03.12.2021 - 14:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Deo und Zigarette lösen Explosion aus: 18-Jährige schwerstverletzt

Sie versprühte ein Deodorant, um sich in einen Rauschzustand zu versetzen, und zündete sich dann eine Zigarette an. Die Folge war eine Explosion. Dabei erlitt eine 18-Jährige aus Sulzbach-Rosenberg schwerste Verbrennungen.

Spuren am Tag nach dem Unglück in Sulzbach-Rosenberg: Eine 18-Jährige hatte im Badezimmer Deo versprüht und sich danach eine Zigarette angezündet, wodurch es zu einer Explosion kam. Die junge Frau erlitt schwerste Verletzungen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

In einer Wohnung in Sulzbach-Rosenberg ist es am Donnerstagabend, 2. Dezember, zu einer Explosion gekommen, wobei nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz eine junge Frau schwerste Verletzungen erlitten hat. Ersten Ermittlungen zufolge hatte die 18-Jährige wohl versucht, sich durch das Versprühen von Deodorant in einen Rauschzustand zu versetzen – und sich danach eine Zigarette angezündet.

Scheiben und Türen kaputt

Gegen 23.15 Uhr wurden die Polizei, die Feuerwehr und der Rettungsdienst zu der Wohnung in Sulzbach-Rosenberg gerufen. Die 18-Jährige hatte dort eine Explosion ausgelöst. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatte die junge Frau im Badzimmer erhebliche Mengen Deodorant ausgesprüht, "um sich offenbar in einen Rauschzustand zu versetzen". Anschließend zündete sie sich eine Zigarette an – eine "massive Explosion", so die Polizei, war die Folge. Dabei gingen mehrere Scheiben zu Bruch, mehrere Türen wurden aus der Verankerungen gerissen.

Die junge Frau wurde schwerstverletzt, ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Spezialklinik. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist das Opfer nicht in Lebensgefahr. "Ein in der Wohnung anwesendes Kleinkind blieb glücklicherweise unverletzt", teilt das in Regensburg ansässige Präsidium weiter mit.

Schaden von rund 40.000 Euro

Die Ermittlungen in diesem Fall führt die Kripo Amberg in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft in Amberg. Es besteht laut Polizeipräsidium Oberpfalz der Anfangsverdacht des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Der Schaden, der durch die Kombination aus Deodorant und Zigarette entstanden ist, ist immens: Vorläufig wird er auf etwa 40.000 Euro geschätzt.

Die Polizei warnt in diesem Zusammenhang eindringlich vor den gesundheitlichen Gefahren, die durch das Inhalieren "von nicht dazu bestimmten Stoffen" entstehen können. Insbesondere Kinder und Jugendliche konsumierten Schnüffelstoffe als Drogen. Dadurch könne es zu akuten Vergiftungen und damit verbunden auch zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung listet im Internet einige dieser Schnüffelstoffe auf, die vor allem Kinder und junge Jugendliche konsumieren. Dazu zählen flüchtige Lösungsmittel und bestimmte Gase, die in frei verkäuflichen Klebstoffen, Reinigungsmitteln und Sprays enthalten sind. "In chemischer Hinsicht handelt es sich meist um aromatische Kohlenwasserstoffe oder Chlorkohlenwasserstoffe", heißt es seitens der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Auf Nachfrage erklärt Kreisbrandrat Fredi Weiß, dass sich durch das Versprühen des Deo ein zündfähiges Gas-Luft-Gemisch gebildet hat. Kommt dann ein Funke hinzu – laut Fredi Weiß kann das bereits das Betätigen des Lichtschalters sein, aber auch das Anzünden einer Zigarette wie im Fall der Sulzbach-Rosenbergerin – kann dies verheerende Folgen haben. "Dann gibt es eine Explosion", sagt Weiß. Wobei seinen Angaben nach sowohl die Größe des Raumes als auch der Anteil des Gases an der übrigen Luft im Raum eine Rolle spielt.

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Hintergrund:

Hilfe und Beratung

  • Allein die Warnung vor den Gefahren des Drogenkonsums sind laut Polizei keine ausreichende Vorbeugung gegen Drogengefährdung.
  • Oft komme es darauf an, Verhaltensweisen, die Signale für einen Drogenkonsum sein können, zu erkennen und ohne Zögern darauf zu reagieren.
  • Professionelle Hilfe und Tipps gibt es bei Beratungsstellen.
  • Diese beraten kostenlos und arbeiten nicht mit der Polizei zusammen – den Betroffenen droht dort also keine Strafverfolgung.
  • Mögliche Anlaufstellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de; www.drugcom.de); Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (www.dhs.de); Deutscher Caritasverband (www.caritas.de); Gesamtverband für Suchthilfe, Fachverband der Diakonie Deutschland (www.sucht.org); Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter (www.bvek.org)

 

 

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