22.10.2021 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Deckenfest bei Oberpfalz-Arkaden: "Bauprojekt steht unter Glücksstern"

Die Oberpfalz-Arkaden in Sulzbach-Rosenberg sind noch nicht fertig, haben aber schon zwei Mal den Eigentümer gewechselt. Nun wurde Deckenfest gefeiert, und es stellt sich die Frage: Ist das Fachmarktzentrum zum Spekulationsobjekt geworden?

Die Arbeiten am Bierhalsberg laufen: Die Decke auf dem Erdgeschoss ist fast vollständig fertig. Bis Weihnachten soll auch das Obergeschoss aufgesetzt und der Rohbau abgeschlossen sein.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Schwarze Lack- und Lederschuhe, lange Mäntel, Schals aus Seide: Schon allein am Kleidungsstil machte sich bemerkbar, dass sich hier betuchte Geschäftsleute versammelt haben. Beim sogenannten Deckenfest auf der Baustelle der Oberpfalz-Arkaden hat sich am Donnerstagnachmittag das Who is Who des größten Bauprojekts der Stadt versammelt. Offizieller Anlass für die Feier mit circa 80 Leuten, Salat- und Fleischbuffett sowie Grußworten unter anderem von Bürgermeister Michael Göth war, dass die Decke im Erdgeschoss inzwischen fast vollständig aufgebracht wurde. Die ursprünglich geplante, feierliche Grundsteinlegung war wegen Corona abgesagt worden.

Neben Architekt Friedrich W. Groefke aus Berlin war auch Hans-Jürgen Weber mit seiner Frau am Bierhalsberg – der Investor aus Osnabrück hat als Initiator die Arkaden quasi „erfunden“. Zur Runde gesellten sich zudem der Gründer der Schweizer Investment-Boutique 777 Capital Partners, Thomas Landschreiber, dessen Deutschland-Chef Markus Dickopf aus Frankfurt und Vertreter von Captiva – die Hamburger Fondsgesellschaft hat die Oberpfalz-Arkaden im September vom aktuellen Eigentümer Capital Partners gekauft.

Weil bei diesem Konstrukt schnell der Überblick verloren gehen kann, hat Oberpfalz-Medien bei Markus Dickopf, dem Geschäftsführer von 777 Capital Partners in Deutschland, nachgefragt. „Wir haben das Projekt von Herrn Weber übernommen und entwickeln es bis zur Fertigstellung weiter.“ Der Verkauf an Captiva sei ein normaler Vorgang. „Der Kaufvertrag mit Capitva ist bereits unterschrieben, aber noch nicht vollzogen. Wir bauen die Arkaden zu Ende und übergeben sie dann schlüsselfertig an den neuen Eigentümer.“

Kein schnelles Geld gemacht

Capital Partners hat die Arkaden jedoch selbst erst Anfang 2021 gekauft und nun, nach nur rund neun Monaten, bereits wieder weiterverkauft. Hat das Schweizer Start-up mit dem Sulzbacher Einkaufszentrum nur spekuliert, schnelles Geld machen wollen? „Nein“, widerspricht Dickopf. „Wenn wir spekulieren wollten, hätten wir das Projekt liegen gelassen und darauf gewartet, dass es im Wert steigt.“ Das Gegenteil sei geschehen. „Wir bauen fertig, wir schaffen Arbeitsplätze, wir bringen einen echten Mehrwert für die Stadt.“

Dieses Vorgehen sei in der Branche üblich. „Wir sind nur Entwickler. Es ist nicht unser Geschäft, langfristig aktiv zu bleiben.“ Der neue Eigentümer Captiva wiederum habe „einen langfristigen Horizont“ und werde das Fachmarktzentrum dauerhaft betreiben.

Dickopf ist auch sicher, dass die Arkaden im Gegensatz zum Liliencenter als Vorgängerbau erfolgreich sein werden. „Das ist nicht vergleichbar. Das Liliencenter sah aus wie ein Betonbunker, ein Gefängnis. Die Arkaden sind offen, einladend und haben starke Mieter.“

Thomas Landschreiber schlägt in seiner Rede, wenig überraschend, den selben Ton an. Die Arkaden seien „architektonisch hochwertig und keine Schuhschachtel“. Durch Wärmepumpe, Fernwärme und Wärmerückgewinnung gebe es keinen CO2-Ausstoß. Begrünte Dächer würden das Stadtklima verbessern. Und: „Bei der Auswahl der Mieter haben wir auf einen ausgewogenen Mix von Anbietern für den alltäglichen Bedarf geachtet“, sagt Landschreiber. Mit Edeka, Netto, Müller, Fressnapf und dem Sanitätshaus Reha Team Nordbayern seien bereits Verträge unterschrieben. „Bereits heute sind 85 Prozent der rund 10 000 Quadratmeter Mietfläche vergeben“, freut sich der Capital-Partners-Chef.

Lob für die Stadtverwaltung

Landschreiber bedankte sich nicht nur bei den Arbeitern und Handwerkern, die täglich unter Zeitdruck ihren Job machten. Die „gute und offene Zusammenarbeit“ mit der Stadt Sulzbach-Rosenberg und die direkte Verbindung zur Verwaltung lobte er besonders.

Ebenfalls bester Laune zeigte sich Architekt Friedrich W. Groefke. Die Decke über dem Erdgeschoss sei fast fertig. Bis Weihnachten will er den Rohbau weitgehend abschließen. Wegen guter Planung und sehr frühzeitiger Auftragsvergabe an die Baufirmen, gebe es auch keinen Verzug durch den sonst akuten Baustoffmangel. „Die Baustelle in Sulzbach steht unter einem Glücksstern“, sagte er geradezu euphorisch. Auf die Frage, ob er dabei den Bruch des Stützpfeilers, das drohende Abrutschen der B 14 und die bis heute anhaltende (Teil)sperrung der Bundesstraße ausgeblendet habe, sagte Groefke schmunzelnd: „Ja, das war eine Schrecksekunde. Da hätte viel passieren können. Aber das haben wir mittlerweile im Griff und die Grube ist wieder stabil.“

Winter als Unsicherheitsfaktor

Der Zeitplan mit der geplanten Eröffnung an Ostern 2022 stehe. Anfang November solle auch die B 14 wieder beidseitig befahrbar sein und der Gehweg freigegeben werden. Doch eine Sorge hat Groefke dann doch: „Wenn wir einen starken Winter bekommen, lässt sich der Ostertermin nicht halten. Es könnte dann Pfingsten werden.“

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Markus Dickopf, Geschäftsführer von 777 Capital Partners, über die Oberpfalz-Arkaden

Markus Dickopf, Geschäftsführer von 777 Capital Partners, über die Oberpfalz-Arkaden

 

 

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