08.09.2020 - 10:40 Uhr
PfreimdOberpfalz

Zwist belastet Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt

Zwei langjährige Freunde und Weggefährten sind sich heute spinnefeind. Eine Fehde zwischen Georg Pfannenstein und Norbert Süß belastet seit einem halben Jahr den Pfreimder Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt schwer.

Der AWO-Ortsverband wählte einen neuen Vorstand. Das Bild zeigt von links Schatzmeisterin Roswitha Krös, Bürgermeister Richard Tischler, Vorsitzende Brigitte Meja, Kreisvorsitzende Ulrike Roidl und Schriftführer Helmut Schinn.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die „Sozialpädagogische Tagesstätte“ (SPT) in Pfreimd wurde mittlerweile zur „Heilpädagogischen Tagesstätte“ (HPT) aufgewertet. Träger ist der Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), ehrenamtlicher Geschäftsführer Georg Pfannenstein.

Bei der Jahreshauptversammlung erinnerte er an die schwierigen Anfangsjahre und die positive Entwicklung, die die Einrichtung zur Betreuung benachteiligter Kinder in den vergangenen 15 Jahren genommen habe. Die hohe Auslastung, Patenschaften, Spenden und Erlöse aus Veranstaltungen ließen das Vermögen der Einrichtung auf eine sechsstellige Summe anwachsen. „Die HPT ist mein Kind und Teil meiner persönlichen Lebensleistung“, versicherte Georg Pfannenstein.

Erste Überlegungen zur Stiftungsgründung bereits im vergangenen Jahr

Pfreimd

Um das Geld vor dem Zugriff des Ortsvereins, der damit angeblich ein Vereinsheim bauen will, zu sichern, plante der Geschäftsführer die Gründung einer Stiftung. Doch Stadtrat und AWO-Ortsverein blockten das Vorhaben ab. Daraufhin sollte der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft der Einrichtung übernehmen. „Dann könnte ich beruhigt abtreten“, gab Georg Pfannenstein zu verstehen. Dem Ortsverband spricht er nämlich „jegliche Kompetenz zur Führung der Einrichtung“ ab.

Irrtum der Regierung?

Der Ehrenvorsitzende des AWO-Ortsverbandes Pfreimd, Norbert Süß, schilderte den Sachverhalt völlig anders. Er interpretierte ein Schreiben der Regierung so, als wollte Georg Pfannenstein den Ortsverein ausbooten und sich die Einrichtung „persönlich unter den Nagel reißen“. HPT-Leiterin Maria Söllner widersprach und sah in dem zitierten Brief einen Irrtum der Regierung infolge der Umwidmung von der „Sozialpädagogischen Tagesstätte“ zur „Heilpädagogischen Tagesstätte".

AWO-Kreisvorsitzender Ulrike Roidl reißt allmählich der Geduldsfaden. Obwohl sämtliche Missverständnisse mittlerweile ausgeräumt seien, gehe der Streit weiter. Ihr Appell: „Beenden wir die Diskussion, sie schädigt nur den guten Ruf der Arbeiterwohlfahrt“. Auch Bürgermeister Richard Tischler mahnte zur Sachlichkeit und betonte: „Es geht doch letztlich um das Wohl der benachteiligten Kinder“.

Ortsverband bleibt Träger

Die Frage blieb: „Wer soll künftig die Trägerschaft der Heilpädagogischen Tagesstätte übernehmen?“ Mitglied Maria Ostler-Scharl machte sich für den Kreisverband stark, Stadtrat und Mitglied Norbert Auer für den Ortsverband. Die Abstimmung fiel mit 31 zu 13 Stimmen klar für den Ortsverband aus, der damit weiter Träger der Einrichtung bleibt.

Die Mitglieder bestätigten Vorsitzende Brigitte Meja mit 39 Ja- und vier Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen im Amt. Neuer zweiter Vorsitzender ist Norbert Auer, der sich in einer Kampfabstimmung mit 29 zu 14 gegen Norbert Süß durchsetzte. Neu im Vorstand ist auch der ehemalige Stadtrat Hans Müller. Von diesen beiden erwarten die Mitglieder eine Vermittlerrolle. Einer von ihnen soll auch der nächste Geschäftsführer werden, wenn Georg Pfannenstein aus Altersgründen abtritt.

Auf das Vermögen der HPT hat der Ortsverein keinen Zugriff. Die Mitglieder beschlossen, Rücklagen in Höhe von 240 000 Euro zu schaffen, und sicherten dem Ortsverein damit weiterhin den Status der Gemeinnützigkeit.

Hintergrund:

Der neue Vorstand des AWO-Ortsvereins Pfreimd: Vorsitzende Brigitte Meja, zweiter Vorsitzender Norbert Auer, Kassier Roswitha Krös, Schriftführer Helmut Schinn, Beisitzer Lydia Bonna, Annemarie Kuppich, Karl Mayer, Martin Krös, Hans Müller, Theresia Wagner und Clementine Wölker. Als Kassenprüfer stellten sich Christa Schießl und Arnold Kimmerl zur Verfügung.

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