01.10.2021 - 15:52 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Schwarzenfelder Schule vertraut auf zwei Lüftungssysteme

Frische Luft im Klassenzimmer: Nie war sie wichtiger als in der Corona-Pandemie. Luftreiniger haben deshalb Hochkonjunktur. In der Grund- und Mittelschule Schwarzenfeld stört ein leises Rauschen schon lange nicht mehr.

Die 14-jährige Antonia drückt aufs Knöpfchen. Mit einem leisen Rauschen setzt im Werkraum der Schwarzenfelder Grund- und Mittelschule der Luftreiniger ein.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Im Werkraum der Schwarzenfelder Schule packen die Neuntklässler gerade ihre Unterlagen fürs Technische Zeichnen aus. Draußen hat es morgens schon einstellige Temperaturen, aber die dicke Winterjacke muss hier keiner anbehalten. Niemand muss alle paar Minuten die Fenster aufreißen, um kräftig zu lüften. Statt dessen darf an diesem Tag die 14-Jährige Antonia aufs Knöpfchen drücken: Fast unhörbar schaltet sich das mobile Luftreinigungsgerät ein, Stufe vier im Normalbetrieb.

"Das stört überhaupt nicht und geht in der Klasse völlig unter", sind sich Lehrerin Claudia Paulus und die Schüler einig. Immerhin vier Stunden am Stück sind die zwölf Neuntklässler hier an diesem Tag für den Werkunterricht versammelt. Die zweite Hälfte der Jahrgangsstufe hat in der berufsorientierenden Schiene den Fachbereich "Soziales" gewählt, sie wird in einem anderen Raum unterrichtet.

Gerade rechtzeitig saniert

Der Werkraum bildet in Schwarzenfeld allerdings die Ausnahme: Ein mobiles Luftreinigungsgerät war zunächst nur dort und im Lehrerzimmer erforderlich. Denn seit 2018 mit der Schulsanierung begonnen wurde, ist mit neuen Baustoffen auch ein fest verbautes Lüftungssystem in die Klassenzimmer eingezogen.

Gleich hinter dem Lehrerpult, fast versteckt hinter einer weißen Metallplatte, lassen nur ein paar ausgesparte Vierecke die Technik ahnen, die schon vor Beginn der Corona-Pandemie ganz unauffällig mit dem Mief im Klassenzimmer aufgeräumt hat. "Ein Sensor misst den Kohlendioxidgehalt im Klassenzimmer, das funktioniert alles vollautomatisch", erläutert Konrektor Manfred Bösl. "Wir sind damit sehr zufrieden", beschreibt er die Erfahrungen mit dem Lüftungssystem, das der Markt Schwarzenfeld als Aufwandsträger finanziert hat. Es sei durchaus ein Glücksfall, dass man auf diese Technik bauen konnte, bevor Corona eingeschlagen hat.

Für den Markt Schwarzenfeld hielten sich die Investitionen für die Frischluft in der Schule somit bisher in Grenzen. Insgesamt sechs mobile Geräte konnten die Lehrer in Betrieb nehmen, vier davon stehen in der Außenstelle Stulln. Weitere Anschaffungen sind aktuell nur für die PC-Räume geplant.

Allerdings läuft laut Kämmerer Thomas Krapf momentan auch eine Abfrage bei den Kindergärten, um den Bedarf zu ermitteln. Zur Unterstützung der Kommunen gibt es mehr als nur ein Förderprogramm, diverse Richtlinien sind im Fluss. "Das erste Gerät wurde über die Förderung voll bezahlt", berichtet der Kämmerer, für die fünf weiteren gab es eine Pauschale von 3500 Euro. Das bisher gewählte Modell kostete etwas über 1400 Euro, inklusive Ersatzfilter. "Es gibt da allerdings die unterschiedlichsten Modelle, und die Preise ändern sich ständig", gibt Krapf zu bedenken.

Trotzdem "Natur spüren"

Wie gut Lüftung und Luftreiniger wirklich funktionieren, das weiß keiner so genau. "Man verlässt sich einfach darauf", sagt der Konrektor. "Manche lüften trotzdem noch zusätzlich", berichtet er, es gehe ja gerade im Sommer auch darum, "die Natur zu spüren", draußen vor dem Klassenzimmer.

Im Werkraum scheint inzwischen die Sonne ins Klassenzimmer, der Blick der Schüler richtet sich auf das hölzerne Modell, das die Lehrerin in den Händen hält, und auf das Zeichenbrett. Auch wenn keiner schwätzt, geht das leise Rauschen des Luftreinigers unter in der allgemeinen Geräuschkulisse. Erst recht übertroffen wird es, wenn auf dem Gang des C-Trakts die Handwerker gerade Bohrer und Schleifgeräte ansetzen, um diesen letzten Teil der Schule nach der Sanierung von A- und B-Trakt auch noch brandschutzrechtlich zu ertüchtigen.

"Beste Schule", merkt einer an, der gleich neben dem Luftreiniger Platz genommen hat, und dann ist der kleine Turm auf Rädern auch schon wieder vergessen. Am Ende wird Lehrerin Claudia Paulus daran denken müssen, das Gerät auch wieder auszuschalten, das einen Mosaikstein im Hygienekonzept bildet. Auf einen solchen Stein immerhin kann ab Montag verzichtet werden: die Maske im Unterricht. Wie groß ist die Erleichterung? Die Lehrerin sieht das gelassen: "Wir hatten uns schon dran gewöhnt und nehmen es wie's kommt."

Vorbehalte gegen mobile Luftreiniger in Freudenberg

Freudenberg
Hintergrund:

Förderpakete für frische Luft

  • Förderung: Der Freistaat Bayern fördert die Beschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten sowie dezentralen Lüftungsanlagen für Klassen- und Fachräume (soweit nicht bereits über andere Fördertöpfe Mittel fließen). Die kommunalen und privaten Schulaufwandsträger sollen bei der Beschaffung technischer Instrumente zum infektionsschutzgerechten Lüften in den Schulen finanziell unterstützt werden.
  • Voraussetzungen: Zuwendungsfähig ist die Beschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten mit Filter-, UV-C- oder Ionisations- und Plasmatechnologie zur Verringerung der Aerosolkonzentration und dezentralen Lüftungsanlagen, soweit sie nicht von der Bundesförderung „Corona-gerechte stationäre raumlufttechnische Anlagen“ umfasst sind. Nicht zuwendungsfähig sind Maßnahmen betreffend fest installierter zentraler Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) sowie Eigenbaumodelle.
  • Umfang: Die Zuwendung des Freistaats erfolgt als Projektförderung im Wege der Anteilfinanzierung mit Höchstbetrag. Gewährt werden bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, die Förderung ist auf höchstens 1750 Euro je Raum begrenzt.
  • Frist: Diese Förderung durch den Freistaat gibt es seit 1. Mai, sie gilt bis einschließlich 30. Juni 2022.

"Ein Sensor misst den Kohlendioxidgehalt im Klassenzimmer, das funktioniert alles vollautomatisch."

Konrektor Manfred Bösl über das fest verbaute Lüftungssystem

Konrektor Manfred Bösl über das fest verbaute Lüftungssystem

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.