22.03.2021 - 19:11 Uhr
SchönseeOberpfalz

40 Löcher für einen Rumms: Sprengung bei Schönsee

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Beim Staatsstraßenausbau zwischen Gaisthal und Schönsee geht es voran: Die Sprengung des massiven Granitfelsentors startet am Dienstag. Doch vor dem großen Knall müssen die Löcher für den Sprengstoff gebohrt werden.

Mit dem Bohrgerät treibt Sprengmeister Martin Schaller von der Firma Seebauer Tiefbau GmbH die Löcher für den Sprengstoff in den harten Granit. In Sichtweite zur Firma Weinfurtner (rechts) wird am Dienstagnachmittag die oberste Kuppe des 18 Meter hohen Felsentors weggesprengt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Es ist still auf der Baustelle. Sprengmeister Martin Schaller steht an der Zündmaschine und drückt auf den Knopf. 65 Millisekunden später zündet die erste Sprengstoffkanone, mit einer Verzögerung von 17 Millisekunden die nächste. Staubfontänen schießen in die Luft. Das Grollen lässt auf rutschende Steinmassen schließen. Rund 40 Löcher sind mit Emulsionssprengstoff gefüllt, doch in wenigen Sekunden ist alles vorbei.

Wenn die Firma Helmut Seebauer Tiefbau GmbH am Dienstagnachmittag die erste größere Sprengung beim Staatsstraßenausbau zwischen Schönsee und Gaisthal startet, darf sich im Umkreis von 300 Metern niemand aufhalten. Das gilt auch für die Belegschaft der Firma Weinfurtner, deren Betriebsgebäude nur etwa 100 Meter entfernt liegt. „Es muss alles komplett geräumt sein, falls ein Stein fliegen würde“, sagt Sprengmeister Martin Schaller. Doch damit rechnet er eigentlich nicht, denn den Job macht er seit zwölf Jahren in eigener Verantwortung. Während er seine meisten Einsätze im Steinbruch hat, reizt ihn die „interessante Baustelle“ mit den Felsformationen im Schönseer Land.

„Die Sprengungen werden sich circa acht Wochen hinziehen.“

Bauleiter Matthias Vogl

Bauleiter Matthias Vogl

Start 2021 des Ausbaus der Staatsstraße 2159 Gaisthal-Schönsee

Schönsee

Schwarz und zerklüftet

Das gilt auch für Bauleiter Matthias Vogl. „Die Sprengungen werden sich circa acht Wochen hinziehen“, sagt dieser mit Blick auf die zwei „großen Brocken“, an denen früher der Bockl vorbei schnaufte, während bis vorigen Herbst die Radler diesen idyllischen Abschnitt des Bayerisch-Böhmischen-Freundschaftsweges auf der ehemaligen Bahntrasse genossen. Der Granit ist hier schwarz, bläulich bis hellgrau und ziemlich zerklüftet. „Das ist nix für Anfänger“, sagt Schaller als er am Montag auf dem 18 Meter hohen Felsentor die ersten Löcher für den Sprengstoff setzt. Die Bohrmaschine bedient der erfahrene Profi dabei selber: „Dann weiß ich genau, wo die Löcher sitzen.“ Rund sechs Meter tief muss er dafür den spitzen Bohrer in den Granit rammen. Das Ziel: 40 Löcher im Abstand von etwa zwei auf zwei Meter für die Sprengung am Dienstagnachmittag. Auch wenn der Emulsionssprengstoff sehr unempfindlich gegen mechanische Einwirkungen ist, wie Schaller betont, dürfe er nur geringe Mengen davon selber transportieren. So wie für die zwei kleineren Sprengungen am 18. und 19. März.

"Das ist nix für Anfänger."

Sprengmeister Martin Schaller

Sprengmeister Martin Schaller

Patronen mit Sprengstoff

Für den „großen Knall“ am 23. März bringt der Lkw den Sprengstoff vorbei. Dieser ist in eine Art Würste (Patronen) gefüllt, die 60 Zentimeter lang sind und einen Durchmesser von 65 Millimeter aufweisen. Martin Schaller erklärt auf Nachfrage die Befüllung der etwa sechseinhalb Meter tiefen Bohrlöcher. Zunächst werden zwei Patronen eingesetzt, mit einer Zündschnur versehen und mit einer Sandschicht von einem Meter überfüllt. Darüber kommen zwei weitere Patronen mit eigener Zündschnur und einer abdeckenden Sandschicht. Die Zündschläuche werden mit einem Zünder gekoppelt. Das Kabel führt zur 300 Meter entfernten Zündmaschine. „Das ist der Mindestabstand“, erklärt der Sprengmeister und er ergänzt: „So lange Sprengstoff auf der Baustelle ist, darf ich nicht weg.“

Die zeitversetzten Detonationen (je 17 Millisekunden) löst er mit einem Knopfdruck aus. „Würde man alle Bohrlöcher zur selben Zeit zünden, wären die Erschütterungen zu stark und die Gefahr eines unkontrollierten Steinflugs wäre zu groß“, so der Experte. Das Ergebnis seiner Arbeit darf er erst begutachten, wenn sich die Staubwolke (Stickstoff) verzogen hat. Die Gesteinsbrocken werden vor Ort mit der Brechmaschine zerkleinert. „Mit einem Teil des Schotters wird die Sickerleitung aufgefüllt“, erklärt Bauleiter Matthias Vogl.

 

 

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