22.11.2020 - 16:47 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kindergarten in Corona-Zeiten: Videokonferenz statt Laternenumzug

Man muss sich etwas einfallen lassen in Zeiten des Lockdowns. Dies gilt besonders auch in den Kindertagesstätten. Einerseits brauchen die Kleinsten vertraute Orte und Abläufe, andererseits sind viele gewohnte Aktivitäten nicht mehr erlaubt.

Laternenumzüge, Singen in Altenheimen und Adventsfeiern müssen heuer ausfallen. Linda Hirsch, Leiterin des evangelischen Kindergartens „An der Allee“ (Zweite von links) und das Seniorenzentrum der Diakonie „Bühler Höhe“ haben trotzdem eine kreative Lösung gefunden, Gemeinsamkeit zwischen Alten und Jungen zu schaffen – unter Einhaltung der Hygienevorschriften.
von Autor GACProfil

Keine gruppenübergreifenden Aktivitäten, kein Turnen, keine Feste mit den Eltern, Schichtbetrieb im Garten, Trennung der Hortkinder von den Kindergartenkindern: Das sind nur einige der Einschränkungen, die der evangelische Kindergarten „An der Allee“ umsetzen muss. Leiterin Linda Hirsch versucht trotzdem, den Kindern möglichst viel zu bieten: „Obwohl wir keinen Laternenzug machen konnten, haben wir Laternen und Windlichter gebastelt.“ Auch die jährlichen Besuche in den Altenheimen mussten weitgehend ausfallen, was nicht nur für die Kinder, sondern vor allem auch für die Senioren sehr traurig war.

Lösung gefunden

Glücklicherweise konnten Hirsch und die Pflegedienstleiterin des Seniorenheims der Diakonie „Bühler Höhe“, Susanne Hubmann, eine Corona-gerechte Lösung für einen Besuch finden. Die Kinder kamen am Vormittag auf den Parkplatz des Seniorenheims, wo eine Reihe von Bewohnern auf sie wartete. Andere standen am Fenster und hörten aus ihrem Zimmer zu, wie die Kinder für sie sangen. Hubmann bedankte sich herzlich: „Wir haben uns riesig gefreut, ihr habt uns ein Licht gebracht.“

„Die Kinder müssen sehen, ob man lacht oder ernst ist.“

Gabi Sperber, Leiterin Kita Guter Hirte, zum Tragen durchsichtiger Masken

„Die Kinder müssen sehen, ob man lacht oder ob man ernst ist“, sagt Gabi Sperber, Leiterin des evangelischen Kindergartens „Guter Hirte“ in Rosenberg. Deswegen tragen die Mitarbeiterinnen durchsichtige „Smile to go“-Masken. Für die Erzieherinnen ist es trotzdem eine große Belastung, während ihres ganzen Arbeitstages die Maske tragen zu müssen. Die Kinder müssen höhere Hygienestandards, zum Beispiel beim Händewaschen, erlernen. Ansonsten soll der Alltag im Kindergarten möglichst unverändert bleiben. Das erfordert aber oft mehr Aufwand, zum Beispiel weil die Gruppen jetzt zu unterschiedlichen Zeiten in den Garten gehen, damit sie möglichst wenig direkten Kontakt haben.

Kein Sommerfest

Feste und Aktionen sind seit März abgesagt. Das ist war vor allem für die Kinder traurig, die heuer in die Schule gekommen sind. Kein Vorschulausflug und kein Sommerfest. Der Martinsumzug, der normalerweise mit einer Andacht in der rappelvollen St.-Johannis-Kirche beginnt, musste heuer ausfallen. Stattdessen gab es ein Laternenfest im Kindergarten – ohne Eltern. „Die Eltern sind sehr verständnisvoll“, sagt Sperber. Sie hält den Kontakt über regelmäßige Elternbriefe. Ein großes Problem sind die ständigen Änderungen der Hygienevorschriften: „Wir werden erschlagen von Informationen, die wir täglich bearbeiten sollen“, klagt Sperber.

Abstand mit bunten Punkten

„Wir haben den Vorteil, dass wir eine kleine Einrichtung sind“, erklärt Thea Luber-Schlegl, Leiterin der Montessori-Kita in Rosenberg. „Wir müssen deshalb keine Gruppen trennen und die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften ist einfacher.“ Trotzdem musste sie dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept vorlegen, das anstandslos genehmigt wurde. Viele sehr kleine Kinder gehen in die Montessori-Kita. Denen kann man beispielsweise das Husten in die Armbeuge noch nicht beibringen. Aber das Abstand-Halten kann man mit bunten Punkten auf dem Boden in ein spaßiges Spiel verwandeln und auf diese Weise gleichzeitig die Farben lehren. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist allen Kindergärten wichtig. Im Lockdown ist das natürlich schwieriger, weil die Eltern sich nicht mehr in der Kita aufhalten sollen. In der städtischen Kindertagesstätte „An der Point“ wird morgens eine Mitarbeiterin abgestellt, die die Kinder vor dem Haus in Empfang nimmt. „Dass die Eltern draußen bleiben müssen, hat auch Vorteile“, erläutert Leiterin Christiane Rankl. Die Kinder müssen zum Beispiel lernen, sich selbst den Mantel und die Schuhe auszuziehen; das ist eine Vorbereitung für die Schule.“

Mit einer Kita-App informiert Rankl die Eltern über das pädagogische Programm und die Abläufe in der Kita. Vertrauliche Gespräche sind so allerdings nicht möglich. Auch der Laternenumzug musste durch eine Videokonferenz ersetzt werden. Für die Kinder scheint das alles kein Problem zu sein: „Die Kinder nehmen das toll“, stellt Rankl fest. Das regelmäßige Lüften (mit Protokoll), das disziplinierte Händewaschen, die maskierten Erzieherinnen, das alles haben die Kinder ganz schnell akzeptiert.

Für die Mitarbeiterinnen kann der ganze Aufwand allerdings nervenzehrend werden. Wenn es zuviel wird, dürfen sie dann einmal kurz vor die Tür und die Maske abnehmen. Auch im Lockdown braucht’s gelegentlich eine Maskenpause.

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Nabburg
„Und jetzt gehst Du zum gelben Punkte“, sagt Erzieherin Simone Dietrich (hinten rechts). In der Montessori-Kindertagesstätte wird aus den Hygieneregeln ein Lernspiel: Die Punkte am Boden markieren den notwendigen Abstand beim Warten aufs Händewaschen. Leiterin Thea Luber-Schlegel (hinten links) assistiert derweil beim Händewaschen.
Wenn man sich etwas einfallen lässt, geht manches auch „online“: Der Kindergarten „An der Point“ hat heuer seinen Laternenumzug als Videokonferenz gestaltet. Im Bild der Guckkasten mit Bildern der Martinsgeschichte, die per Video an die Kinder zu Hause übertragen wurden.
Trotz Corona muss der Alltag weitergehen: Das Mittagessen im städtischen Kindergarten "An der Point".
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