04.08.2020 - 11:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Firmen sehen Home-Office nicht als Dauer-Ersatz für Präsenz-Arbeitsplatz

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Arbeiten im Home-Office für so viele Mitarbeiter wie möglich? Unternehmen und Ämter im Kreis Schwandorf haben positive Erfahrungen mit dem Modell gemacht. Doch ganz auf zwischenmenschlichen Kontakt verzichten wollen sie nicht.

Das Home-Office kann auch zur Belastung werden. Viele Arbeitnehmer in der Region wollen daher aus eigenem Antrieb zurück in den Betrieb. Nicht zuletzt deshalb, weil ihnen der Kontakt zu den Kollegen fehlt
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Corona hat die Arbeitswelt verändert. Früher bei vielen Unternehmen und Ämtern in der Region nur spärlich im Angebot, bot die Krise gezwungenermaßen die Gelegenheit, das Home-Office als Alternative zur Präsenzpflicht am Arbeitsplatz ausgiebig zu testen. Bei der Nachfrage von Oberpfalz-Medien bei Arbeitgebern in der Region wird klar: Das Home-Office hat sich bewährt, den Kontakt mit Menschen und Kunden aber kann es nicht dauerhaft ersetzen.

Gerresheimer setzt auf Präsenz

So teilt zum Beispiel Marion Stolzenwald von Gerresheimer in Pfreimd mit: "Grundsätzlich haben wir während der Corona Pandemie gute Erfahrungen mit dem Home-Office gemacht, ziehen aber dennoch Präsenztermine vor." Demnach könne das reine Arbeiten von zu Hause aus keinen zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen. Zu Beginn der Pandemie habe sich das Unternehmen allerdings zunächst dazu entschieden, alle Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehören, nach Hause zu verlegen. Auch wer jemanden in seinem Umfeld hatte, der zu dieser Gruppe gehört, ging bei Gerresheimer ins Home-Office. Auch wer einen Lebenspartner hat, der im Gesundheitswesen oder in der Pflege arbeitet, durfte seine Arbeit von daheim aus erledigen. Außerdem hat sich das Unternehmen laut Stolzenwald entschlossen: "Zudem wurden dann noch Mitarbeiter ins Home-Office versetzt, um bei Büros mit mehr als zwei Mitarbeitenden die Anzahl der Mitarbeitenden je Büro zu halbieren." Seit dem ersten Juni ist bei Gerresheimer sozusagen wieder Normalität eingekehrt. Diese Regelung wurde aufgehoben.

Und dennoch spielt die Alternative Home-Office weiterhin eine Rolle bei Gerresheimer. Denn Stockenwald sagt auch: "Home-Office sehen wir als sehr sinnvolle und wichtige Ergänzung zur Vor-Ort Arbeit im Betrieb." Dementsprechend haben die Mitarbeiter schon seit 2017 tageweise die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten. Daran wird sich auch nichts ändern. Diese Möglichkeit besteht auch nach Corona fort.

