11.06.2021 - 10:23 Uhr
TeunzOberpfalz

100 Küken warten auf die Freiheit: Wieder Fasane in der Teunzer Flur

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In Bayern gibt es immer weniger Rebhühner und Fasane. Nicht so in Teunz: Jägerin Andrea Süß zieht kleine Fasanküken auf und lässt sie im Revier frei. Jagdpächter und Spaziergänger freuen sich über den Anblick.

Andrea Süß hält einen kleinen Fasan in der Hand. Rund 100 Küken zieht die Teunzer Jägerin aktuell auf.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Noch vor Jahrzehnten war der Fasan im Oberviechtacher Land anzutreffen. Doch intensiv genutzte Kulturlandschaften verdrängten Feldfluren mit Gehölzen und Hecken, und so auch den Lebensraum für das Niederwild. Doch Spaziergänger in Teunz können jetzt mit etwas Glück einen kupferroten Hahn mit langen Schwanzfedern oder eine Henne mit bräunlicher Tarnfärbung entdecken.

Andrea Süß züchtet seit zwei Jahren Fasane. Die Anregung dazu entstand bei einem Lehrgang an der BJV-Landesjagdschule Wunsiedel, wo sie die Voliere der Niederwildstation mit Rebhühnern, Fasanen und Wachteln entdeckte. Als sie dann nach der Jägerprüfung vor drei Jahren als Begehungsschein-Inhaberin ins Teunzer Revier einstieg, setzte sie die Idee in die Tat um: "Mit der Fasanenzucht kann ich mich aktiv ins Revier einbringen."

Natürliche Feinde

Die beiden Jagdpächter, Bernhard Brandstätter und Hans Elsner, begrüßen und unterstützen diese Initiative. So hat heuer Brandstätters Huhn "Barbara" die Eier mit ausgebrütet. Nach der Aufzucht zu Hause werden die Tiere in die Freiheit entlassen. Nicht für die Fasanenjagd, sondern für mehr Artenvielfalt. "Die bleiben ja auch nicht alle bei uns, sondern verteilen sich auf die Reviere", sagt Andrea Süß. Dort treffen sie auf ihre natürlichen Feinde: "Dachs, Fuchs, Katzen und Habicht." Sie zeigt auf ein Bild mit ihrem farbenprächtigen Zuchthahn, welchen sie bereits ausgewildert hat. "Fürs nächste Jahr behalte ich einen von den Kleinen."

Nur ein Teil der Eier stammt von den eigenen Tieren, die meisten kauft Andrea Süß von einem Züchter zu und legt sie für rund 24 Tage in den Brutapparat. Mittlerweile sind die rund 100 Küken geschlüpft und tummeln sich in den Holzkästen im nicht ausgebauten Obergeschoss des Eigenheims. "Draußen im Voliere war es in den vergangenen Wochen einfach zu kalt", erklärt die gebürtige Teunzerin. Junge Fasane sind Nestflüchter, die nach dem Schlüpfen nur wenige Stunden zum Trocknen im Nest bleiben, dann der Henne folgen und in deren Nähe eigenständig ihre Nahrung suchen. Als Ersatzmama fungiert Huhn "Betty". Sie sitzt ruhig inmitten einer Schar wuseliger Fasanküken und lässt es sich geduldig gefallen, dass die Kleinen auf ihr herumtollen. In einer anderen Kiste sorgt eine Wärmelampe für Geborgenheit. Andrea Süß nimmt ein Brett mit geschnittenen Brennnesselblättern und gibt eine kleine Menge zu den Sämereien. Die Küken picken gleich eifrig darauf los.

Jagdhund "Nandl" ist gut ausgebildet, denn der Gordon-Setter beobachtet das Gewusel unberührt. Die Jägerin nimmt ein Küken in die Hand, hält es vor seine Schnauze und sagt: "Schonen ist die hohe Kunst des Jagens." Das bezieht sie auch auf sich: "Zu 99 Prozent der Ansitze genießt das Auge. Man freut sich über einen schönen Anblick." Andrea Süß ergänzt: "Jäger sind die Menschen, die am meisten kostenlos Arten- und Umweltschutz betreiben." Schon als Kind saß sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Vater Hans Biersl auf dem Hochsitz. "Ich bin da langsam hineingewachsen." Seit drei Jahren ist sie als ausgebildete Jägerin im gleichen Revier unterwegs und unterstützt die beiden Nachfolge-Jagdpächter bei der Hege und Pflege.

