21.04.2021 - 17:14 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Keine Ruhe im Rosenberger Papageien-Gnadenhof: Nachbarn und Stadt kontern Vorwürfe

Der Streit um den Papageien-Gnadenhof geht weiter. Das Veterinäramt hat einen Aufnahmestopp verhängt, die Stadt erteilt keine Baugenehmigung und die Nachbarn stellen klar: Die Vögel sind nicht leise – sie schreien unerträglich laut.

Wellensittiche, Graupapageien, Amazonen und Aras: Im Gnadenhof der Familie Jacksons leben über 50 exotische Vögel. Die Nachbarn halten den Lärm der Tiere für unerträglich. Und die Stadt Sulzbach-Rosenberg hat keine Baugenehmigung erteilt.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Ulrike Jackson und ihr Sohn Terrel haben einen Vogel. Nicht nur einen, sondern aktuell sogar 55. Darunter viele exotische Exemplare wie Graupapageien, Amazonen, Aras und Wellensittiche. Doch die Tiere bereiten Ulrike und Terrel Jackson auch große Probleme: Die Besitzer des Rosenberger Papageien-Gnadenhofs liegen im Clinch mit der Stadt Sulzbach-Rosenberg, die für die nur halb fertig gebauten Freiflugkäfige, sogenannte Volieren, keine Baugenehmigung erteilt. Und mit der Nachbarsfamilie Plötz, die einen Anwalt engagiert hat, weil sie sich von den Rufen der Papageien gestört fühlt.

Bereits am 10. April hat Oberpfalz-Medien über den Gnadenhof berichtet. In dem Artikel kamen ausführlich die Jacksons zu Wort. Darin sagten die Vogel-Freunde, ihre Tiere seien nicht laut und sie würden auch nicht stinken. Die Auflage der Stadt, ein Lärm- und ein Geruchsgutachten zur Bedingung für die Erteilung einer Baugenehmigung zu machen, sei deshalb unbegründet.

Unbeschreibliches Geschrei

Das aber sieht Lieselotte Plötz ganz anders. Zumindest mit Blick auf den Lärm. „Die Papageien schreien, das kann man gar nicht beschreiben.“ Die Seniorin wohnt seit 50 Jahren am Grundstück der früheren Pulvermühle nebenan. Doch seit die Jacksons im vergangenen Sommer mit ihren Tieren eingezogen seien, soll es mit der Ruhe vorbei sein. Ihr Sohn Dietmar sekundiert: „Morgens von 8 bis 9 Uhr schreien sie, mittags kommt ein großer Schwall Lärm, und ganz schlimm ist es abends im Sommer, wenn man draußen sitzt. Das ist ein grausamer Klang, ein aggressives Rattern.“ Papageien würden nicht zwitschern wie normale Vögel, sondern richtig schreien, ergänzt Lieselotte Plötz.

Beide wollen nicht fotografiert werden, stehen aber mit ihrem Namen zu der Lärm-Beschwerde. Das Geschrei gehe soweit, dass Besucher ausblieben. „Ich habe einen guten Bekannten, der sagt, ich komme nicht mehr, weil das hält man ja nicht aus ohne Ohrenstöpsel“, klagt die Seniorin. Beim Pressetermin vor Ort geben die Vögel keinen Mucks von sich. Passt das mit der Beschwerde zusammen?

Kein Lärm im Winter

Ja, sagt Dietmar Plötz, der mit im Haus lebt, um sich um die Mutter zu kümmern. „Im Winter sind sie im Kälteschutzhaus, da hört man nichts.“ Schlimm werde es in den warmen Monaten. „Wenn die Vögel im Sommer in voller Mannschaftsstärke in den Volieren hocken, dann geht das Programm los“, beteuert der 58-Jährige.

Der selbstständige Unternehmensberater räumt ein, dass es mit dem Geruch keine Probleme gebe. „Gestank war für uns nie ein Thema, darüber beschweren wir uns nicht.“ Die Jacksons hätten gesagt, die Plötz würden ihnen „ständig das Leben schwer machen“. „Das ist eine Frechheit. Wir haben uns nur ein einziges Mal bei der Stadt beschwert – wegen des Lärms. Wir wollen einfach verstanden werden.“

Mit Video - Der Papageienhof hat endliche ein neues Zuhause gefunden

Sulzbach-Rosenberg

Kommunikation via Anwalt

Das nachbarschaftliche Verhältnis kann als zerrüttet bezeichnet werden. Die Plötz und die Jacksons kommunizieren nur noch schriftlich oder über ihre Anwälte miteinander. Seit 2020 bei einem Sturm eine morsche Weide der Jacksons auf ein Nebenhaus der Plötz gestürzt ist und sich ein Streit über die Kosten entzündet hat, ist das Verhältnis gänzlich zerstört.