Lesen Sie hier: Amberg bietet Home-Office im Knast an

Amberg

Landratsamt unterstützt Personal

Ganz ähnlich sieht es auch bei den Mitarbeitern im Landratsamt aus. Auf Anfrage teilt Manuel Lischka von der dortigen Pressestelle mit: "Tatsächlich gab es während der Hochphase der Pandemie in bestimmten Bereichen unseres Landratsamtes die Möglichkeit Telearbeitsplätze in Anspruch zu nehmen." Home-Office hin oder her, für Lischka steht eine Sache im Vordergrund: "Generell ist es wichtig, dass der Dienstleistungsbetrieb aufrecht erhalten wird und wir stets Ansprechpartner für die Bürger vor Ort sind." Daher sei es umso wichtiger, genau zu prüfen, wo Home-Office-Einsätze auch künftig sinnvoll sein könnten und wo nicht. Lischka: "Natürlich ist Telearbeit nicht in allen Bereichen umsetzbar und muss stets in enger Abstimmung mit den entsprechenden Führungskräften auf die dienstlichen Möglichkeiten geprüft werden." Was überraschen dürfte: Lischka weist darauf hin, dass nicht alle Mitarbeiter prinzipiell die Arbeit von zu Hause aus bevorzugen. "Uns bestätigten übrigens auch Mitarbeiter, dass sie sehr gerne ihre Arbeit im Büro verrichten, da die enge Abstimmung und der zugehörige face-to-face Kontakt mit Kollegen außerordentlich wichtig ist." Vermutlich weil es daheim doch zu viele Ablenkungen gibt oder weil die Internetverbindung manchmal zu wünschen übrig lässt, sei es für einige gar nicht so einfach, sich daheim auf die Arbeit zu fokussieren. Lischka vermutet: "Die Gründe hierfür sind natürlich vielfältig."

Natürlich ist Telearbeit nicht in allen Bereichen umsetzbar und muss stets in enger Abstimmung mit den entsprechenden Führungskräften auf die dienstlichen Möglichkeiten geprüft werden.

Manuel Lischka, Pressestelle Landratsamt Schwandorf

Manuel Lischka, Pressestelle Landratsamt Schwandorf

Home-Office teilweise Alternative

Nichtsdestotrotz gab es im Landratsamt auch schon vor der Pandemie die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Daran dürfte sich auch nach der Krise nichts ändern.

Auch bei der Volks- und Raiffeisenbank ist Home-Office Thema. Bernhard Werner, Vorstandssprecher der VR-Bank Mittlere Oberpfalz, sagt, dass Mitarbeiter im internen Betrieb die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten. Für alle Abteilungen sei das aber nicht möglich. Er fügt an: "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Home-Office gemacht. Viele behaupten ja, dass von zu Hause aus weniger gearbeitet wird. Ich habe bei uns eher das Gegenteil beobachtet." Es sei allerdings ein "hohes Maß an Disziplin" notwendig, weil sich Mitarbeiter zum Beispiel selbst darum kümmern müssten, ausreichend Pausen einzulegen.

Auch Werner hat die Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit wieder zurück ins Büro möchte. "Home-Office ist nicht das Maß aller Dinge für viele Mitarbeiter. Einerseits geht vor Ort die Abstimmung mit Kollegen schneller. Andererseits bleiben die sozialen Kontakte auf der Strecke. Das macht ja genau die Würze im Arbeitsleben aus", sagt Werner. Er hat zu spüren bekommen, dass die Digitalisierung besonders während der Corona-Pandemie die Kommunikationskanäle verändert hat. So hätte er vor noch einem Jahr nicht gedacht, dass die Beratung per Video-Chat so großen Anklang bei den Kunden finden würde: "Das ist eine schicke Geschichte. Man kann mit dem Kunden einfach schnell mal die Unterlagen in seinem Wohnzimmer durchgehen. Ich glaube, das wird auch nach Covid-19 bleiben."

Das Home-Office wird es künftig dauerhaft geben. Werner spricht von einem Mitarbeiter, der täglich einen längeren Arbeitsweg zurücklegen muss. Dieser teile sich seine Arbeitszeit auf das Home-Office und das Büro auf. Werner sagt: "Das Home-Office sehen wir nicht nur als ein vorübergehendes Thema."

Home-Office ist nicht das Maß aller Dinge für viele Mitarbeiter. Einerseits geht vor Ort die Abstimmung mit Kollegen schneller. Andererseits bleiben die sozialen Kontakte auf der Strecke. Das macht ja die Würze im Arbeitsleben aus.

Bernhard Werner, Vorstandssprecher der Volksbank-Raiffeisenbank in der Mittleren Oberpfalz

Bernhard Werner, Vorstandssprecher der Volksbank-Raiffeisenbank in der Mittleren Oberpfalz

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