14.05.2021 - 11:05 Uhr
SchönseeOberpfalz

"Grünes Band" bietet grenzüberschreitendes Potenzial

Schwandorf steht in dieser Woche beim Projekt „Kulturstadt Bayern–Böhmen“ im Mittelpunkt eines vielfältigen Programms. In Coronazeiten funktioniert das aber nur digital.

Aus dem Studio im CeBB wurde die Podiumsdiskussion übertragen. Das Bild zeigt (von rechts) CeBB-Leiterin Veronika Hofinger, Kulturfahrtenorganisatorin Susanne Setzer, Online-Redakteur David Vereš und den Europäischen Freiwilligen Jiří Petrášek.
von Externer BeitragProfil

Natürlich hätten sich die Stadt Schwandorf, das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) als Projektträger und das Finanz- und Heimatministerium von Minister Albert Füracker als Förderpartner lieber ein leibhaftiges Begegnungsfest am Schwandorfer Markplatz gewünscht. In das Eröffnungsprogramm hätte sich die Podiumsdiskussion "Auf dem Weg zu einer grenzüberschreitenden Kulturregion?" ganz gut integrieren lassen. Wegen der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung aber auf der virtuellen Plattform stattfinden.

"Ist die grenzüberschreitende Kulturregion bereits gelebte Wirklichkeit oder immer noch eine Vision in unseren Köpfen"?: Das wollte CeBB-Leiterin und Moderatorin Veronika Hofinger eingangs von den Podiumsgästen wissen. Hans Eibauer, als Bürgermeister Initiator des CeBB und Gründungsvorsitzender des Trägervereins Bavaria Bohemia, erinnerte an den Start von bbkult.net 2003 und an die Eröffnung des CeBB im Jahr 2006. „Das Potenzial, das in der Kulturszene der Nachbarregionen steckt, verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen, war bestimmend für die Initiative vor 15 Jahren – damals war es Vision, jetzt sind wir mittendrin.“

Die Idee einer wechselnden Kulturstadt der sechs Nachbarregionen kam beim Nachdenken, wie die Euphorie des Jahres 2015 weiter getragen werden kann, als Pilsen als Europäische Kulturhauptstadt für Furore sorgte und den Kulturakteuren aus dem Nachbarland Bayern eine Riesenbühne bot. Mit einer verkleinerten Kulturstadtidee weiterzumachen, jedes Jahr herunter gebrochen auf wechselnde Städte in den sechs bayerischen und tschechischen Nachbarregionen, stieß im Heimatministerium auf Zustimmung. Es begann 2016 mit Zwiesel und Bayerisch-Eisenstein im Landkreis Regen in Niederbayern.

Für den Touristíker Ondřej Flemr aus Tabor war der Lockdown eine völlig ungewohnte Zwangspause, die in Südböhmen zum Ideenschmieden mit dem Ziel genützt wurde, Kultur und Tourismus noch stärker zu verknüpfen. Zusammen mit dem Tourismusverband Ostbayern (TVO) wird das Netz touristischer Wege rund um den Goldenen Steig mit 13 grenzüberschreitenden Tourismusrouten für Wanderer und Radler verdichtet.

Fast in Sichtweite des Weges liegt Hroní Planá (Oberplan), der Geburtsort Adalbert Stifters. Unter seinem Namen pflegt und fördert der von München aus wirkende Verein den deutsch-tschechischen Dialog. Für Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein in München, ist die Pandemie zwar ein gewaltiger Rückschlag, doch vielleicht auch ein dringender Weckruf, den er mit der Forderung „wir müssen auf jeden Fall neue Euphorie für unsere grenzüberschreitenden Beziehungen wecken“ unterstrich.

„Der Vorteil ist, dass die Mentalitäten nicht weit auseinanderliegen, Bayern und Tschechen sind sich sehr ähnlich“ meinte Václav Vrbík, früher jahrelang Repräsentant der Region Pilsen im CeBB und inzwischen Leiter der bayerisch-böhmischen Projekte beim Verein Via Carolina/Goldene Straße in Bärnau. „Wir brauchen aktive Schöpfer“, die es schaffen, die bayerisch-tschechischen Kulturbeziehungen mit Elan weiterentwickeln. Petra Vorsatz, Leiterin des Amts für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus in Weiden, schaltete sich online in die Diskussionsrunde ein und unterstrich die Qualität und Vielfalt, die die Besucher begeistern.

Hans Eibauer ergänzte, dass für ihn das größte grenzüberschreitende Potenzial im Grünen Band Europas steckt. Hier verbinden sich Geschichte, Natur, Kultur, Kunst und Tourismus auf vielfältige Weise. Dies sei ein Thema, das die Nachbarregionen entlang der bayerisch-tschechischen mit Engagement aufgreifen sollten.

Als sich am Ende des Diskussionsforum noch Anne Liebscher vom Deutsch-Tschechischen-Zukunftsfonds (DTZF) in Prag zuschaltete, wurde es sehr konkret. Sie warb dafür, bei einem Sonderprogramm mitzumachen, das bei 100 Prozent Förderung die sozialen Pandemiefolgen abmildern soll. Die Antragstellung ist bis Ende Juli möglich, die aktualisierten Richtlinien werden in der kommenden Woche auf der DTZF-Webseite veröffentlicht.

Den Stab beim Projekt „Kulturstadt Bayern–Böhmen“ reicht das CeBB nach der Woche der Nachbarn in Schwandorf von Juni bis Dezember an die Stadt Wunsiedel weiter. Auf die Frage, wie man nach dem Lockdown die grenzüberschreitenden Verbindungen von der virtuellen wieder auf die persönliche Ebene der Begegnung bringen kann, sprudelte es nur so an Ideen aus dem Teilnehmerkreis. Alle grenzüberschreitenden Akteure sollten ihr kreatives Potenzial an einem oder mehreren Wochenenden im Herbst bündeln und ein musikalisches, künstlerisches, spielendes, auf jeden Fall zur Begegnung einladendes Signal setzen: "Wir sind wieder da und gestalten mit neuer Kraft unsere länderübergreifende Zukunft".

Startschuss für "Woche der Nachbarn" gefallen

Schwandorf

 

 

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