15.04.2021 - 18:03 Uhr
PressathOberpfalz

Corona-Stau in Fahrschulen: Warten auf den Führerschein

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Wer den Führerschein machen will, braucht derzeit Geduld. In den Fahrschulen herrscht wegen wochenlanger Schließungen großer Andrang. Und Planungssicherheit gibt es derzeit nicht.

Strenge Hygienevorgaben bei Fahrstunden. Gefahren wird nur mit FFP2-Maske, wie hier bei der Fahrschule Oetter in Pressath. Nachdem die Fahrschulen erst im Februar wieder öffnen durften, ist der Andrang groß. Mit dem Führerschein kann es deswegen dauern.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Selbst Autofahren bedeutet für viele junge Menschen ein Stück Freiheit. Allerdings müssen die angehenden Verkehrsteilnehmer derzeit einiges an Zeit einplanen. Wegen der Corona-Pandemie mussten Fahrschulen wochenlang schließen und haben gerade riesigen Andrang.

„Wir haben Zulauf ohne Ende. In drei oder vier Monaten den Führerschein machen? Das funktioniert nicht“, erklärt Mario Müller von der Fahrschule Oetter, die Filialen in Eschenbach, Pressath, Grafenwöhr und Erbendorf hat. Derzeit dauert das wegen des großen Andrangs eher sieben oder acht Monate. Das bestätigt auch Fahrlehrer Peter Treitz aus Vohenstrauß: „Es ist sehr viel los. Bei mir und auch meinen Kollegen. Ich nehme derzeit auch keine neuen Schüler mehr an, weil ich erstmal abarbeiten muss. Derzeit kann es sogar bis zu einem Jahr dauern bis der Führerschein bestanden ist.“

Desinfizieren und FFP2-Masken

Seit dem 22. Februar haben Fahrschulen in Bayern wieder geöffnet. Der Andrang ist entsprechend groß. In manchen Fahrschulen gibt es sogar Wartelisten. Die Hygienemaßnahmen in Fahrschulautos sind streng. Im Auto dürfen nur der Fahrlehrer und der Schüler mitfahren, und beide müssen eine FFP2-Maske tragen. Vor dem Losfahren müssen sich beide gründlich die Hände desinfizieren. Das Auto muss gut durchgelüftet werden – vor dem nächsten Fahrschüler wird es außerdem desinfiziert. Beim Theorieunterricht müssen die Stühle in eineinhalb Meter Abstand stehen. Einige Fahrschulen bieten deshalb mehr Unterrichtsstunden pro Woche oder Online-Unterricht an.

Nach der Theorie erstmal warten

Nach etwa 14 Unterrichtseinheiten, wird die theoretische Prüfung abgelegt. Bei zwei Unterrichtsstunden die Woche, braucht es also sieben Wochen. „Danach kommen die Schüler wieder auf eine Warteliste, bevor es an die Fahrstunden geht. Im Moment ist einfach zu viel los“, sagt Treitz. Er appelliert daher auch an die Fahrschüler selbst: „Da ist Eigeninitiative gefragt. Denn wer zuhause lernt, schafft die Theorie eben schneller.“

Die Situation ist belastend für Fahrlehrer- und schüler. „Für die jungen Leute ist das im Moment natürlich blöd. Gerade, wenn sie den Führerschein zum Beispiel für eine Ausbildungsstelle, die sie im September antreten, brauchen. Manche sind auch inzwischen schon 18 Jahre alt und mussten warten“, erklärt Treitz. Was die Hygienevorschriften betrifft, ist es auch nicht immer ganz einfach. „Elf Stunden pro Tag sind erlaubt und da ist es kein Spaß die ganze Zeit eine FFP2-Maske zu tragen“, erläutert Josef Götz, Regionalvorsitzender des Fahrlehrerverbandes. Auch bei den Schülern ist das zu beobachten. „In einer Prüfungssituation ist man aufgeregt und trägt während der gesamten Zeit eine FFP2-Maske. Da kann die Atmung bei dem ein oder anderen schon mal schwerer werden“, meint Müller.

Unzufrieden über Ungewissheit

Wie es weitergeht, falls ein weiterer Lockdown kommt, steht auch in den Sternen. Es war bisher ein Hin und Her: Bis November 2020 war geöffnet, dann kam der Lockdown. Erst Ende Februar durften die Fahrschulen wieder öffnen. Das sorgt bei manchen Fahrlehrern für dicke Luft. „Wir wissen nicht, was nächste Woche kommt und planen jetzt ins Blaue hinein“, vermisst Müller einen klaren Kurs in der Politik. Treitz befürchtet nicht, dass er wieder schließen muss, sorgt sich aber um die Anpassung der Ausgangssperre: „Wenn wieder 21 Uhr gilt, dann gibt es für Fahrschulen hoffentlich eine Ausnahmeregelung, sonst können wir keine Nachtfahrten anbieten. Die starten im Sommer oft erst um 21.30 Uhr, weil es so lange hell ist.“ Vorstellen kann er sich inzwischen aber alles.

„Die Situation ist sowohl für die Fahrschulen als auch die Kunden unbefriedigend. Der Lockdown zieht bei uns einen Rattenschwanz nach sich. Denn die Leute beschweren sich ja bei den Fahrlehrern direkt“, sagt Götz. Einen weiteren Lockdown, der auch die Fahrschulen betrifft, kann er nicht ausschließen. Seiner Ansicht nach sei es auch nicht unwahrscheinlich, dass dann manche Fahrschulen aufgeben müssen.

Der Andrang dürfte nicht weniger werden, sind sich die Fahrlehrer einig. Heißt also weiterhin: Wartezeiten einplanen und rechtzeitig bei den Fahrschulen anmelden.

Mit Maske in der Fahrschule

Vohenstrauß

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