21.10.2021 - 16:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Welle schwappt langsam in Kliniken des Landkreises Schwandorf

Die Corona-Inzidenz steigt, die vierte Welle kommt langsam in den Kliniken an. Die Erfahrungen der beiden großen Häuser im Kreis Schwandorf zeigen: Die Impfung schützt vor schweren Verläufen.

Die Corona-Inzidenz steigt, die vierte Welle kommt langsam in den Kliniken an.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Ärztliche Direktor der Asklepios-Klinik im Städtedreieck, Dr. Josef Zäch, sieht einige Arbeit auf sich und sein Team zukommen. "Wir hatten einen ruhigen Sommer. Jetzt geht's wieder los", sagt er angesichts der steigenden Corona-Inzidenz. Im Kreis Schwandorf hat sich diese Kennzahl binnen einer Woche von knapp 60 auf 120 verdoppelt. "Wenn die Inzidenzzahlen steigen, macht sich das früher oder später auch in der Klinik bemerkbar. Die Zahl der ungeimpften Personen ist noch zu hoch", so der Mediziner.

Derzeit behandle die Klinik 15 Patienten, die an Covid19 erkrankt sind, zwei liegen auf der Intensivstation. "Über lange Zeit hatten wir nur ein bis zwei Patienten, jetzt ist die Zahl deutlich ansteigend". Zäch stellt eine Reihe von Impfdurchbrüchen fest, die Patienten zeigen aber einen leichten Verlauf. "Schwere Verläufe sehen wir praktisch nur bei ungeimpften Personen, oder recht selten bei geimpften mit sehr schweren Vorerkrankungen." Der jüngste Patient sei 47, "die meisten Patienten sind älter als 65".

Auch "Zufallsbefunde"

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Barbara Schwandorf der Barmherzigen Brüder, beobachtet einen Trend: "Da die Impfquote bei Menschen über 60 Jahre inzwischen sehr hoch ist, sind aktuell vor allem Jüngere, zumeist Ungeimpfte, betroffen." Am Donnerstag früh zählte St. Barbara fünf mit Corona infizierte Patienten auf der Isolierstation. "Es befindet sich kein Corona-Patient auf der interdisziplinären Intensivstation", so Baumann. Die Zahl der Covid-Patienten im Haus liege seit Beginn der vierten Welle relativ stabil zwischen drei und sechs Fällen. Dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt, zeigt auch die Erfahrung an St. Barbara. "Seit Beginn der vierten Welle waren im Krankenhaus St. Barbara alle an SARS-CoV-2 erkrankten, intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten ungeimpft", bestätigt Baumann. Auf der Isolierstation liege das Verhältnis bei 50:50, wobei laut Baumann geimpfte SARS-Cov-2-Patienten in der Regel nicht aufgrund der Infektion stationär aufgenommen wurden. Er nennt ein Beispiel: Ein Patient unterzieht sich einer gastroenterologischen Behandlung in St. Barbara und wird bei der stationären Aufnahme routinemäßig auf Corona getestet. "Sein positives Testergebnis ist in diesem Fall ein Zufallsbefund, da er keine Corona-Symptome aufweist und lediglich wegen seiner Grunderkrankung ins Krankenhaus gekommen ist."

"Unter geimpften Personen spielt die Vorerkrankung nur noch eine Rolle, wenn sie sehr schwer ist", berichtet Dr. Zäch. Er nennt Krebs- oder Erkrankungen des Immunsystems sowie sehr hohes Lebensalter als Faktoren. "Wir wissen aber, dass wir die schweren Verläufe bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen durch eine Auffrischimpfung erheblich reduzieren können." Deshalb rät der Mediziner, wie die Impfkommission, zur "Booster"-Impfung der Risiko-Gruppen.

Häuser sind gewappnet

In den vergangenen Wochen musste aus den Kliniken jeweils ein Patient zur speziellen ECMO-Beatmung verlegt werden. Die "extrakorporale Membranoxygenierung" ist ein High-Tech-Verfahren, das zum Beispiel an der Uniklinik Regensburg angeboten wird und bei sehr schweren Verläufen einer Covid-Erkrankung nötig sein kann.

"Wir können die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens nicht vorhersehen, sind jedoch für ein steigendes Aufkommen an Corona-Patienten jederzeit gewappnet", sagt Martin Baumann. Josef Zäch setzt auf Optimismus. "Ich glaube nicht, dass es so dramatisch wird, wie es im Winter schon war." Das Einhalten der Regeln sei aber dringend erforderlich.

Corona-Zahlen im Landkreis steigen deutlich

Schwandorf
Kommentar:

Eindeutige Zahlen

Die Kurve der Corona-Inzidenz im Landkreis weist steil nach oben. Wie vor einem Jahr. Damals hofften alle auf die Impfung. Groß war die Empörung, dass die EU zu spät bestellt habe. Und jetzt? Die Impfquote stagniert. Dabei ist die Lage eindeutig: Impfen schützt, vor schweren Verläufen und damit vor Überlastung der Kliniken. Zur Erinnerung: Bisher sind im Kreis 166 Menschen mit oder an Corona gestorben.

Von Clemens Hösamer

"Schwere Verläufe sehen wir praktisch nur bei ungeimpften Personen oder recht selten bei geimpften mit sehr schweren Vorerkrankungen."

Dr. Josef Zäch, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik im Städtedreieck

Dr. Josef Zäch, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik im Städtedreieck

"Seit Beginn der vierten Welle waren im Krankenhaus St. Barbara alle an SARS-CoV-2 erkrankten, intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten ungeimpft."

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Barbara Schwandorf der Barmherzigen Brüder.

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Barbara Schwandorf der Barmherzigen Brüder.

 

 

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