01.12.2021 - 17:56 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Gesunkener Holzpreis: Was das für Waldbauern, Zimmerer und Ziegler bedeutet

Die große Holzkrise ist vorbei: Die Preise sind stark gesunken, die Verfügbarkeit gestiegen. Trotzdem gibt es noch Probleme für Zimmerer, Waldbauern oder Verbraucher. Nur einer Firma scheinen die Entwicklungen überhaupt nichts auszumachen.

Lichtblick für die Holzbranche: Die Preise und Verfügbarkeiten haben sich stabilisiert. Allerdings sind damit nicht alle Probleme gelöst.
von Julian Trager Kontakt Profil

Hinter Richard Fischer und seiner Firma liegen harte Monate. "Wir haben dieses Jahr sehr viel Geld verloren", sagt der Zimmerermeister aus Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach). Langfristige Verträge mit den Kunden hätten dazu geführt, dass seine Firma die hohen Einkaufspreise nicht weitergeben konnte. Gerade in diesem Frühsommer war der Holzpreis auf Rekordhöhe gestiegen. In den Monaten danach brach er drastisch ein, stabilisierte sich zuletzt und liegt derzeit bei knapp der Hälfte des Spitzenwerts im Mai.

Für die gesamte Holzbranche war das zu Ende gehende Jahr außergewöhnlich – nicht nur wegen der extrem hohen Preise. Auch die Nachfrage nach Schnittholz war im Frühjahr und Sommer extrem hoch, vor allem aus dem Ausland. Der Immobilienboom in den USA führte dazu, dass die Sägewerke in Deutschland am Anschlag arbeiteten. Im Inland wurde dagegen das Holz knapp. Zimmerer, Handwerker und Häuslebauer kamen nur schwer an Material. Auch die Waldbauern haderten, hatten von den hohen Preisen kaum etwas.

Preise immer noch hoch

"Ein Hauptprofiteur der Geschichte war die Ziegler-Group", sagt einer, der sich beruflich mit den Zusammenhängen der globalen und regionalen Wirtschaft beschäftigt, aber nicht namentlich genannt werden möchte. Die Ziegler-Group mit Sitz in Plößberg (Kreis Tirschenreuth) betreibt eines der größten Sägewerke Europas.

Wie wirken sich die gesunkenen Holzpreise und die nachlassende Nachfrage aus dem Ausland auf die Branche in der Nordoberpfalz aus?

"Grundsätzlich ist es natürlich sehr gut und wichtig, dass die Holzpreise wieder gesunken sind", sagt Richard Fischer, der mit seinen Brüdern Johann und Reimund die Zimmerei Fischer in Schmidmühlen führt. Das Bauen mit Holz werde dadurch nicht zu sehr verteuert. Allerdings seien die Preise immer noch deutlich höher als vor einem Jahr, betont Fischer. Und die werden demnächst auch nicht sinken, sind sich Experten sicher, obwohl aktuell von einer Beruhigung in der Branche auszugehen sei. Holz sei der Baustoff der Zukunft, weil klimaneutral.

Fischer berichtet, dass die meisten Holzsortimente wieder "zu angemessenen" Lieferzeiten verfügbar seien. Bei einzelnen Produkten wie OSB-Platten dauere es allerdings weiterhin länger. "Große Probleme gibt es im Bereich der Fenster", sagt der Zimmerer, "hier müssen wir bis zu 17 Wochen auf die Lieferung warten." Entspannung sei nicht in Sicht.

Weinende Waldbauern

Die bayerischen Staatsforsten hatten die Holzkrise bereits im September für beendet erklärt. Die Lage habe sich entspannt, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Schnittholzpreise würden sich beruhigen. Die Preise für das Rohholz aus dem Wald würden moderat steigen. Der Vorstandsvorsitzender der Staatsforsten, Martin Neumeyer, rechnete im nächsten halben Jahr mit einem Rohholz-Preis von rund 120 bis 140 Euro je Festmeter frischem Fichtenholz.