Bernhard Brandstätter, seit 1988 Jäger und seit 1995 Jagdpächter, betreibt sein Hobby mit viel Erfahrung und Leidenschaft. Er schwärmt: "Es ist interessant, wenn man die Zusammenhänge von Natur und Tierwelt langsam begreift." So verstehe er es, wenn beispielsweise der Eichelhäher einen Fuchs meldet. Jagdpächter Hans Elsner (Jägerprüfung 2002) stieg 2015 ein. Auch er unterstützt die Mitgeherin bei der zeitintensiven Zucht und Auswilderung der Fasane.

"Die Leute freuen sich, wenn sie einen Fasan sehen", meint Brandstätter und schwärmt vom Gebaren eines Gockels in der Balz. Schön wäre es, im 500 Hektar großen Revier eine Naturbrut zu erreichen. "Wir haben da etwas mehr Einfluss, da sich viele Ecken für die Entwicklung von Fasanen eignen." Auch die Jäger im Umkreis würden bei diesem Ziel mithelfen: "Es gibt keine Fasanjagd", stellt Brandstätter fest.

Teunzer Jäger retten Rehe vor dem Mähtod

Teunz

"Tag im Wald" für Kinder

Die drei Jäger des Teunzer Reviers beteiligen sich 2021 wieder mit einem "Tag im Wald" am Kinderferienprogramm des Gartenbauvereins. Heuer stehen voraussichtlich Fledermäuse im Mittelpunkt. "Es gibt schon Anmeldungen", freut sich Andrea Süß. Ihr ist es ein Anliegen, das gegenseitige Verständnis zu fördern. Dazu passt eine Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbands vom 2. Juni: Ministerin Michaela Kaniber stellt das leidenschaftliche Engagement der Jäger heraus, wovon die gesamte Gesellschaft profitiere. Und sie betont die Wichtigkeit von Tierschutz und Jagdethik bei der Jägerprüfung. Derzeit gebe es in Bayern 75 000 Jäger - und damit so viele wie noch nie. Weitere Bilder: www.onetz.de/

Jägerin Andrea Süß verstärkt die Teunzer Jagd

Teunz

"Mit der Fasanenzucht kann ich mich aktiv ins Revier einbringen."

Jägerin Andrea Süß

Jägerin Andrea Süß

"Die Leute freuen sich, wenn sie einen Fasan sehen."

Jagdpächter Bernhard Brandstätter

Jagdpächter Bernhard Brandstätter

Hintergrund:

Artenvielfalt ist auch ein Thema der bayerischen Jäger

  • Andrea Süß, geborene Biersl, hat vor drei Jahren die Jägerprüfung abgelegt und tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters. Als Begehungsschein-Inhaberin unterstützt sie die beiden Jagdpächter im Teunzer Revier (500 Hektar).
  • Die Zucht von Fasanen zur Auswilderung im Revier hat sie bei einem Lehrgang in Wunsiedel kennengelernt. 2017 eröffnete dort die BJV-Niederwildstation als ein europaweit beispielhaftes Projekt zum Erhalt des heimischen Niederwilds (Fasane, Rebhühner, Feldwachteln). Die Tiere werden in ausgewählten Revieren freigelassen.
  • Fasane gehören zur Ordnung der Hühnervögel. Der Hahn fällt durch sein farbenprächtiges Gefieder und seine deutlich längeren Schwanzfedern auf. Hennen zeigen eine bräunliche Tarnfärbung. Erwachsene Fasane wiegen circa 1,2 Kilogramm (männlich) sowie die Hennen 900 Gramm. Die Küken sind Nestflüchter.
  • Wie der Bayerische Jagdverband am 2. Juni 2021 in einer Presseerklärung informiert, gibt es in Bayern derzeit so viele Jäger wie noch nie: Knapp 75 000 Personen haben einen Jagdschein gelöst.
  • Jagdministerin Michaela Kaniber will die Themen Tierschutz und Jagdethik künftig noch intensiver in der Jägerprüfung verankern.

 

 

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