25.11.2020 - 16:55 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Dichter Deckel für die alte Hausmülldeponie

Jahrzehnte warf jeder, der wollte, seinen Hausmüll dort hinein, wo auch die damals städtischen Müllfahrzeuge ihre Ladungen abkippten. Jede Menge Bauschutt folgte. Jetzt wird zwischen Katzenberg und Feuerhof die Deponie saniert.

Blick auf die zentrale Fläche des Sanierungsgebietes. Die Einrichtungen des städtischen Bauhofes wie etwa die Salzsilos müssen komplett weichen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die ehemalige Hausmülldeponie ,,Erzhülle" zwischen Katzenberg und Feuerhof erstreckt sich über etwa zehn Hektar auf dem Bergsenkungsgebiet des früheren Eisenerzbergbaus der Grube "Karoline". Die schwerpunktmäßige Hausmüllablagerung hat aber nur im nördlichen Bereich der Deponie, auf rund fünf Hektar, stattgefunden.

Die Fachleute Manfred Eberle und Florian Nitsch vom Büro R+H Umwelt GmbH erläuterten in der Stadtratssitzung die Details: Das Gelände falle von Nord nach Süd um etwa 35 Meter zur Schüttkante hin ab. Der überwiegende Teil der Deponie sei Brachland mit Verbuschung oder Wald

Wasser wird gefasst

Wesentliches Element der von der Stadt vorbereiteten Sanierung sei der Einbau einer Oberflächenabdichtung. Das aus dem Einzugsgebiet dieser Abdichtung anfallende Niederschlagswasser (,,Oberflächenwasser") soll in umlaufenden Randgräben gefasst und in den Erlbach als Vorfluter abgeleitet werden. Das seitlich zufließende Regenwasser aus dem bewaldeten Hangbereich nordöstlich der Deponie werde über ein Muldengerinne gefasst und gemeinsam mit dem Niederschlagswasser aus dem sanierten Areal in einem neuen Regenrückhaltebecken gesammelt. Von dort erfolge der gedrosselte Abfluss zum städtischen Oberflächenwasserkanal, danach in Regenrückhalteteich und Erlbach.

Wie ist der Untergrund dort beschaffen? Die "Erzhülle" sei als trichterförmiger Altbergbau zu beschreiben, der bis 1977 als Hausmülldeponie und von 1977 bis 1990 als Bauschuttdeponie verfüllt wurde. "Aufgrund der Morphologie des Altbergbaus und der bei der Detailuntersuchung nachgewiesenen gering durchlässigen Sedimente ... besteht ein bis über 20 Meter mächtiger Sickerwasseraufstau," lautete die Experteneinschätzung. Dieser Auffüllungsbereich werde durch Hausmüll und Bauschutt charakterisiert.

Klärung noch in Planung

Die ehemalige Hausmülldeponie werde bei der Sanierung über rund fünf Hektar mit einer Oberflächenabdichtung (2,5-Millimeter-Kunststoffbahn) gegen Niederschlagswasser geschützt, erklärte Eberle. Darauf komme die einen Meter dicke Rekultivierungsschicht zur Begrünung. Das gespeicherte Sickerwasser im Deponiekörper (schätzungsweise rund 40 bis 60 000 Kubikmeter) ist natürlich belastet und wird durch drei Stationen separat abgepumpt. Damit sollen Emissionen ins Grundwasser in Zukunft unterbunden werden. Es werde gespeichert und behandelt - wie, sei noch zu klären, erläuterten die beiden Experten. Letztlich solle es aber gesäubert in der Kläranlage landen.

Die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf der sanierten Deponie sprach Patrick Fröhlich (CSU/JU) an und formulierte es gleich als Antrag. Zumindest sollte die Möglichkeit für die Fundamente schon vorgesehen werden. Auch Bürgermeister Michael Göth und einige Stadträte sprachen sich für die Prüfung aus. Die konnte aber arbeitstechnisch noch nicht geleistet werden, meinte Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn. Die Stadt habe ihren finanziellen Eigenanteil bereits erbracht, die Sanierung werde von der staatlichen Gesellschaft für Altlastensanierung komplett übernommen.

Komplett eingezäunt

Eine Nutzung durch die Öffentlichkeit dürfte die dann rekultivierte und komplett eingezäunte Deponie aber zumindest mittelfristig nicht erfahren, dämpfte Eberle die Erwartungen: "Solange Sickerwasser abgepumpt wird und die Anlagen stehen, kann ich mir dort keine Besucher vorstellen!" Und das könne durchaus bis zu fünf Jahren dauern.

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Info:

Die Deponie "Erzhülle" in Zahlen und Fakten

  • 1963 bis 1977 Nutzung als Hausmülldeponie
  • 1977 bis 1990 Betrieb als Bauschuttdeponie
  • "Pinge“ Karoline: 36 000 Quadratmeter, 340 000 Kubikmeter Hausmüll
  • 26 Meter dicke Schicht aus Bauschutt, darunter Grube mit 24 Meter Hausmüll-/Bauschuttschicht mit Sickerwasser
  • Gesamtsanierungsdauer 4,5 bis 5,5 Jahre
  • Gesamtkosten rund 5,1 Millionen Euro
  • Start der Rodungsarbeiten Dezember 2020
  • Fertigstellung Oberflächenabdichtung 1. Halbjahr 2022
  • Sickerwasserförderung ab 1. Halbjahr 2022
Eine Schranke verwehr Unbefugten den Zutritt zum ehemaligen Deponiegelände. Im Dezember starten hier die Rodungsarbeiten im Vorfeld der anlaufenden Sanierung.

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