25.11.2020 - 16:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Erfolgreiche Integration: Aus dem Libanon gekommen und Fuß gefasst

Rana Jebai hat es durch großen Fleiß geschafft, Arbeit zu bekommen.
von Autor COGProfil

"Sicherheit", das antwortete Rana Jebai auf die Frage, warum sie ihr Heimatland Libanon verlassen hat. In Deutschland fühlt sie sich sicher, der zweite Grund sind die guten Chancen, die ihre Kinder hier haben. Sie können eine qualifizierte Ausbildung machen und später einen interessanten Beruf ausüben.

In Beirut ist sie geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur hat sie geheiratet und ein Kind bekommen. 2003 ist sie mit der Familie nach Deutschland gekommen, aber, stellt sie rückblickend fest, "es war langweilig". Ihr Mann arbeitete, sie bekam noch zwei Kinder, war zuhause und konnte ohne Ausbildung wenig machen.

Zurück zum Studieren

Ihr Mann ermutigte sie, Deutsch zu lernen und den Führerschein zu machen, aber irgendwann war ihr klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Deshalb kehrte sie mit den Kindern in den Libanon zurück und studierte dort Sozioökonomische Entwicklung und Pädagogik. Sie arbeitete drei Jahre lang als Sozialpädagogin an einem Gymnasium in Beirut, dann kam sie wieder nach Deutschland.

Leicht war es auch jetzt nicht. Die intelligente und strebsame Frau wusste, dass sie ohne sehr gute Sprachkenntnisse beruflich nicht Fuß fassen würde, und besuchte fünf Monate lang einen berufsbezogenen Deutschkurs auf fortgeschrittenem Niveau B2. Das war eine harte Zeit, weil sie bis zur anspruchsvollen Prüfung im März dieses Jahres sehr viel lernen musste und zugleich ihre Kinder bei der Eingewöhnung unterstützte. Aber der Einsatz hat sich gelohnt. Sie bestand die Prüfung, während 66 Prozent der Teilnehmer durchfielen. Und ihren Kindern geht es gut. Sie sind in der Schule erfolgreich und fühlen sich wohl.

Jebai hat keine Angst, dass die Kinder den Kontakt zur libanesischen Kultur verlieren: "Sie lernen die deutsche Kultur kennen und leben mit einer Kombination beider Kulturen, das ist eine Bereicherung." Jebais großes Ziel war eine Arbeitsstelle, die ihrer Qualifikation entspricht. Das war nicht einfach. Sehr dankbar ist sie deshalb Maria Bogner, der Jobbegleiterin des Landkreises, die sie bei ungezählten Bewerbungen unterstützte und ihr immer wieder Mut machte, bis es endlich geklappt hat.

Jetzt hat Jebai es geschafft: Seit dem 1. Oktober ist sie als Sozialpädagogin beim Kolping-Bildungswerk angestellt. Hier unterstützt sie junge Leute im Bewerbungsverfahren, bei Praktika und bei der Ausbildung, aber auch bei schulischen Problemen. Etwa 80Prozent ihrer Klienten sind Deutsche, dazu kommen Russen und Russlanddeutsche, Rumänen und Syrer.

Enorm viel gelernt

Zu Jebais Hauptaufgaben gehört es deshalb, jungen Leuten Mut zu machen und sie zu motivieren. Der PC ist ihr wichtigstes Arbeitsmittel. Aber nicht nur im Bereich EDV muss und will sie noch viel lernen. Sehr vieles ist in Deutschland anders geregelt als im Libanon, beispielsweise die Schulpflicht und gesetzlichen Grundlagen für Praktika.

Sie hat schon gelernt, allein einen Praktikumsvertrag zu schreiben. Trotzdem ist sie noch oft auf die Unterstützung ihrer Kollegen angewiesen. Sie ist ihnen sehr dankbar, dass sie auf alle ihre Fragen antworten und sehr hilfsbereit sind. Sie fühlt sich schon jetzt in der Einarbeitungszeit respektiert und wertgeschätzt.

Zufrieden mit Deutschland

Als besonders positiv empfindet sie, dass in Deutschland die eigene Leistung im Bewerbungsverfahren und bei der Arbeit zählt, nicht Beziehungen. Wer im Libanon nicht auf Unterstützung durch einflussreiche Verwandte oder Bekannte zählen kann, berichtet sie, hat keine Chance, gute Arbeit zu finden.

Jebai ist jetzt sehr zufrieden in Deutschland. Auch ihrem Mann und den Kindern geht es gut. Sie wollen nicht in den Libanon zurückkehren: "Sechs Wochen in den Sommerferien, um meine Eltern und Verwandten zu besuchen, das reicht".

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