20.10.2021 - 18:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Landkreis Schwandorf bahnt sich wegen abstürzender Schweinepreise ein Höfe-Sterben an

Josef Wittmann, Geschäftsführer des BBV im Landkreis Schwandorf, prophezeit, dass viele Schweinehalter wegen Preisverfall und Auflagen zermürbt aufgeben werden. Ferkelerzeuger Norbert Dirmeier stimmt zu und beschreibt die Notlage.

Die Preise für Schweinefleisch und Ferkel stürzen ab. Hinzu kommen hohe Investitionen ins Tierwohl. Viele Landwirte überlegen, Schweinemast oder Ferkelerzeugung aufzugeben.
von Irma Held Kontakt Profil

Der Schwandorfer Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Josef Wittmann, nennt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien Gründe für den Frust der Schweinehalter. Da ist zum einen der Preisverfall, da ist zum anderen der sinkende Pro-Kopf-Verbrauch. Der Export nach China sei ebenfalls zurückgegangen. Doch die Auflagen, sprich der Stallumbau, seien eine zusätzliche Last, die viele Schweinehalter nicht mehr schultern wollen. Josef Wittmann spricht von einem Zangengriff aus niedrigem Preis und Kostensteigerung durch explodierende Energie- sowie höhere Getreidepreise. Mangelnde Perspektiven täten ihr Übriges. An Auf und Ab bei den Preisen gewöhnt, sei das, was momentan ablaufe, ein Strukturbruch. Viele schmeißen hin.

Norbert Dirmeier ist Nebenerwerbslandwirt in Schwandorf. Er züchtet im Jahr etwa 3500 Ferkel. Weil viele Schweinemäster wegen des Preisdrucks sehr verhalten Aufstallen, muss er schauen, wie er seine Ferkel vermarktet. Stehen die Tiere länger bei ihm im Stall, legen sie an Gewicht zu, was ihm aber nicht honoriert wird, im Gegenteil. Wiegt das Ferkel zum Beispiel 36 Kilo geht das zu seinen Lasten. Der Preis für ein Ferkel (28 Kilo) liegt aktuell bei 20 Euro netto, dazu kommen Zuschläge, etwa für die Kastration. Das Geld sei schon vorher ausgegeben worden, erklärt Wittmann. Zur Kostendeckung wären 70 Euro vonnöten.

Dirmeiers Hof steht bestens da, aber um die bundesdeutschen Auflagen für das Tierwohl zu erfüllen, muss er umbauen. Das kostet pro Zuchtschwein 6000 bis 7000 Euro. 130 Zuchtschweine hat er. "Ich hab's durchgerechnet und müsste rund eine Million investieren." Bestandsschutz gibt es seinen Worten nach nicht, sondern Fristen. "Wer weitermachen will, muss bis 2025 Pläne vorlegen." Wer aufhöre, müsse dies bis 2028 tun. Würde Norbert Dirmeier das noch intakte bestehende Stallsystem umrüsten, müsste er die Zuchtschweine auf ein Drittel reduzieren.

"Wir haben schon lange keine Selbstversorgung mehr", bedauert Dirmeier. Wittmann sieht eine weitere Gefahr: "Die Regionalität bleibt auf der Strecke." Damit einhergehend das Siegel "Geprüfte Qualität aus Bayern." Diese setze voraus, dass die Ferkel aus Bayern stammen, nicht aus Niedersachsen oder den Niederlanden. Angesichts der dramatischen Krise stellt er Forderungen an Handel, Verbraucher und Politik. Einer Absatzförderung mittels Kampfpreise erteilt er eine Absage. Vielmehr müssten Herkunft und Tierwohl im Außer-Haus-Verzehr und bei verarbeiteten Produkten gekennzeichnet werden. In vertraglichen Partnerschaften seien Preisuntergrenzen festzuschreiben. Er will ein Moratorium für Auflagen und Verschärfungen. "Eine Situation wie jetzt war so noch nie da in der Schweinehaltung", sagt Wittmann. Dirmeier nickt.

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Hintergrund:

Schweinehaltung

  • Ferkelerzeuger: Gab es 2000 noch 260 Betriebe ist deren Zahl im Landkreis 2021 auf 61 gesunken
  • Schweinemastbetriebe: Im Jahr 2000 gab es 583 Betriebe im Landkreis. 2021 sind es noch 155.
  • Pro-Kopf-Verbrauch: Der Verzehr von Schweinefleisch ging in Deutschland von 2010 bis 2020 von 39,5 auf 32,8 Kilogramm zurück. Insgesamt kommt in Deutschland weniger Fleisch auf die Teller.

"Wir haben schon lange keine Selbstversorgung mehr."

Norbert Dirmeier, Ferkelerzeuger

Norbert Dirmeier, Ferkelerzeuger

"Was momentan in der Landwirtschaft abläuft, ist ein Strukturbruch."

Josef Wittmann, BBV-Geschäftsführer

Josef Wittmann, BBV-Geschäftsführer

 

 

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