Dies ist bedauerlich, weil Dietmar und Lieselotte Plötz keine grundsätzlichen Einwände gegen die Papageien haben. „Wir haben uns anfangs sogar überlegt, monatlich 100 Euro zu spenden, weil wir einen Gnadenhof für eine gute Sache halten“, sagt Dietmar Plötz. Ginge es nach ihnen, dürften die Vögel ruhig weiter auf dem Nachbargrundstück bleiben, aber: „Das einzige, was wir wollen, ist, dass ein Lärmschutz herkommt. Es ist wirklich unerträglich, uns nervt es.“

Ohne Genehmigung gebaut

Die Stadt wiederum betrachtet die Angelegenheit sachlich. Auf dem Grundstück planen die Jacksons Volieren mit bis zu vier Metern Höhe und einer Fläche von 240 Quadratmetern. Manche der Käfige sind bereits ganz oder teilweise fertig gebaut – ohne zuvor die nötige Baugenehmigung eingeholt zu haben. Ohne die Zustimmung der Kommune kann aber nicht weitergebaut werden. Nach Auskunft der Verwaltung ist an der Genehmigung des Bauantrags auch die Untere Immissionsschutzbehörde des Landkreises beteiligt.

Die Volieren der Jacksons sind einer Stellungnahme der Behörde zufolge „sehr kritisch zu sehen“. „Hinsichtlich Schallimmissionen“ seien „schädliche Umwelteinwirkungen“ bei den Nachbarn zu erwarten. Und mit Blick auf den Geruch könnten Belästigungen zumindest „nicht ausgeschlossen werden“. Laut Unterer Immissionsschutzbehörde ist deshalb der Bauantrag entweder abzulehnen oder per Lärm- und Geruchsgutachten nachzuweisen, dass es keine Belästigungen gibt. Solche Gutachten können die Jacksons sich nicht leisten, da sie nach deren Angabe jeweils bis zu 6000 Euro kosten. Dieses Argument kann die Stadt jedoch nicht gelten lassen, müsste sie anderenfalls ja geltendes Recht ignorieren.

"Das war naiv"

Weiter gibt die Verwaltung bekannt, dass das Grundstück der Jacksons „direkt orografisch rechts an einem Triebwerkskanal der Rosenbaches“ liegt. Die Hälfte des Areals sei Überschwemmungsgebiet. Wer in einem solchen Risikogebiet bauen möchte, brauche zusätzlich eine wasserrechtliche Genehmigung. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Weiden teilt laut Auskunft der Stadt Sulzbach-Rosenberg aber mit, dass die Jacksons die nötigen Unterlagen nicht eingereicht hätten. Was von dieser Situation zu halten ist, sagt Veterinäramtsdirektor Werner Pilz deutlich: „Wenn ich mir ein Grundstück kaufe, muss ich doch vorher klären, ob ich dort überhaupt bauen darf. Die Jacksons sind sehr tierlieb, da habe ich keinen Zweifel, aber das war einfach naiv.“

Dem Leiter des Amberger Veterinäramts liegen zudem mehrere Anzeigen gegen die Jacksons vor. „Von Leuten, die glauben, dass die Haltungsbedingungen dort nicht gut sind“, sagt Pilz. Der Veterinär wird deshalb in den kommenden Wochen mit einem speziell ausgebildeten Papageien-Experten vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aus Erlangen zur Prüfung dort erscheinen. Zumindest die Frage, ob die Jacksons ihre Tiere ordnungsgemäß halten, dürfte dann bald geklärt sein.

Keine Lösung in Sicht

Bei der fehlenden Baugenehmigung jedoch scheint eine schnelle Lösung in weiter Ferne. Sollten die Jacksons weiter die nötigen Unterlagen nicht einreichen und sich gegen die Gutachten wehren, könnte – im schlimmsten Fall – die Erlaubnis für die Tierhaltung entzogen werden. Dann wäre der Traum vom Papageien-Gnadenhof mit Besuchern und glücklichen Tieren, die dort ihren Lebensabend verbringen dürfen, endgültig geplatzt – und alle Mühen umsonst.

Hier gehts zur Vorgeschichte was die Besitzer des Papageienhofs sagen

Sulzbach-Rosenberg

"Die Jacksons sind sehr tierlieb, da habe ich keinen Zweifel, aber das war naiv."

Veterinäramtsdirektor Dr. Werner Pilz

Veterinäramtsdirektor Dr. Werner Pilz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.