01.10.2021 - 13:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Künstler mit der Spraydose

Der Schwandorfer Sprayer Markus Raab (44), Künstlername "ZYOW", hat sich in der Region einen Namen gemacht. Für einen Großauftrag einer Firma hat er nun ein ganzes Gebäude künstlerisch aufgewertet.

Künstler Markus Raab hat in im Sommer dieses Jahres die 400 Quadratmeter große Fassadenfläche der Versorgungszentrale der Fernwärme Schwandorf Süd künstlerisch veredelt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Schon lange hat das „Graffiti“ sein Schmuddel-Image abgestreift. Mit inhaltlichen Botschaften und künstlerischem Anspruch verschmilzt es immer mehr zur „Street Art“. Manche Sprayer erlangen Kultstatus und werden international beachtet. Ihre Werke hinterfragen die funktionale Ästhetik der Städte, die Art zu leben und zu konsumieren.

Mitte September wurde das Jubiläum "25 Jahre heiße Fernwärme in Schwandorf" mit einem kleinen Festakt an der Versorgungszentrale Süd des Unternehmens gefeiert. Dabei rückte nicht nur der wirtschaftliche Erfolg der Firma, sondern auch ein Künstler aus der Großen Kreisstadt in den Mittelpunkt des Interesses. Die Versorgungszentrale der Fernwärme Schwandorf Süd liegt gegenüber dem Krankenhaus St. Barbara. Ihre Fassade wurde von Sprayer Markus Raab in den letzten Monaten aufwendig künstlerisch gestaltet.

Fotorealistische Motive

Anfang April 2021 hat er mit der Arbeit an dem Großauftrag begonnen. Die Wände wurden zweimal gestrichen, dann hat Raab Waben als Rahmen für Bilder aufgetragen und die 3-D-Fernwärmelogos aufgesprüht. In die großen Waben kamen schließlich fotorealistische Motive, die mit der Arbeit der Fernwärmeversorgung zu tun haben. Einige zeigen auch Mitarbeiter des Unternehmens. "Aber es wollte nicht jeder an der Fassade abgebildet werden," erläutert Raab und lacht, "so sind die meisten schräg von der Seite oder von hinten". Vorlagen waren Fotos, die die Fernwärmeversorgung zur Verfügung gestellt hatte. Insgesamt wurden 400 Quadratmeter Wandfläche bemalt.

Fotorealismus, Style-Writing und Schabloneneffekte mit Formen und Schrift kombiniert, das sind die stilistischen Mittel, mit denen Raab seine großen und kleinen Werke Werke ausführt. Der Schwandorfer ist bereits seit weit über 20 Jahren Graffiti-Künstler. Fast ebenso lange trägt er den Künstlernamen "ZYOW". Das Alphabet rückwärts, "nur ohne das X, dafür mit einem 'YO'".

2009 selbstständig gemacht

2009 hat der heute 44-Jährige seine Leidenschaft zum Beruf und sich selbstständig gemacht. Aufträge kommen etwa aus Weiden, Cham, Amberg oder Schwandorf. Raab hat auch schon mehrere Workshops gegeben, unter anderem in Schwarzenfeld, die ihm der Bezirksjugendring Regensburg vermittelt, einmal war er als Vertreter einer schwangeren Kunstlehrerin an einem Gymnasium tätig. Und er arbeitet nicht nur großflächig, er malt auch auf Leinwänden, also kleinformatig. "Ich male 99 Prozent mit Spraydose," beschreibt Raab sein Arbeitsmittel. "Ich mache zwar auch Airbrush, aber das ist für mich zu umständlich."

Für Raab war die Arbeit an der Fassade der Versorgungszentrale der Fernwärme Schwandorf Süd nicht die erste Zusammenarbeit mit der Städtischen Fernwärmeversorgung. Er verewigte vor vier Jahren den Erfinder der Lithographie, Alois Senefelder, an einer Fernwärme-Versorgungszentrale, die an der Senefelder Straße in Schwandorf liegt, unweit der Konrad-Max-Kunz-Realschule. Der Künstler gestaltete die 30 Quadratmeter große Außenfassade mit einem Porträt des berühmten Schriftstellers, Musikers und Komponisten.

Frauenköpfe in Schwarz-Weiß und Farbe sollen zudem die Möglichkeiten des von Alois Senefelder (1771-1834) erfundenen Druckverfahrens verdeutlichen. Die Technik des Steindrucks deutet Markus Raab mit weiteren Motiven an. Drei Wochen hat er damals für die Wandgestaltung gebraucht.

Auch Aufträge der Stadt

Noch ein Jahr früher gestalteten Kinder der Lindenschule gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler eine Fassade an der Versorgungszentrale des Zweckverbandes an der Otto-Hahn-Straße. Sie hatten sich mit ihrer Lehrerin Martina Helfer in der Projektgruppe "Kunst und Technik" mit der städtischen Fernwärme befasst und die öffentlichen Gebäude grafisch dargestellt, die "die umweltfreundliche Energie" beziehen.

Als Helmut Hey Schwandorfer Oberbürgermeister war (Amtsende 2014), kamen auch immer wieder Aufträge der Stadt für die "uStw-Crew". Sie sollte mit ihren großflächigen und farbenfrohen Graffitis triste und graue Wände in der Stadt Schwandorf wieder lebendig machen. Die „Urban Style Writaz“ (uStw) bestanden damals aus Markus Raab und seinem 2015 verstorbenen Bruder Jürgen, Künstlername SIDM. Geht man durch Schwandorf, so stößt man vor allem in Unterführungen auf ihre Kunstwerke – etwa beim Gleisdreieck und an der Steinberger Straße.

Markus Raab arbeitet auch mit jungen Leuten

Schwarzenfeld
Hintergrund:

Zur Person: Markus Raab

  • Der Schwandorfer ist 44 Jahre alt
  • Nach Gymnasium und Zivildienst hat er in Aachen Chemie und Materialwissenschaften studiert
  • Danach autodidaktische Aneignung der Grundlagen der Spray-Kunst
  • Seit 2009 ist er als freischaffender Künstler tätig und Teil der Sprayergruppe „Urban Style Writaz“ (uStw)

"Ich male 99 Prozent mit der Spraydose"

Künstler Markus Raab

Künstler Markus Raab

 

 

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