25.10.2021 - 16:35 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Farbtupfer" bringen die Kunst zurück in die Volkshochschule Amberg-Sulzbach

Lange Zeit schauten Besucher im Landkreis-Kulturzentrum auf kahle Wände. Das ändert jetzt die Ausstellung der Künstlergruppe "Farbtupfer", die ihre Jubiläumszahl kurzerhand aktualisiert hat.

Bei der Ausstellungseröffnung der Künstlergruppe "Farbtupfer" dabei sind (an den Stellwänden entlang von links) Barbara Koller, Sandra Donhauser, Annemarie Scherbaum, Anja Sippl, Gertrud Fraas, Karin Tröster, Konrad Pirner, Margrit Tennert sowie Annemarie Schmer (vorne links), außerdem Kunstdozentin Nora Matocza (mit Blumenstrauß) und Claudia Mai, die neue Leiterin der VHS (hinten rechts).
von Autor COGProfil

"Ich habe gespürt, wie das Leben zurückkehrt und wir die Pandemie allmählich hinter uns lassen." Mit diesen Worten beschrieb Claudia Mai, die Leiterin der Volkshochschule Amberg-Sulzbach, ihre Ergriffenheit beim Anblick der neuen Kunstausstellung. Monatelang schauten die Besucher des LCC auf kahle Wände. Jetzt erfreuen noch bis Mitte Februar Zeichnungen und Gemälde der Künstlergruppe „Farbtupfer“ die Betrachter.

Eigentlich hatte die Ausstellung schon vor einem Jahr stattfinden sollen, und zwar zum zehnjährigen Bestehen der Künstlergruppe "Farbtupfer". Sie ist aus den Zertifikatskursen Malen und Zeichnen der VHS hervorgegangen. Jetzt wird hier das "Jubiläum 10 + 1" begangen.

Thema "Frauen in der Kunst"

"Ich bin sehr froh, dass hier endlich wieder eine Ausstellung sein kann", begann Nora Matocza, Leiterin der Galerie im LCC und Kunstdozentin, ihre Einführung in die präsentierten Arbeiten. Das gemeinsame Thema sei "Frauen in der Kunst". Die 14 Malerinnen und Maler der Künstlergruppe "Farbtupfer" haben sich jeweils mit den Werken einer Künstlerin auseinandergesetzt.

Sandra Donhauser wählte eine Vorlage der Französin Berthe Morisot (1841 - 1895) und kopierte kongenial deren reizvolles "Mädchen mit nackter Schulter" in Pastellkreide. Beeindruckend sind auch ihre ganz filigranen Bleistiftzeichnungen. Man kann fast den Duft der Quitten spüren, die Regina Eichenseer gezeichnet hat. Ganz anders sind ihre abstrakten Acrylgemälde, die in den Weltraum entführen. Sie sind inspiriert von Lee Krasner (1908 - 1984).

Schreiende Anklage gegen Kriegstreiber

Gertrud Fraas zeigt harmonische farbige Ölbilder, auch mit regionalen Motiven. Friedlich sind die Tiroler Landschaften, die Barbara Koller mit Bleistift gezeichnet hat. Die Technik der Bleistiftzeichnung hat sie auch für ihre Auseinandersetzung mit Käthe Kollwitz (1867 - 1945) gewählt, aber hier sind ihre Motive sehr viel weniger idyllisch. Vor allem die Kopie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ ist eine schreiende Anklage gegen Kriegstreiber und heute in der Bearbeitung von Koller genauso aktuell wie vor 80 Jahren.

Konrad Pirner interpretiert ein expressives Frauenportrait von Mary Cassat (1844 - 1926). Seine Vielseitigkeit belegt er mit weiteren ganz unterschiedlichen femininen Gesichtern in Öl und Kreide.

Claudia Schlosser präsentiert emotionale Zeichnungen und ihre persönliche Auseinandersetzung mit „Die schöne Rafaela“ der Malerin Tamara de Lempicka (1898 - 1980). Der wuchtige Akt atmet gleichermaßen Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit. Flächig und kraftvoll ist Annemarie Scherbaums „Mädchen mit Katze im Arm“, für das Paula Modersohn-Becker (1876 -1907) Pate stand.

Blumenaquarelle und Landschaftsmalerei

Mit zarten kleinen schwarz-weißen Blumenaquarellen belegt Annemarie Schmer ihre Vielseitigkeit, da sie außerdem, inspiriert von Georgia O’Keeffe größere Blumen präsentiert. Anders als bei der Amerikanerin sind sie hier aber weniger entrückt, sondern kraftvoll und erdig.

Tina Schöbinger-Wölzl zeigt zwei Landschaften, die Fernweh wecken. Sie beschäftigte sich mit der Landschaftsmalerei Gabriele Münters (1877 - 1962). Von großem Können zeugt, wie sie eine weidenbestandene Straße im Stil der bedeutenden Expressionistin und als Kontrast dazu in ihrem eigenen Stil verwirklicht. Freundliche Landschaften in Öl malt Margrit Tennert, und auch ihr Ölportrait von zwei Frauen nach Marie Laurencin (1883 - 1956) ist leicht und heiter.

Einheit aus 15 sehr individuellen Teilen

Das außergewöhnlichste Exponat ist ein riesiges Portrait von Nora Matocza. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit der 14 „Farbtupfer“-Künstler und der Kursleiterin selbst. Hier sind also auch Karin Tröster und Anja Sippl vertreten. Jeder bekam ein Stück von einem Foto und sollte es abmalen. Das Ergebnis, zusammengesetzt aus 15 sehr individuellen Teilen und doch eine Einheit, begrüßt jetzt mit strahlendem Lächeln alle Besucher der VHS.

Die Kunstfreunde unterhielten sich mit den Malern, plauderten, genossen in der anregenden Gesellschaft ein Glas Sekt und freuten sich über die Normalität. Musikalisch wurde die Vernissage stimmungsvoll von der Band Small and Together umrahmt. Sängerin Franziska Manko, Gitarrist Fabian Lerch und Pianistin Maike Meinhold machten den Abend zu einem Wohlfühl-Erlebnis für alle Sinne.

Generalsanierter Flügel lässt Musikliebhaber aufhorchen

Sulzbach-Rosenberg
Vielfältig, und doch harmonisch vereint ist das gemeinsame Werk der "Farbtupfer", ein Portrait von Nora Matocza in Einzelbildern.
"Small and Together" verlieh der Vernissage den passenden musikalischen Rahmen. (Farbtupfer)

 

 

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