03.10.2021 - 18:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Beim Großen Schlackenmarsch brennen nicht nur die Füße

62 unerschrockene Teilnehmer gingen beim Großen Schlackenmarsch von Sulzbach-Rosenberg nach Tachov in Tschechien an den Start. Nach 100 Kilometern winkten ihnen Respekt und weiße oder graue Mützen.

von Heidi FranitzaProfil

„Das wird unser Zeichen sein.“ Der Vorsitzende des Schlackenvereins, Stefan Thar, schwor am Samstagvormittag mit pathetischen Worten die 62 Teilnehmer des Großen Schlackenmarsches auf die bevorstehende Herausforderung ein, binnen 24 Stunden die Strecke von Sulzbach-Rosenberg nach Tachov in Tschechien zu marschieren. Er versprach: "Am Ziel winken Respekt, eine Urkunde und weiße Mützen als Beweis, die Strecke geschafft zu haben." Für neun Teilnehmer lagen graue Mützen bereit, das Kennzeichen, bereits zum zweiten Mal angetreten zu sein. Acht davon konnten dann in Tachov an stolze Träger übergeben werden.

Mit hängender Zunge erreichte Rosa die erste Verpflegungsstation in der Höhe von Hirschau. Die 18 Kilometer Strecke hatte der Hund tapfer sein Frauchen begleitet. Jetzt wurde er abgeholt. Die Station stand unter dem Motto „Oktoberfest“. Steffi Foist hatte zusammen mit ihrer Familie und einem Helferteam bayerische Gemütlichkeit in die Station geholt. Neben der sonst üblichen Marschverpflegung gab es auch frisch gekochte Nudeln und als Geheimwaffe für den Verlust von Mineralien durch das doch warme Wetter Bier und Radler. Alkoholfrei natürlich.

Einer joggt durch

War es das herrliche Herbstwetter oder das Gefühl, Teil einer tollen Gemeinschaft zu sein? Die Teilnehmer waren jedenfalls alle gut drauf. Es wurde viel gelacht, und erst an der zweiten Station gaben zwei Teilnehmer auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte Christian Trösch bereits die dritte Station in Weiden passiert. Er joggte wie schon letztes Jahr die gesamte Strecke und lag bald unerreichbar in Führung. Er sollte zum Schluss bereits nach 13:45 Stunden das Ziel im Schloßhof von Tachov erreichen.

Mit einem guten Schnitt von über sechs Kilometern pro Stunde waren auch die Moser-Brüder und Christian Koch unterwegs. Letztes Jahr hatten Ulrich und Andy Moser den Sieg der Marschierer an das Ehepaar Ingrid und Willi Mühlhofer abgeben müssen. „Dieses Jahr gehört uns“, hatte Andy beim Start gesagt. Er sollte sein Versprechen einhalten. Das Trio erreichte nach 19 Stunden als erste Marschiergruppe das Ziel.

Viel Asphalt bekamen die Teilnehmer im Bereich Weiden unter die Schuhsohlen. Es war bereits dunkel, als die Führenden die Station am Ostrand von Weiden erreichten. Eine warme Suppe war die richtige physische und psychische Vorbereitung auf die Nachtetappen. Schon letztes Jahr wurde die Gulaschsuppe vom Gasthaus Kreiner zur besten Gulaschsuppe der Welt gekürt und dieses Jahr erneut bestätigt.

Weiden ein Scheidepunkt

In Weiden hatten die Teilnehmer etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Gleichzeitig ist es ein Scheidepunkt. Kleine Unwägbarkeiten hatten sich auf dem Weg hierher oft zu großen Problemen ausgewachsen. Statistisch hatten hier die meisten Teilnehmer den Rückholdienst des Vereins in Anspruch genommen.

Auf acht Stationen wurden die Teilnehmer versorgt. Sieben wurden von Mitgliedern des Vereins betreut, wobei ein Team sogar auf zwei Stationen die Versorgung übernahm und sich die Nachtruhe betreffend solidarisch mit den Marschierern zeigte. Auch in Tachov war das Ziel die ganze Nacht besetzt.

Im vorderen Drittel der mittlerweile weit auseinandergezogenen Gruppen marschierte Wilhard Böttcher. Er war aus Soest angereist. „Ich bin gerne sportlich unterwegs“, sagte der 70-Jährige, der als Training zwei Wochen zuvor einen 85-Kilometer-Marsch absolviert hatte.

Im Internet war Jens Weyer auf den Schlackenmarsch aufmerksam geworden. „In der Oberpfalz hatte ich noch an keinem großen Marsch teilgenommen. Also habe ich mich spontan angemeldet“, erzählte der aus Neuss stammende Wanderenthusiast.

Frühstück im Schlosshof

Auch Jan Schlaupitz aus Dachau war im Internet auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Er hat Erfahrung mit Gewaltmärschen. Die größte Herausforderung sei ein 165er gewesen, ein Marsch über 165 Kilometer innerhalb von 48 Stunden. Seine Fitness brachte ihn nun innerhalb von 19,5 Stunden bis nach Tachov.

Die Stadtverwaltung von Tachov hatte die letzte Verpflegungsstation mit einem Frühstück im Schlosshof organisiert. Für Teilnehmer, die das Ziel in der Nacht erreichten, standen Schlafplätze in der örtlichen Schule zur Verfügung. Um 10.10 Uhr, exakt 24 Stunden nach dem Start in Sulzbach-Rosenberg, schloss das Zeitfenster für die Wertung. Gerade noch rechtzeitig erreichte Matthias Wünsch das Ziel. Er war auch der letzte Teilnehmer gewesen, der noch auf der Strecke war.

„Ihr seid losgegangen. Und ihr habt binnen 24 Stunden die 100 Kilometer bis Tachov geschafft. Eure Namen werden nun die Heldenliste des Vereins zieren.“ Peter Ostermann, Kassier des Schlackenvereins, überreichte den 34 Finishern die Urkunden und die weißen Mützen bzw. den Zweitteilnehmern die grauen Mützen. Mit einem Bus wurden die Teilnehmer wieder zurück nach Sulzbach-Rosenberg gebracht.

So lief 2020 der erste Schlackenmarsch

Sulzbach-Rosenberg

"Ihr habt binnen 24 Stunden die 100 Kilometer bis Tachov geschafft. Eure Namen werden nun die Heldenliste des Vereins zieren."

Peter Ostermann an die Adresse der 34 Finisher

 

 

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