22.08.2021 - 15:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rapsernte in Sulzbach-Rosenberg: Kleine schwarze Körner für goldgelbes Öl

Ob das Rapsöl wie ein Jungbrunnen wirkt, kann nicht bestätigt werden, aber ihm werden viele positive Eigenschaften nachgesagt. Das weiß auch der Sulzbach-Rosenberger Landwirt Fritz Renner, der aktuell mit der Rapsernte beschäftigt ist.

Wegen Witterungseinflüssen hat die Rapsernte auch für Landwirt Fritz Renner aus Siebeneichen in diesem Jahr zwei Wochen später begonnen.
von Heidi FranitzaProfil

Die gelbe Blütenpracht des Rapses im Frühjahr ist schon lange verschwunden. Und jetzt wirkt die Pflanze zur Ernte mit ihren bis zu 10 Zentimeter langen grau-braunen Schoten recht unscheinbar. „Normalerweise ist der Raps im Juli reif für die Ernte“, erklärt Fritz Renner, Landwirt aus dem Sulzbach-Rosenberger Stadtteil Siebeneichen, warum er dieses Jahr den Raps erst Anfang August einbrachte. „Die kalte Witterung mit Nachtfrösten im Frühjahr hatdie Reife verzögert. Deswegen sind wir dieses Jahr mit der Ernte zwei Wochen später dran!“

Geerntet werden die kleinen schwarzen Körner der Rapsschoten. Der Rest der Pflanze und das Stroh verbleiben auf dem Feld und werden später eingegrubbert. Das minimiert die Bodenabtragung. Nachhaltigkeit ist beim Raps ein wichtiges Thema, das die Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) in einer Broschüre, die im Internet zum Download verfügbar ist, detailliert darlegt. Wie dort auch aufgeführt wird, ist Winterraps die wichtigste Trachtpflanze für Nektar und Pollen in Deutschland. Andreas Royer, Vorsitzender des Imker-Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg dazu: „Zwar kann Raps auch ohne die Hilfe von Insekten Früchte entwickeln, sie fallen aber größer aus, wenn Honigbienen, Hummeln, Wildbienen oder Schwebfliegen den Pollen zwischen den Blüten verteilen. Die Arbeit der Bienen kann den Imkern in der Nähe von Rapsfeldern eine reiche Honigernte bringen – auf einem Hektar bis zu 40 Kilogramm.“

Raps für Biokraftstoffe

Deutschland ist gemäß einer Statistik der Vereinten Nationen der sechstgrößte Rapsproduzent. Das gewonnene Rapsöl wird nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie verwendet, sondern ist auch ein großer Faktor bei den Biokraftstoffen und ist ferner in Pflanzenschutzmitteln, Futtermitteln, Motor- und Schmierölen, Lösungsmitteln sowie Lacken und Farben enthalten. Zudem wird es in der Medizin für die Herstellung von Salben verwendet.

Von einem kleinen Teil der Ernte lässt Fritz Renner in einer regionalen Rapsmühle Öl für den Eigenverbrauch pressen. Der sogenannte Rapskuchen entsteht bei der Kaltpressung der Rapssaat. Dieser Rückstand sei laut Renner für die Tierfütterung ein wichtiges, alternatives Eiweißfutter zum importierten Sojaschrot, der immer teurer und aus überwiegend genmanipuliertem Soja gewonnen werde. Die Nachfrage nach Rapsöl sei den letzten Jahren auch sehr gestiegen.

Im Mai 2021 beschloss der Bundestag das Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote. Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen erwarte dadurch eine erhöhte Rapsöl-Nachfrage und empfiehlt eine Erhöhung der Anbauflächen. Fritz Renner: „Raps soll nur in drei-, besser noch vierjähriger Fruchtfolge angebaut werden. Eine Erweiterung der Anbaufläche in unserem Betrieb ist nicht möglich, weil wir bereits 25 Prozent unserer Fläche mit Raps bewirtschaften.“ Zeit zum Ausruhen bleibt ihm aber dennoch nicht. Die Aussaat für die Ernte im nächsten Jahr erfolgt jetzt Ende August. Die Pflanze soll wachsen und in einem kräftigen Rosettenstadium den Winter überdauern.

Gesünder als Olivenöl?

Das auch von Fritz Renner gewonnene Rapsöl sei möglicherweise gesünder als Olivenöl. Zu diesem Schluss kam die Stiftung Warentest. Es sei reich an ungesättigten Fettsäuren und weise zudem ein besonders günstiges Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren auf. Der Rosenberger Christian Rubenbauer, International Head Chef Allianz-Arena, hat für die Verwendung von Rapsöl in der Küche nicht nur gesundheitliche sondern auch ganz pragmatische Gründe: „Rapsöl ist zwar kein Highlight in der Kulinarik, kann aber wegen seines neutralen Geschmacks sehr vielfältig eingesetzt werden. Wir verwenden es zum Beispiel auch gerne zum Braten, denn es kann sehr hoch erhitzt werden, ohne bitter zu werden.“

Den gesundheitlichen Aspekt bestätigt auch Fröschau-Apotheker Falk-Samuel Glamsch: „Rapsöl wird als ernährungsphysiologisch hochwertiges Speiseöl verwendet. Es sind viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten.“ Gleichzeitg warnt er aber auch: „Bei alten Sorten des Rapsöls findet sich die ungesunde Erucasäure in höheren Konzentrationen, die zu Herzmuskelverfettung führen kann.“

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Hintergrund:

Verwendung von Rapsöl

  • Nahrungsmittel
  • Biokraftstoff
  • Futtermittel
  • Motoröle, Schmiermittel
  • Pflanzenschutz
  • Lacke, Lösungsmittel, Farben

„Die kalte Witterung mit Nachtfrösten im Frühjahr hat die Reife verzögert.“

Landwirt Fritz Renner

 

 

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