02.11.2020 - 14:34 Uhr
PressathOberpfalz

Stadtrat Pressath: "Freiflächen-Photovoltaik unumgänglich"

Der Stadtrat Pressath stellt die Weichen für den Solarpark Riggau II. Doch der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern und der Bund Naturschutz kritisieren erneut das Vorhaben. Die Planungsfachleute kontern.

Die von Klaus-Peter Fels und Matthias Rembold (von links) vorgetragenen Ausführungen einiger Fachstellen zu den Planunterlagen für den Solarpark Riggau II erbrachten keine substanziellen Änderungen an der Flächennutzungs- und Bebauungsplanung.
von Bernhard PiegsaProfil

Ohne nennenswerte Änderungen und ohne Gegenstimmen stellte der Stadtrat die für den Solarpark Riggau II erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans fest und verabschiedete die Satzung über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Das Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren ist damit abgeschlossen, die Planungsunterlagen werden an die Regierung der Oberpfalz weitergereicht.

Die vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) und vom Bund Naturschutz (BN) nochmals vorgetragenen Einwände nahmen die Planungsfachleute Klaus-Peter Fels und Matthias Rembold zum Anlass für einige Anmerkungen. Der VLAB hatte erneut den landschaftsbildbeeinträchtigenden „Verbrauch wertvoller landwirtschaftlicher Fläche“ kritisiert und gefordert, „für den Bau von Photovoltaik-/Solaranlagen … vorrangig … Industriebrachen, Fassaden, Dach- und Parkplatzflächen“ zu nutzen. Zugleich verwies er auf frühere Stellungnahmen, in denen er grundsätzlich die Effizienz von Photovoltaik(PV)-Anlagen in Frage gestellt hatte.

In dieselbe Kerbe hieb die BN-Kreisgruppe Weiden: „Die in diesem Fall konkurrierenden Nutzungsformen Energiegewinnung und Landwirtschaft ließen sich durch die Bestückung freier Dächer mit PV-Modulen ohne Probleme trennen und jeweils für sich wirtschaftlich realisieren.“ Fels und Rembold merkten hierzu an, dass der Ausbau der Solarenergie im Einklang mit dem von der Stadt Pressath bejahten Ziel des Landesentwicklungsplans stehe, „erneuerbare Energien einschließlich der Sonnenenergienutzung verstärkt zu erschließen“.

Um auf der Basis einer „vollumfänglichen Energiewende“ eine kostengünstige Energieversorgung zu gewährleisten, deren angestrebte dezentrale Struktur dazu beitrage, „künftig weniger Stromtrassen in Bayern zu benötigen“, komme man um den Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen nicht herum. „Die aufgeführten Flächenbeispiele wie Industriebrachen, Fassaden, Dach- und Parkplatzflächen sind bei weitem nicht im nötigen Umfang vorhanden“, urteilten die Referenten.

Zwar sei beispielsweise die Bestückung von Dächern mit Photovoltaikmodulen „zu empfehlen“, jedoch würde eine umfassende Nutzung geeigneter freier privater und gewerblicher Dachflächen, von denen es im Stadtgebiet rund elf Hektar gebe, „im besten Fall maximal acht, realitätsnäher betrachtet wohl weniger als drei Prozent zur Energiewende beitragen“.

Verzichtete man auf Freiflächen-Solaranlagen, so müsste dies beispielsweise durch umstrittene Windkraftanlagen oder durch Stromerzeugung aus Biogas kompensiert werden. Vor allem Letzteres ginge ebenfalls mit einer Umnutzung landwirtschaftlicher Nutzflächen zwecks Energiepflanzenanbau einher. Allerdings könne auf einer PV-Freifläche, bei der die Kollektoren auf drei Meter hohen Stützen montiert würden, „eine artenreiche, extensiv genutzte Grünlandfläche“ entstehen. Der Boden werde „vollständig aus der Nutzung genommen und kann regenerieren“.

Im Pressathbachtal bei Riggau beginnen bald die Bauarbeiten für den neuen Solarpark

Riggau bei Pressath
Hintergrund:

Zukünftige Versorgungsproblematik

„Die Aussagen von Matthias Rembold in der Stadtratssitzung kratzen nur an der Spitze der zukünftigen Versorgungsproblematik“, merkt Bürgermeister Bernhard Stangl im Nachgang zur außerordentlichen Stadtratssitzung an. Würden in Pressath die geeigneten Dachflächen zur Stromerzeugung genutzt werden, könnte der Strombedarf nach seiner Einschätzung rechnerisch derzeit durchaus regenerativ gedeckt werden.

Angesichts des steigenden Strombedarfs werde es freilich notwendig, den Ausbau der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen weiter voranzutreiben: „Ein vollständiger Ersatz der aus fossilen Energieträgern wie Gas und Kohle oder aus Kernenergie gewonnenen Stroms durch Elektrizität aus regenerativen Quellen ist derzeit bereits denkbar, wenn geeignete Speicher genutzt werden. Dabei geht es nicht nur um Batteriespeicher bei Fahrzeugen.“

Die Speicherung von Stromspitzen und regionalem Überschussstrom etwa aus Windkraftanlagen im Norden der Republik könne beispielsweise durch Wasserstofferzeugung mit anschließender Methanisierung erfolgen: „So kann das bereits vorhandene komplette Gasversorgungssystem als Großspeicher genutzt werden, und Strom kann anschließend mit Hilfe von Brennstoffzellen oder Gasturbinen wieder erzeugt werden.“

Info:

Auch Vereinshaus und Mehrzweckhalle geschlossen

Bedingt durch die verschärften Vorschriften zur Pandemieeindämmung würden auch das Haus der Vereine und die Mehrzweckhalle ab sofort geschlossen, informierte Bürgermeister Bernhard Stangl in der außerordentlichen Stadtratssitzung. Die Stadthalle stehe nur für Sitzungen sowie bei Bedarf für Unterrichtszwecke der Grund- und Mittelschule zur Verfügung. Schulleitung und Stadt seien daran interessiert, das Betreuungsangebot für die Schüler zu verbessern und hierfür pädagogisch ausgebildetes Personal zu gewinnen. Hierfür kämen auch Lehramtsstudenten in Frage.

Ferner erinnerte Stangl an die Schließung des Rathauses für den allgemeinen Publikumsverkehr. Nötigenfalls könnten aber Gesprächstermine telefonisch vereinbart werden: „Für unsere Verwaltung ist dies auch ein Probelauf für ein mittelfristig geplantes Terminvereinbarungssystem, durch das es für die Bürger keine Wartezeiten mehr geben würde.“ Volkstrauertags-Gedenkfeiern in den traditionellen Formen müssten heuer ebenfalls entfallen, informierte der Bürgermeister. Sofern die Pandemieregelungen es erlaubten, solle es aber zumindest stille Gedenkakte geben. Hierzu würden Stadtratsabordnungen die Mahnmale in Pressath und den Ortschaften aufsuchen.

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