03.12.2021 - 10:26 Uhr
Siegritz bei ErbendorfOberpfalz

Einblick in Uschi Stockers Plätzchenwelt: In der Siegritzer Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtszeit werden viele verschiedene Sorten Plätzchen gebacken und gegessen. Uschi Stocker aus Siegritz hat die Erfahrung gemacht, dass diese Tradition außerhalb von Deutschland und Österreich quasi unbekannt ist.

Jede Sorte wird in eine separate Blechdose gefüllt. So behalten die Plätzchen ihren ganz eigenen Duft.
von Christa VoglProfil

"Pling" macht die Backuhr des Elektroherds. Und gleich noch einmal "pling, pling": Uschi Stocker beugt sich hinunter, öffnet die Klappe des Ofens und holt ein heißes Blech mit duftenden Plätzchen heraus. Es ist nicht das erste für heute. In der professionell eingerichteten Backstube reihen sich auf der Arbeitsplatte bereits einige andere Bleche mit Kleingebäck: Plätzchen, die gerade dabei sind auszukühlen; Plätzchen, die auf einen Verzierungsguss warten; Plätzchen, die mit Marmelade zusammengeklebt werden; Plätzchen, die noch eine Mokkabohne obendrauf bekommen. Ein bisschen abseits davon stehen dicht an dicht um die 20 große bunte Blechdosen, die schon mit den fertiggestellten Süßigkeiten in verschiedenen Formen und Größen und Farben gefüllt sind.

"Ins Backen reingewachsen"

Fast so wie in einer richtigen Bäckerei. Dabei ist Uschi Stocker keine gelernte Konditorin oder Bäckerin. „Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und bei uns zu Hause wurde schon immer viel gebacken: Küchel, Kuchen, Torten und auch Weihnachtsplätzchen“, erzählt die Siegritzerin. Schon dadurch seien sie und ihre Schwestern sozusagen „ins Backen reingewachsen“: Aber richtig los, so erzählt sie, ging es mit dem eigenen Backen erst in Usbekistan.

Wieso in Usbekistan? „Mein Mann arbeitet als Ministerialbeamter im Auswärtigen Dienst, da heißt es, alle vier Jahre umziehen in ein anderes Land“, erklärt die 51-Jährige. Der erste von insgesamt fünf Auslandseinsätzen habe die Familie vor 25 Jahren nach Taschkent geführt, die Hauptstadt Usbekistans. Doch während auf ihren Mann immer ein Arbeitsplatz mit festen Strukturen gewartet hätte, sei für sie als „mitausreisender Partner“ jeder Umzug auch ein Neuanfang gewesen. „Man muss sich halt alle vier Jahre wieder neu erfinden. Man beginnt, die Sprache zu lernen, orientiert sich und versucht, eine Nische zu finden.“ Diese Nische war für sie von Anfang an – und nicht nur für den Aufenthalt in Usbekistan - das Backen. Und zwar von Kuchen, Torten und natürlich auch von Plätzchen.

Typisch für Deutschland und Österreich

„Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es diese typischen Weihnachtsplätzchen vor allem in Deutschland und in Österreich gibt“, sagt Stocker. Dass also in den anderen Ländern, in denen die Familie während dieser Zeit gelebt hat - Australien, Mazedonien, Finnland, USA und aktuell Kanada – nicht diese ausgeprägte Vielfalt an Gebäck existiert. „Natürlich gibt es Cookies aus Rührteig. Oder Squares und Bars aus Mürbteig. Aber das alles gibt es eben nicht nur zu Weihnachten, sondern eigentlich das ganze Jahr über.“ Und dieses Kleingebäck sei immer mit viel Zuckerguss in allen möglichen Farben verziert. „Süßkram in Pastellfarben. Vom Geschmack her aber keinesfalls zu vergleichen mit unseren Weihnachtsplätzchen“, weiß die passionierte Plätzchenbäckerin, ohne allerdings das Gebäck im Ausland generell abwerten zu wollen. Denn jede Gesellschaft, jede Kultur habe eben ihre eigenen Traditionen und ihre eigenen Vorlieben.

Die Erkenntnis, dass Weihnachtsgebäck in dieser Vielfalt etwas typisch Deutsches ist, war einerseits überraschend. Andererseits war es aber für Uschi Stocker ein Grund, an der Tradition des adventlichen Backens von Plätzchen, Stollen und Lebkuchen auch im Ausland festzuhalten. Und damit anderen Menschen eine Freude zu machen. "Selbst gebackene Plätzchen sind immer ein super Geschenk. Egal ob die Menschen in Usbekistan, Australien oder Mazedonien leben.“

