30.09.2021 - 17:25 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimder Disco feiert Wiedereröffnung mit Party bis 5 Uhr morgens

"Der Mann weiß, was gespielt wird": Mit diesem Satz wirbt DJ Waschl alias Josef Reichl für die Pfreimder Diskothek "Downtown". Ab Freitag spielt er wieder mit in der Partyszene. Andere Disco-Betreiber im Landkreis halten sich zurück.

Die Lichtorgel in der Pfreimder Diskothek "Downtown" hat Betreiber Josef Reichl alias DJ Waschl schon getestet, sie funktioniert. Mit dem OK aus München darf ab Freitag, 1. Oktober wieder getanzt werden, ohne Maske, aber mit Einschränkungen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Den ersten Probelauf hat die Pfreimder Disco mit Kultstatus nach eineinhalb Jahren Schließung schon hinter sich. Am vergangenen Wochenende durfte der Kirwaverein als geschlossene Gesellschaft Disco-Luft schnuppern. Einen Tag vor der von Ministerpräsident Markus Söder schon vor Wochen angekündigten Erlaubnis zur Wiederöffnung ist es momentan noch kühl in den Räumen, wo sich die Lichtorgel dreht - und Inhaber Josef Reichl baut darauf, dass sich die Ankündigung nicht als heiße Luft entpuppt. Denn pünktlich am Freitag um 22 Uhr will er seine Disco "Downtown" wieder aufmachen. Dann ist Party bis 5 Uhr morgens. Und am Samstag, 2. Oktober, gleich noch einmal. Doch ein Punkt dämpft am Donnerstagvormittag seine Euphorie beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Er führt dazu, dass andere Clubs im Landkreis gar nicht erst aufsperren.

"Vor drei Wochen schien alles klar zu sein, doch jetzt fehlen die Details", klagt er mit Blick auf die Frage, ob es beispielsweise an Tischen oder auf der Tanzfläche eine Maskenpflicht geben soll. "Ein kompletter Rückzieher, das wäre jetzt eine Katastrophe", sagt der langjährige Diskothekenbetreiber und passionierte DJ. Nach Söders Ankündigung zur Diskotheken-Öffnung hat er als erstes zum Telefon gegriffen, um Personal aufzutreiben. "Einige haben inzwischen etwas anderes gefunden und sind nicht mehr dabei", bedauert der Chef, der immerhin auf ein Stamm-Team zählen kann, mit dem er nebenan in der Musikkneipe "Yesterday" den Lockdown zum Teil überbrückt hat. Da war das Nachleben lange bis 1 Uhr limitiert. "Aber wer um ein Uhr nicht heimgehen will, der trifft sich einfach woanders wieder", äußert er Kritik an den bisherigen Regelungen.

Für Ansturm gerüstet

Dass für den Disco-Besuch nun die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) gilt, damit hat er sich abgefunden. Wobei es schon ein PCR-Test sein muss, für den am Donnerstagvormittag noch nicht geklärt war, wie lang er gültig sein sollte. "Ich würde auch aufmachen, wenn das nur mit 2 G möglich ist", sagt der 65-Jährige, dem es dann freilich leid tun würde für Stammgäste wie einen Schwarzenfelder, der seit 35 Jahren kommt und der sich nun gleich für beide Tage angemeldet hat. Wie groß der Ansturm am Wochenende sein wird, lässt sich für Reichl momentan nur schwer abschätzen. Er ist jedenfalls gerüstet. Zwei Tage lang wurde geputzt, der Getränke-Vorrat wurde aufgestockt, und in der Küche wartet geriebener Käse auf den Einsatz bei der selbst gemachten Pizza. Für den Nachmittag hat sich der DJ vorgenommen, noch Fleischküchel zu backen, die er für Hamburger und Cheeseburger braucht.

