24.05.2020 - 10:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Antidemo: "Wir verurteilen die Mythen der Verschwörungsszene"

Die Gewerkschaftsjugend und die „Initiative gegen Rechts“ organisieren erstmals eine Gegenveranstaltung zu den Kundgebungen „Wir halten Abstand“ und bekommen dazu den Schwandorfer Marktplatz zugewiesen.

„Man kann den aktuellen Maßnahmen kritisch gegenüber stehen, ohne Verschwörungstheorien zu verfolgen“, sagte DGB-Jugendsekretärin Andrea Huber (Mitte) bei der Kundgebung auf dem Schwandorfer Marktplatz.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

„Wir wollten die Auftritte der Hygiene-Demonstranten nicht unwidersprochen stehen lassen“, begründete Kreisrätin Eva Kappl (Die Linke) die Gegenbewegung. Das Landratsamt wollte verhindern, dass sich Gegner und Befürworter der Corona-Einschränkungen zu nahe kommen. Die Bedenken waren unbegründet. Die räumliche Trennung verhinderte letztlich den Austausch der Argumente.

Eva Kappl hält die „Verschwörungsideologien in der aktuellen Situation für brandgefährlich“. Zu der Gruppe aus Impfgegnern, Corona-Leugnern, spirituellen Esoterikern und Querfront-Aktivisten gesellten sich ihrer Meinung nach Anhänger der extremen Rechten und Rassisten. Besonders die AfD versuche, den Protest in Schwandorf zu instrumentalisieren, so der Vorwurf der jugendpolitischen Sprecherin der Partei „Die Linke“. Für Menschen, „die sich bislang politisch wenig betätigt haben und aus Sorge um die Grundrechte demonstrieren“, sei dies auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen.

„Auch wir hinterfragen die Anordnungen kritisch, verurteilen aber die Mythen der Verschwörungsszene“, betonte DGB-Jugendsekretärin Andrea Huber. Der Bewegung „Wir halten Abstand“ wirft sie vor, sich nicht deutlich genug von den Anhängern aus dem rechten Lager zu distanzieren. Dieser Gruppe gehe es nicht um Solidarität mit den Menschen, „die unter der Krise leiden“, sondern um Panikmache und die Verfolgung politischer Ziele.

Ihre Botschaft verhallte auf dem leeren Marktplatz wirkungslos und erreichte vor allem jene nicht, die sich zur gleichen Zeit auf dem Kolpingplatz trafen, um mittlerweile zum fünften Mal gegen die Einschränkungen zu protestieren. Bei einem Gedankenaustausch hätten sich die Teilnehmer sicherlich auf eine Schnittmenge einigen können, denn auch Gewerkschaft und „Linke“ signalisieren das Bedürfnis, die Anliegen der unter der Corona-Krise leidenden Bevölkerung „auf die Straße“ zu tragen. Beide Seiten pochen auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln und „den Schutz der gesundheitlich Schwächeren“. Man könne den aktuellen Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, ohne Verschwörungstheorien zu verfolgen, betonte DGB-Jugendsekretärin Andrea Huber.

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