26.11.2021 - 10:48 Uhr
PleysteinOberpfalz

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel": Komparsin Grit Jäger aus Pleystein erinnert sich

Jeder kennt's, und für viele gibt es kein Weihnachten ohne diesen Film: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". In diesem Jahr sehen sie beim Vorspann vielleicht etwas genauer hin. Grit Jäger aus Pleystein war mit 13 als Komparsin dabei.

Nie und nimmer hätte Grit Jäger (im Hintergrund mit den langen Haaren) gedacht, dass diese Szene noch nach fast 50 Jahren jede Weihnachten im Fernsehen läuft. Die gebürtige Sächsin war als Statistin bei den Dreharbeiten dabei.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Es ist nur eine kleine Statistenrolle, aber eine wunderschöne. Grit Jäger (61) aus Pleystein ist im Vorspann des Weihnachtsklassikers "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu sehen. Minute drei. Sie ist das Mädchen mit den braunen langen Haaren, das auf einem Leiterwagen steht und fegt. Fans wissen, welche Szene gemeint ist. Kurz nachdem sich der Hund die Hähnchenkeule geschnappt hat.

1973. Grit Jäger ist 13 Jahre alt, Schülerin aus Sörnewitz bei Meißen (Sachsen). Auf der benachbarten Moritzburg wird "Aschenbrödel" gedreht, eine ČSSR-/DDR-Koproduktion. Jeden Tag nach Schulschluss schnappt sich Grit das Fahrrad und radelt mitfliegenden Zöpfen quer durch Wald und Wiesen die 14 Kilometer bis zum Schloss. Zum Zugucken bei den Dreharbeiten. Rolf Hoppe, den "König", kennt sie sogar. Der Schauspieler aus Dresden hat in der Nähe eine Windmühle gepachtet, die den Eltern von Grits Freundin gehört. Dort lernt er seine Rollen. Grit und ihre Freundinnen machen im Kartoffelacker Feuer und hören Hoppe aus "Nathan der Weise" rezitieren.

Oberpfalzmedien war am Drehort in Tschechien

Pilsen

Rösser vom Gestüt

Die Moritzburg ist nicht zufällig gewählt. Zugehörig ist das sächsische Landgestüt mit seinen prächtigen Rössern, die ebenfalls für Rollen gebucht werden. Die Pferde des Prinzen und seiner Gefährten stammen aus den Ställen der Moritzburg. Inklusive Reiter: "Prinz" Pavel Trávníček ist - im Gegensatz zu "Prinzessin" Libuše Šafránková - ein miserabler Reiter. Er wird im Sattel von einem Auszubildenden des Gestüts gedoubelt, ebenso seine Gefährten.

Libuše Šafránková war auch in der Erinnerung von Grit Jäger eine ausgezeichnete Reiterin. Und wirklich bildschön. "Sie sah aus wie eine echte Prinzessin." Die Burschen des Gestüts hätten sich jeden Morgen regelrecht "gekloppt", wer der jungen Tschechin das Pferd bringen durfte. Nur äußerst selten muss Libuše Šafránková im Sattel vorsichtshalber durch einen Profi ausgetauscht werden. Beispielsweise in der Szene, in der sie mit "Nikolaus" nachts die Treppen des Schlosses herab galoppiert. Das übernimmt eine Reitlehrerin eines Gestüts.

Bisher hat Grit Jäger nur zugesehen. Dann ergibt sich plötzlich die Chance, selbst mitzuspielen. Regisseur Václav Vorlíček sucht Kinder für die Eingangsszene auf dem Gut der Stiefmutter. Gedreht wird in der Wasserburg Švihov bei Pilsen in der damaligen Tschechoslowakei. Grit Jäger erinnert sich an eine dreistündige Fahrt. Erst vor wenigen Jahren hat sie bemerkt, dass sie an ihrem Wahl-Wohnort Pleystein gerade mal eine Autostunde entfernt wohnt.

Die Szene ist bekannt: Die böse Stiefmutter erwartet den Königstross auf seiner Durchfahrt zum Schloss. Mägde und Knechte putzen den Hof heraus. Kinder wuseln herum. Köstlichkeiten werden aus der Küche getragen. Bis schließlich die Stiefmutter (Carola Braunbock) den Balkon herabschreitet und den Kopf über das ungeschickte Aschenbrödel schüttelt.

Erinnerungen an Drehtag

Grit Jäger erinnert sich noch gut. "Es war kalt. Wir haben gefroren. Aber die Stimmung war herzlich." An Feuerkörben wärmen sich die Darsteller die Hände. Mehrere Male wird die Szene wiederholt. Einmal hält Grit den Feger falsch herum. "Das war gar nicht schlimm." Regisseur Vorlíček konnte gut mit Kindern umgehen und sprach auch einige Sätze Deutsch.

Ansonsten ist Grit Jäger bass erstaunt von den vielen Tricks, mit denen gearbeitet wird. Auf der Moritzburg Fischmehl aufgehäuft, weil es im Winter 1972 nicht schneit. Grit Jäger: "In Dresden hat es noch nie geschneit." Das Fischmehl stinkt zum Himmel. In Tschechien dagegen fallen derartige Flocken-Massen vom Himmel, dass es überhaupt kein Durchkommen mehr gibt. Im Film sinkt der Prinz regelmäßig bis zur Hüfte in Schneewehen ein. Das war nicht gestellt.

Der Fuchs wird im Übrigen gar nicht mit Pfeil und Bogen getötet. Er ist schon tot und ein ausgestopftes Exemplar aus dem Naturkundemuseum. Die weiße Eule zwinkert nur deshalb an den richtigen Stellen, weil ihr von hinten ein Helfer mit einem Strohhalm ins Federkleid piekte. Und "Nikolaus", das Pferd von Aschenbrödel, nickt der Prinzessin nur deshalb aufmunternd zu, weil auf dem Boden ein Stallbursche mit der Möhre winkt. Im Film ist das freilich nicht zu sehen. Grit Jäger kam nach ihren Ausflügen in die Filmwelt regelmäßig mit roten Wangen nach Hause: "Stellt euch vor, die lügen da!"

Ausstellung auf Moritzburg

Heute ist sie 61 Jahre alt, arbeitet noch immer in ihrem Traumberuf mit Kindern und Jugendlichen. 20 Jahre war die gebürtige Sächsin Kinderdorfmutter in Speichersdorf, jetzt betreut sie in Weiden in einem Heim für Jugendliche. Viele ihrer Schützlinge haben mit ihr den Weihnachtsklassiker schon angeguckt ("immer freiwillig"). Obwohl sie schon viele Jahrzehnte nicht mehr in der sächsischen Heimat lebt, ist sie jedes Jahr auf der Moritzburg. Traditionell trifft sie sich in der Vorweihnachtszeit mit ihren Geschwistern auf der alljährlichen Aschenbrödel-Ausstellung. "Wirklich sehenswert!" Und nicht einmal 2,5 Autostunden entfernt.

Für Grit Jäger gibt's kein Weihnachten ohne die "Drei Nüsse". Auf dem Tisch in der Wohnstube in Pleystein dreht sich die Weihnachtspyramide. Der Tee duftet. "Dann zünde ich noch ein Räuchermännchen an." Und wenn die ersten Takte von Karel Svobodas Titelmelodie erklingen: "Dann geht für mich Weihnachten an."

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