Viele seiner Kollegen sind da vorsichtiger. "Nein, wir machen dieses Wochenende, also Freitag, 1. 10., und Samstag, 2. 10., noch nicht auf", heißt des auf der Facebook-Seite der Nabburger Diskothek "Pearls". "Mia derfa wieda!!!", freut man sich im Netz beim Musikpark Wackersdorf, doch auch dort bleiben an diesem Wochenende die Türen zu. Noch sei alles "viel zu vage, reinstes Harakiri, was der Staat da vorgibt", sagt Betreiber und Geschäftsführer Raimund Müller. "Ich bin mit Leib und Seele Gastronom", bekennt er, "aber jetzt überstürzt aufzusperren, ist nicht meine Art". Erst ein strenges Hygienekonzept, dann auf einmal alles egal: Das könne er nicht nachvollziehen, meint er und betont die Verantwortung gegenüber den Gästen.

Lust und Frust

Auch die Gäste sind irritiert. "Und wer darf rein?", fragen sich Kunden in den Sozialen Medien. Von einer "Fortsetzung der Zwei-Klassen-Gesellschaft" ist die Rede. Andere kündigen an, lieber zu Hause zu bleiben, bevor sie sich testen oder impfen lassen. Der Pfreimder DJ im Rentenalter will nicht daheim bleiben, auch wenn nach der langen Pause bei der Lichtsteuerung noch nicht alles perfekt klappt und ein Verstärker Probleme macht. Immerhin, die Nebelmaschine funktioniert.

"Ich habe das Gefühl, dass die Leute enorm Lust auf eine lange Nacht haben", sagt Reichl, der in seinem Gewerbe den Kontakt zu jungen Leuten schätzt. "Es bringt mich einfach auf ein gutes Level, mit jungen Leuten zu arbeiten", stellt er klar und strahlt, wenn man ihn nach den ersten Songs fragt, die er nach eineinhalb Jahren Pause im Downtown auflegen wird. "Another Brick in the Wall" von Pink Floyd fällt ihm als erstes ein, "Take me home tonight", "I wish I was a Punk Rocker" oder "Don't stop me now". DJ Waschl ist die Freude anzusehen, wenn er sich vorstellt, wie in seiner Disco wieder alle mitsingen bei "Am Tag als Conny Kramer starb", auch wenn keiner so genau weiß, warum gerade dieses Lied hier den Status eine Hymne hat. Josef Reichl jedenfalls kann nach 43 Jahren im Disco-Geschäft eine virusbedingte Pause nicht stoppen. Altersmäßig hat er sich kein Limit gesetzt, die Gesundheit müsse halt mitspielen, räumt er ein und fügt hinzu: "Energie habe ich jede Menge, Lust und Laune auch."

Auch in den Nachbarlandkreisen stehen Discos in den Startlöchern

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Disco-Tanz ohne Abstand und Maske

  • 3G-plus-Regel: Für Besucher und Beschäftigte gilt bei dem am 1. Oktober zulässigen Disco-Besuch die übliche Regel (geimpft, genesen, getestet), allerdings mit einer Verschärfung beim Test: Es muss sich um einen negativen PCR-Test handeln, ein Antigen-Schnelltest oder ein Selbsttest reichen nicht aus. Beschäftigt
  • Tresen und Tanzfläche: Laute Musik, Tanz ohne Abstand sowie die Abgabe von Getränken am Tresen sind wie branchenüblich zulässig, so der Kabinettsbeschluss vom Donnerstag, der von einer Maskenpflicht auf der Tanzfläche absieht.
  • Kontrolle: Die Staatsregierung hat sich in Zusammenhang mit der Wiederöffnung von Diskotheken und Clubs für "konsequente Kontrollen" ausgesprochen. Bei Verstößen droht ein Bußgeld.

"Ich habe das Gefühl, dass die Leute enorm Lust auf eine lange Nacht haben."

Disco-Betreiber Josef Reichl

Disco-Betreiber Josef Reichl

 

 

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