadtleben bekommen. Letzlich geht es hier um Tradition. Wir hatten auch mit der Angst zu kämpfen, dass alles, was wir uns aufgebaut haben, wieder einschläft, wenn man ein Jahr pausiert.

ONETZ: Gab es dafür auch Kritik?

Jörg Irbacher: Die gab es von vielen Seiten, besonders von den älteren Mitgliedern. Aber im Ausschuss waren wir uns einig, dass wir es auf jeden Fall versuchen wollen. Und wir haben dafür auch viel Aufwand betrieben. Das Hygiene-Konzept musste von Landratsamt und Stadt gebilligt werden, und es gab da jede Menge Paragrafen und Hindernisse.

ONETZ: Was war das größte Problem?

Jörg Irbacher: Der Abstand an den Schwalben. Das sind die Stützen, die zum Aufstellen des Kirwa-Baums verwendet werden. Mit 1,50 meter Abstand ist das nicht zu schaffen. Aber wir haben die Vorgaben so gelöst, dass an jeder Schwalbe Familienmitglieder zusammengruppiert werden. Zusätzlich tragen alle Helfer permanent Mund-Nase-Schutz.

ONETZ: Der Kirwaverein zählt nicht als Familie?

Jörg Irbacher: leider nein. Aber es ist ein Glück, dass wir hier eine anerkannte Tradition haben, sonst hätte das mit dem Baumaufstellen gar nicht geklappt.

ONETZ: Wie viel Spaß bleibt bei so vielen Regeln?

Jörg Irbacher: Die Kirwa-Vorwoche hat gezeigt, dass sich jeder an die Regeln hält, der Spaß war trotzdem da. Man merkt es den Mitgliedern an, dass es notwendig war, sich einfach mal wieder zu treffen.

ONETZ: Hält sich also die Trauer über ein abgespecktes Fest in Grenzen?

Jörg Irbacher: So würde ich das nicht sagen. Aber tatsächlich kann man alles mehr in Ruhe genießen. Druck und Stress beim Zeltaufbau fallen weg, man hat mehr Zeit für Gespräche.

ONETZ: Wie managt ihr das mit den Zuschauern?

Jörg Irbacher: Das läuft alles vereinsintern ab mit unter 200 Personen. Wir sperren großräumig ab. Security achtet darauf, dass auch außerhalb dieses Bereichs die Abstände passen. Ein Kran ist nur zur Absicherung da, denn es ist schließlich der gemeinsame Kraftakt, der für den besonderen Zusammenhalt wichtig ist.

ONETZ: Was ist mit dem Kirwatanz?

Der fällt komplett aus, da wären die Hindernisse zu groß gewesen.

ONETZ: Und in welchem Rahmen wird gefeiert?

Wir unterstützen ganz einfach in Gruppen die örtlichen Wirtshäuser: am Samstag die Gastronomie in der Landgraf-Ulrich-Halle, Sonntag sind wir beim Paulus und am Montag ist Frühschoppen im Sportheim.

ONETZ: Denkt ihr jetzt schon an eine Kirwa 2021 ohne Corona?

Jörg Irbacher: Die Planungen sind tatsächlich schon sehr weit fortgeschritten. Wir haben die Zeit gut genutzt, viele Bands gleich für nächstes Jahr verpflichtet. Da gibt es dann am Samstag "Grögötz Weißbir", am Sonntag spielen "Deschowieda", am Montag die Oberpfälzer Spitzboum. Außerdem wird am Sonntag Mia Julia auftreten. Kkein Double, sondern die echte, ein Schlagerstar, den man von Ballermann kennt.

Und damit hatte der Kirwaverein Pfreimd im Vorjahr zu kämpfen

Pfreimd

Ein Kran ist nur zur Absicherung da, denn es ist schließlich der gemeinsame Kraftakt, der für den besonderen Zusammenhalt wichtig ist.

Kirwavereins-Vorsitzender Jörg Irlbacher

Kirwavereins-Vorsitzender Jörg Irlbacher

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