Strenge Vorschriften

Trotz der Begeisterung ihrer Freunde und Bekannten in aller Welt konnte sich die gebürtige Siegritzerin in der Vergangenheit nicht dazu entschließen, im Ausland mehr aus ihrer Leidenschaft zu machen. Dafür gibt es einen guten Grund: „In Sachen Lebensmittel hat jedes Land seine eigenen Regeln und Vorschriften. Diese sind meistens sehr streng. Ich müsste zum Beispiel eine Prüfung zum 'Food Serve Manager' machen, die Küche müsste behördlich abgenommen werden und im Haus darf es keine Haustiere geben.“ Aber wer will schon mit jedem Umzug diese Prozedur von neuem auf sich nehmen? Ein weiterer Grund war wohl aber auch Dackel Iiro, von dem sich die Familie keinesfalls trennen will. Und schon gar nicht „wegen ein paar Weihnachtsplätzchen“.

Doch natürlich gibt es auch in Deutschland sehr strenge Regelungen in Bezug auf Lebensmittel. Diese Hürden hat Stocker allerdings bereits vergangenes Jahr gemeistert: Mit der Einrichtung einer eigenen Backstube sowie dem Bestehen der erforderlichen Prüfung bei der Handwerkskammer.

Viele Lieblings-Sorten

Dann macht es wieder „pling“, ein Blech mit duftenden Kokosmakronen verlässt den Ofen und ein neues Blech mit Husarenköpfchen darf in die Röhre. „Ich mache zum Advent immer so um die 30 verschiedene Sorten. Vor allem mag ich die traditionellen Rezepte“, erzählt die 51-Jährige. Viele davon habe sie aus einem alten Backbuch ihrer Mutter, darunter zum Beispiel auch die Zutaten für „mürbe Kokosplätzchen.“ Nicht selten erhalte sie wegen dieser "Rezepte von früher" Rückmeldungen ihrer Kunden, die sich an ihre Kindheit erinnern und erzählen: „Die Plätzchen kenne ich doch! Das sind die Plätzchen, die früher meine Oma gemacht hat.“

Aber natürlich hat Uschi Stocker auch ihre ganz persönlichen Lieblingsplätzchen. Die Frage danach beantwortet sie mit einem Strahlen in den Augen: „Die Linzer Plätzchen sind klasse. Und natürlich die Nougat-Busserl: die sind der Wahnsinn! Orangenzungen mag ich auch total gern. Ach, und die Spanischen Orangenhappen sind superlecker. Die Lebkuchen schmecken auch genial. Mmh. Und die Haselnussrauten, da kann man sich reinlegen …“

Plötzlich, als sie merkt, dass sie dabei ist, sich in den Weiten der verschiedenen Plätzchensorten zu verlieren, hält sie inne und sagt zusammenfassend: „Am läibstn mochi wos zampappts, mit Marmalad drinna und oubn draf wos mit Schokolad.“ Und damit wird schlagartig klar: Obwohl Uschi Stocker aus Siegritz bereits viele Jahre im Ausland verbracht hat und auch jetzt in Vancouver wieder zahllose neue Eindrücke sammelt: Im Grunde ihres Herzens ist sie doch eine waschechte Oberpfälzerin geblieben.

Durchs Backen findet sich Uschi Stocker in jedem Land zurecht

Siegritz bei Erbendorf

„Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es diese typischen Weihnachtsplätzchen vor allem in Deutschland und in Österreich gibt.“

Uschi Stocker

„Am läibstn moch i wos zampappts, mit Marmalad drinna und oubn draf wos mit Schokolad.“

Uschi Stocker

"Selbstgebackene Plätzchen sind immer ein super Geschenk. Egal ob die Menschen in Usbekistan, Australien oder Mazedonien leben.“

Uschi Stocker

Info:

Rezept für Nougat-Busserl

  • Zutaten: 2 Eiweiß, 140 Gramm Zucker, 75 Gramm gemahlene Haselnüsse, 75 Gramm gemahlene Mandeln
  • Füllung: ein halbes Glas Nuss-Nougat-Creme
  • Verzierung: Schokoglasur
  • Zubereitung: Das Eiweiß zu sehr festem Schnee schlagen. Dabei den Zucker einrieseln lassen. Die Haselnüsse und die Mandeln leicht unter den Eischnee ziehen
    Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Die Eiweiß-Nuss-Mandel-Masse in einen Spritzbeutel mit glatter Tülle füllen und Häufchen von etwa drei Zentimetern Durchmesser auf das Papier spritzen und backen. Backzeit: circa 20 Minuten bei 125 Grad Umluft.
  • Die Plätzchen auf dem Backpapier vollständig abkühlen lassen. Jeweils zwei der Plätzchen auf der Unterseite mit Nuss-Nougat-Creme bestreichen und zusammensetzen. Die Schokoglasur im Wasserbad schmelzen lassen und die Busserl mit einer Hälfte bestreichen. Ergibt ca. 20 Stück.

Nougatbusserl
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