Das kann Reinhard Wiesent bisher nicht bestätigen. Der erste Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Eschenbach berichtet von Festmeter-Preisen deutlich unter 100 Euro. "Im Frühjahr mussten wir unser Holz für 50 Euro der Festmeter verkaufen", sagt Wiesent. Die Waldbauern hätten gar nichts von den Rekordhöhen der Holzpreise gehabt. Die Preise für Rohholz waren im Gegensatz zu den Preisen für Schnittholz kaum gestiegen. Es gab ein Überangebot an Holz aus den vergangenen Jahren. Borkenkäfer-Schadholz, dafür bekamen die Waldbauern kaum Geld. "Das ist zum Teil ein Trauerspiel", sagt Wiesent, dem drei Hektar Wald gehören. "Wir haben genügend Waldbauern, die geweint haben – wegen der Käfer und weil sie zu wenig Geld bekommen haben für ihr Holz."

Aktuell sei es schwierig, das Holz vernünftig weiterzubringen, sagt der Thomasreuther, es sei sehr aufwendig. Das Holz müsse aber dringend raus aus dem Wald. Stichwort Waldumbau. Mischwälder seien das Ziel und die Hauptaufgabe für die Waldbauern. "Deswegen brauchen wir einen vernünftigen Holzabsatz", so Wiesent. Auch weil der Borkenkäfer weiter ein großes Problem bleibe – auch in der Oberpfalz und in Franken.

Und die Ziegler-Group, die als einer der großen Gewinner der hohen Preise gilt? Hat der relative Preisverfall Folgen auf das Plößberger Unternehmen? "Die Entwicklung des Holzpreises hat auf uns nur marginale Auswirkungen, da wir uns getreu der Firmenphilosophie ‚Vom Baum zum Haus‘ in der kompletten Wertschöpfungskette bewegen", antwortet Pressesprecher René Oertel auf eine Anfrage. "Das bedeutet, dass wir sowohl das Endprodukt mit dem fertigen Haus als auch die Vorprodukte am Markt platzieren können." Diese Flexibilität ermögliche es der Firma, auf sämtliche Marktentwicklungen kurzfristig reagieren zu können. Die Ziegler-Group baut auch Holzhäuser.

Kein Problem für Ziegler

Von manchen Zimmerern aus dem Kreis Tirschenreuth hört man, dass Ziegler wegen der gesunkenen Preise Probleme hat, bestimmte Produkte loszuwerden, etwa Leimbinder. "Dies ist für uns kein Problem, da wir langfristige Lieferbeziehungen zu unseren Kunden pflegen", erklärt Oertel. Die Kunden bestellten regelmäßig. Zudem setze die Firma die Produkte auch in ihren eigenen Bauprojekten ein.

Die Zieger-Group sieht Holz als einen zentralen Bestandteil des künftigen Bauens, wie der Sprecher mitteilt. Gerade mit Blick auf die CO2-Bilanz. "Die Holzbaubranche wird daher in der Zukunft eine Schlüsselrolle für die Bauherren einnehmen."

Waldbauer Reinhard Wiesent hofft, dass die vergangenen zwei Jahre nur eine kurzfristige Delle waren. Dass das Holz bald wieder raus aus dem Wald kann.

"Der Blick in die Glaskugel ist äußerst schwierig", sagt Zimmerer Richard Fischer. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass sich die Lage nächstes Jahr wieder weitgehend normalisieren wird, allerdings bei deutlich höheren Preisen als im Jahr 2020." Ob sich diese Prognose halten wird, da ist er sich mittlerweile nicht mehr so sicher. Wegen der "sehr besorgniserregenden" Entwicklung der Corona-Infektionszahlen befürchtet Fischer, dass es wieder zu Betriebsschließungen kommt – mindestens zu vielen krankheitsbedingten Ausfällen bei den Herstellern. "Deswegen könnte sich die Lieferverknappung wieder verstärken." Erste Anzeichen gebe es bereits.

Ziegler-Group will Hauptstandort erweitern

Betzenmühle bei Plößberg
Die Entwicklung des Holzpreises in Euro je 1000 Board Feet (amerikanische Maßeinheit für Rundholz) in den vergangenen zwölf Monaten. Im Mai lag der Holzpreis mit knapp 1500 Euro am höchsten. Aktuell liegt er knapp unter 700 Euro.

 

 

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