31.05.2021 - 14:59 Uhr
SchönseeOberpfalz

Dietersdorfer Trachtenhersteller hofft auf Feierlaune in 2022

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Nicht nur das Oktoberfest fällt heuer zum zweiten Mal flach. Auch die Vereinsjubiläen der Region wurden erneut verschoben. Kein Fest, kein neues Dirndl. Der Trachtenhersteller Ebnet aus Dietersdorf bekommt diese Nachfrageflaute zu spüren.

Dirndl in Dirndln so weit das Auge reicht, gab es 2019 beim Feuerwehrfest in Zeinried zu bewundern. Nachdem alle großen Feste für 2021 abgesagt sind, kämpfen Trachtenhersteller nun schon im zweiten Jahr mit Absatzproblemen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Tracht gilt als angesagt und cool. Statt mit Jeans und T-Shirt geht es fast ausschließlich im "bayerischen Outfit" auf die Volksfeste. Dass diese in der Corona-Pandemie pausieren müssen, bedeutet für die Trachtenbranche quasi einen Totalausfall. Auch wenn die Läden nun öffnen und ihre Ware verkaufen dürfen, fehlt vielen Kunden der Anlass. Schließlich sind nicht nur die großen Events, wie das Oktoberfest in München oder das Gäubodenfest in Straubing im zweiten Jahr in Folge abgesagt, auch die Vereinsjubiläen in der Region wurden erneut verschoben. Einige große Feuerwehrfeste gleich um fünf Jahre.

Das spürt auch die Michael Ebnet GmbH mit einem Umsatzeinbruch bei den Eigenmarken "Rose-Dirndl" und "Arzberger Hemden", nachdem fast drei komplette Saisonen ausgefallen sind. Im Hauptsitz in Dietersdorf bei Schönsee werden die Modelle entworfen, die es später im Geschäft an der Hauptstraße und in vielen anderen Trachtenläden in ganz Deutschland sowie auch bei einem Versandhaus zu kaufen gibt.

Während die Näherinnen im ersten Lockdown kurzfristig auf die Maskenproduktion umsteigen konnten, liegt seit der FFP2-Maskenpflicht auch dieses Standbein auf Eis. "Unsere waschbaren Baumwollmasken erhielten viel Lob. Ich trage diese nach Möglichkeit noch immer", sagt Seniorchef Michael Ebnet, der das Zepter im Betrieb bereits an Sohn Michael und Schwiegertochter Alexandra abgegeben hat. Trotzdem ist er jeden Tag im Unternehmen anzutreffen, welches er vor 55 Jahren zusammen mit seiner Gattin gegründet hat.

Lager und Läden voll

Der Textilhersteller sitzt nicht nur auf einem Berg Stoffballen, auch etliche fertige Kommissionen füllen das Lager. Schließlich fehlt auch den belieferten Läden nach wie vor der Absatz. "Die kämpfen genauso wie wir", betont der Seniorchef im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Lediglich kleine Geburtstagsfeiern oder standesamtliche Hochzeiten seien derzeit ein Grund, sich ein neues Dirndl oder eine neue Lederhose zuzulegen: "Es geht zögernd." Für die ebenfalls im Unternehmen genähten Arzberger Hemden laufe die Nachfrage seit vier bis sechs Wochen im geringen Umfang wieder an. "Die Kunden haben nicht bestellt, sondern nur genascht", schränkt Ebnet ein und fügt nachdenklich an: "So viele schlaflose Nächte hab ich in meinem Leben noch nie gehabt."

Nur Kleinstmengen

Er berichtet davon, dass neue Stoffe "mit Preisaufschlag für Kleinstmengen" bestellt werden müssen. Weiteres Kopfzerbrechen bereite der Unternehmerfamilie die Tatsache, dass noch völlig unklar sei, wie viele der Näherinnen in den grenznahen Betrieb in Tschechien nach Ende der Kurzarbeit zurückkehren werden. "Wer einmal von der Nähmaschine weg ist, ist nur schwer wieder zu begeistern." Auf die ausgefallen Feuerwehrjubiläen angesprochen, führt Ebnet an, dass der Trachtenhersteller im Frühjahr 2020 bei etlichen Vereinen in Vorleistung gegangen sei. Dirndl für Festdamen und Festmädchen wurden angemessen, Stoffe besorgt und mit dem auf Größen fixierten Zuschnitt und der Produktion begonnen. Einfacher sei der Absatz bei den ebenfalls georderten kleinen Lederhosen für die Festbuben.

Das Familienunternehmen setzt nun große Hoffnungen auf ein Ende der Corona-Einschränkungen und auf die Feierlaune in 2022. Derzeit ist man in Dietersdorf mit der Musterkollektion für die Salzburger Messe im Juli und September 2021 beschäftigt. Auch diese für die Trachtenbranche so wichtige Messe, fiel im Vorjahr dem Virus zum Opfer.

Wie schaut das Dirndl für den Festmarathon im nächsten Jahr aus? "Helle Farben mit viel Silber und sehr festlich geprägt", verrät Alexandra Ebnet. Die Kreativabteilung im Haus arbeitet bei den Modezeichnungen, die bereits mit Stoffmustern versehen sind, zudem mit viel Plissee.

Im Frühjahr 2020 fertigte der Trachtenhersteller Ebnet bunte Coronamasken statt Dirndl

Dietersdorf bei Schönsee

Näheres zur Firmengeschichte von "Rose-Dirndl"

"So viele schlaflose Nächte hab ich in meinem Leben noch nie gehabt."

Seniorchef Michael Ebnet

Die Musterkollektionen warten im Lager in Dietersdorf darauf, dass die Läden wieder Nachfrage signalisieren.

 

 

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