05.05.2021 - 18:12 Uhr
SchönseeOberpfalz

Bauamt investiert in Naturschutz: Tunnels für Erdkröte und Kreuzotter

Beim Ausbau der Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee stehen auch Fauna und Flora im Fokus: Ein Stelztunnel für Amphibien ist gesetzt. Diese Woche folgt ein 24 Meter langer Durchlass, der nicht nur dem Agnesbach dienen soll.

Der Eingang zum Amphibientunnel an der neuen Staatsstraßentrasse zwischen Gaisthal und Schönsee ist fertig, während unten am Bachdurchlass noch gearbeitet wird.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Nicht nur für die Verkehrsteilnehmer soll die neue Trassenführung der Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee sicherer werden. Auch Erdkröten, Kreuzottern & Co. sollen heil auf die andere Straßenseite kommen. Dazu hat die Baufirma bereits einen 18 Meter langen Stelztunnel eingebaut. Dabei handelt es sich um eine nach unten offene Stahlbeton-Rechteckhaube (1,50 Meter x 1 Meter). Der Tunnel soll Wanderbewegungen zwischen den Lebensräumen durch ein sicheres Unterqueren der Fahrbahn ermöglichen. Neben Amphibien kommen so auch Kleinsäuger, wie Mäuse und auch Schlangen auf die andere Straßenseite.

„Im Tal der Ascha wurde ein Querungsbedarf festgestellt“, erklärt Baudirektor Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Als Teil der naturschutzfachlichen Kompensationsmaßnahmen gehe es um die Minimierung der Trennwirkung. "Sowie um potentielle Austauschbeziehungen, die zwischen den Feuchtlebensraumkomplexen im Talraum der Ascha und den angrenzenden Gehölz- und Waldbereichen ermittelt wurden“, erläutert Noll.

Tiere nicht trennen

Ziel sei es, die ökologische Durchgängigkeit zu verbessern sowie Wanderungs- und Ausbreitungsachsen zu stärken. Das Staatliche Bauamt ziehe stationäre Anlagen den bisher verbreiteten mobilen Zäunen vor. „Diese Maßnahmen stellen damit sogar eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Situation im Bereich der Staatsstraße dar“, betont der Baudirektor. Ergänzt werden die Tunnels durch später noch zu montierende Amphibienleiteinrichtungen am Böschungsfuß beidseits der Staatsstraße 2159. "Diese Leiteinrichtungen führen die Arten hin zu den reptilien- und amphibiengerecht gestalteten Stelztunneln und dem Durchlass des Agnesbaches", betont Stefan Noll. So sei der Tunnel nach unten offen konstruiert, so dass natürliches Bodensubstrat ansteht. "Damit ist die insbesondere für die Amphibien so wichtige Bodenfeuchtigkeit gegeben", verweist der Baudirektor. Aber auch die Größe und Ausgestaltung des Durchlasses für den Agnesbach in Richtung Ascha orientiere sich an den tierökologischen Bedürfnissen der Amphibien und Reptilien.

Statt mobile Zäune

Ein Vorteil der neuen Leiteinrichtung ist der geringere Unterhaltungsaufwand im Vergleich zu den Krötenzäunen, die jedes Jahr neu aufgestellt und wieder entfernt werden müssen. Mobile Zäune benötigen zudem ehrenamtliche Naturschützer, die mit Eimern unterwegs sind, die Tiere aufsammeln und sie sicher über die Straße bringen. "Die genannten Einrichtungen werden gemäß dem Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen und entsprechend den Vorgaben der ebenfalls durchgeführten Kreuzotteruntersuchung ausgeführt", ergänzt der Baudirektor. Darauf achtet auch Bauleiter Matthias Vogl von der Firma Seebauer Tiefbau GmbH aus Schwarzhofen beim Setzen der Betonelemente.

Der Ausbau der Staatsstraße zwischen Gaisthal und Schönsee im Frühjahr 2021

Schönsee

"Diese Maßnahmen stellen damit sogar eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Situation im Bereich der Staatsstraße dar."

Baudirektor Stefan Noll

Hintergrund:

Kompensationsmaßnahmen

  • Der Amphibientunnel ist 18 Meter lang und nach unten offen. Abmessung: 1,50 Meter breit und 1 Meter hoch.
  • Die Agnesbach-Querung ist 24 Meter lang. Der Durchlass hat den Innendurchmesser von 1,50 Meter.
  • Belange von Natur und Landschaft wurden bei der Straßenbauplanung intensiv behandelt, um nachteilige Eingriffe zu vermeiden bzw. zu minimieren. Verschiedene Kompensationsmaßnahmen wurden festgelegt, ebenso eine umweltfachliche Baubegleitung.

 

 

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