22.10.2021 - 13:02 Uhr
PfreimdOberpfalz

Malerin Sabine Leipold beweist in Pfreimd mit ihren Bildern "Mut zur Farbe"

Sabine Leipold taucht ihren Himmel schon mal in kräftiges Rot, sorgt absichtlich für Risse und macht beim Spiel mit Farben auch dem Zufall Platz. Das Ergebnis solcher Experimente zeigt eine Ausstellung im Pfreimder Bürgersaal.

Sabine Leipold kehrt mit ihrer Ausstellung "Mut zur Farbe" für drei Sonntage zurück in die Heimat und stellt im Bürgersaal aus. Im Gepäck: rund 60 Bilder in Acryl-, Aquarell- und Mischtechnik sowie Fluid Painting.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Drei Tage vor der Eröffnung der Ausstellung lehnt ein Großteil der Werke noch fein säuberlich in Luftpolster-Folie verpackt an den Stellwänden. Künstlerin Sabine Leipold ist im Bürgersaal der Stadt Pfreimd gerade dabei zu entscheiden, was an welchem Platz am besten aufgehoben ist. Für Oberpfalz-Medien gestattet sie vorab schon einmal einen Rundgang durch die Sammlung und einen Blick auf diese erste Sonderausstellung unter Regie des Museums, der noch viele weitere folgen sollen.

Die ersten beiden Bilder, die bereits hängen, sind ein Tribut an die Heimat der Künstlerin: Sabine Leipold ist in Pfreimd geboren, hier aufgewachsen und hier bei ihrer Ausbildung mit viel Farbe in Kontakt gekommen. Ihre ersten Schritte hat sie allerdings nicht auf Papier oder Leinwänden gemacht, sondern eher monochrom an großen Wänden, als Lehrling im Maler- und Lackierer-Handwerk bei der Pfreimder Firma Betz. Dass sie mehr kann, das stellte sie zum ersten Mal unter Beweis, als sie von Arbeitskollegen herausgefordert wurde. "So ging das los", sagt Leipold, die damals das Bild eines alten, faltigen Mannes präsentierte. "Da konnten die Kollegen nichts mehr sagen", erinnert sie sich und schmunzelt.

Flüssige Malerei

Alte Gesichter hat die inzwischen 57-Jährige für die Ausstellung in Pfreimd mit dem Titel "Mut zur Farbe" nicht im Gepäck. Dafür Landschaften, reale und imaginäre. Ein großformatiges Frauenporträt schimmert durch die Luftpolster-Folie, auch Blumen sind dabei, und an der Stirnseite lehnen die Zeugnisse eher experimenteller Kunst. "Fluid Painting" nennt sich diese "flüssige Malerei", die ohne Pinsel auskommt: Farben werden im flüssigen Zustand auf den Malgrund aufgebracht, wo sie mit diversen Hilfsmitteln ineinander verlaufen und so teilweise schwer vorhersehbare Effekte erzielen. Doch Leipold kann auch Kästchen und Kreise, verwoben zu einer ungegenständlichen Kompositionen in Acryl, die den zarteren Aquarellen Konkurrenz macht.

"Eigentlich habe ich ja mit Ölfarbe angefangen", berichtet die Künstlerin, die seit Beginn ihrer ersten Phase mit "Wiesen, Wälder und Schafen" immer autodidaktisch unterwegs war und inzwischen selbst Kurse gibt. "Immer wenn ich Geld brauchte, hab ich gemalt", erinnert sie sich an die D-Mark-Zeit, als der Geldbeutel bei den Kunstinteressierten noch lockerer saß. Mehr als zehn Jahre war Sabine Leipold bei der Firma Lichtwerbung Greiner beschäftigt, bevor sie sich 2017 als Werbegrafikerin selbstständig machte. Inzwischen wohnt sie seit vielen Jahren in der Umgebung von Regensburg, aber der Malerei ist sie "mit großen Pausen" treu geblieben. "Das Leben hat nicht immer die Zeit dafür parat." Aber man entwickelt sich auch dann weiter, wenn man einfach nur Eindrücke sammelt, so die Überzeugung der Künstlerin.

Der Lockdown in der Corona-Pandemie hat auch für sie Kurse und Ausstellungen in die Ferne rücken lassen. Die Bilderschau an drei Sonntagen in Pfreimd ist die erste nach der erzwungen Pause. "Pop-up", nennt sie Museumsleiterin Carola Reul, weil es sich nur um drei einzelne Tage in drei Wochen handelt, bevor die bunten Bilder wieder den Rückweg antreten – oder endgültig eine Wand zum Bleiben gefunden haben. Das Aquarell von der Klosterkirche beispielsweise oder die Stadtweiherwiesen, die Leipold vor einem Gewitter fotografiert hat. "Da war das Licht einfach perfekt", kommentiert die 57-Jährige, die noch ein weiteres Motiv aus der alten Heimat zu ihren Lieblingsbildern zählt: das mit der Herbststimmung auf dem Feldweg in der Nähe des Klosters. "Aber eigentlich mag ich alle", schränkt sie ein, das Bild mit dem Havelkanal genauso wie eines von der Insel Hiddensee.

Mit Absicht Risse provoziert

Nicht alles hat ein reales Pendant. "Einige sind reine Fantasie-Bilder", gesteht die Schöpferin dieser bunten Farbwelten, die sich auch zu einem Faible für Häuser bekennt und eines ihrer Werke mit LED sogar als Leuchtbild und potenzielle Lampe ausgestattet hat. "Es muss auch nicht alles nach den Regeln sein", meint Sabine Leipold mit Blick auf einen knallroten Himmel über grünen Bäumen in Mischtechnik. "Rot steht für Energie, früher habe ich deshalb auch die Sonne öfter rot gemalt." Mit Marmor-Mehl und Spachtelmasse hat die Künstlerin unter der Farbe für Struktur gesorgt, mit Absicht kleine Risse provoziert, um ihr Motiv noch eine Spur plastischer zu machen. "Es gibt ja viele Menschen, die sagen, dass sie nicht malen können, aber mit der richtigen Technik kann man viel erreichen", ist die 57-Jährige überzeugt.

Nur kein röhrender Hirsch

Fertig ist für sie, was gefällt. Das gilt auch fürs Fluid Painting, wo Farbe mit dem Becher aufgetragen und das Bild dann geschwenkt wird, während Kleber oder Silikonöl für Blasen sorgen. Bei Sabine Leipold haben alle diese Farbenspiele nebeneinander Platz, und bei Bedarf fertigt sie auch Auftragskunst. Davon zeugt ein Bild, das schon vor der Eröffnung einen roten Punkt am Rahmen trägt. Das Aquarell, das den Pfreimder Ortsteil Stein zeigt, ist längst verkauft und hängt normalerweise bei Bürgermeister Richard Tischler an der Wand, der damit auch sein Elternhaus im Blick hat. Mit ihrem künstlerischen Selbstverständnis lasse sich so etwas schon vereinbaren, räumt die Malerin ein . "Sollte es ein röhrender Hirsch sein, dann ist das natürlich etwas anderes."

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Pfreimd
Service:

Von Aquarell bis Fluid Painting

  • Ausstellung: 60 Bilder Acrylmalerei, Aquarelle, Fluid Painting, Mischtechnik im Bürgerhaus/Schloss Pfreimd, Schlosshof 13 in Pfreimd.
  • Vernissage: Sonntag, 24. Oktober, 14 Uhr.
  • Öffnungszeiten: Sonntag, 24. Oktober, 11 bis 17 Uhr; 31. Oktober und 7. November 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 09606/88962 oder museum[at]pfreimd[dot]de.
  • Kontakt: für Kunst und Kurse unter Kunst[at]sabineleipold[dot]de

 

 

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