Warum Zeit im Garten keine verlorene Zeit ist

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Die meisten Menschen legen in ihrem Leben nur einen einzigen Garten an. Cornelia Roth aus Thumsenreuth gestaltet derzeit bereits ihren dritten Garten. Ob es der letzte sein wird?

Die Gärtnerin und ihr Garten. Cornelia Roth hat in ihrem Leben bereits drei Gärten angelegt.
von Christa VoglProfil

Cornelia Roth lacht, als sie von ihrem allerersten Garten erzählt, einem Reihenhausgarten in Herzogenaurach. Denn der Plan zur Gestaltung dieses Gartens lag schon auf dem Tisch, lange bevor der Bauplan für das Haus fertig war. Für den zweiten Garten, entstanden auf einem steinigen Hanggrundstück, so erzählt sie, ließ sie 70 Tonnen Humus kommen und war im Anschluss daran monatelang damit beschäftigt, die Erde zu sieben und schubkarrenweise zu verteilen. In diesem Garten waren in den darauffolgenden 23 Jahren viele Menschen zu Gast: Gartenfotografen, Touristengruppen - auch welche aus Österreich - und Anbieter von Gartenreisen. Der BR mit der Sendung LaVita drehte sogar einen Film. Cornelia Roths grüne Oase wurde dadurch auch überregional bei Gartenliebhabern bekannt. Vor fünf Jahren folgte dann die Entscheidung, all das hinter sich zu lassen, gemeinsam mit ihrem Mann zurück in den Steinwald zu ziehen und noch einmal ein neues Haus zu bauen. Und natürlich auch einen neuen Garten anzulegen.

Harald Schlöger, Gartenkreisfachberater im Landkreis Tirschenreuth, ist nach Thumsenreuth gefahren, um sich den neuen Garten, also den dritten Garten im Leben von Cornelia Roth, anzusehen. Im Gepäck hatte er nicht nur seine grüne Hängematte, sondern auch viele Fragen, die er der Gartenbotschafterin stellen wollte.

ONETZ: Frau Roth, welche Rolle spielt der Garten in Ihrem Leben?

Cornelia Roth aus Thumsenreuth: Ich würde sagen, dass sich Garten und Familie mittlerweile den ersten Platz teilen. Ich habe eine Ausbildung als Betriebswirtin, bin also nicht in der Gartenbranche zu Hause. Mit den Jahren rutschte ich dann aber irgendwie in diese Schiene und arbeitete auch in Gärtnereien und Baumschulen. Wie andere einen Hang zur Malerei oder zum Gedichteschreiben haben, so lege ich einfach gerne Gärten an. Ich bin da ein Autodidakt.

ONETZ: Würden Sie sich als Gartenbotschafterin bezeichnen?

Auf alle Fälle. Wer Interesse an Gärten hat, stößt bei mir auf offene Türen. Und ich gebe auch gerne etwas weiter. Ich lebe gerne im Garten und genieße es, die Jahreszeiten dort zu verfolgen. Und ich mache mir auch gerne die Hände schmutzig (lacht).

ONETZ: Was macht den Garten aus Ihrer Sicht besonders?

Ein Garten ist mehr als ein Stück Rasen und rundherum Büsche. Es muss im Garten immer auch versteckte Ecken, etwas Geheimnisvolles, etwas Interessantes geben.
Wenn ich etwas in einer Gartenzeitschrift entdecke, das mir gefällt, das aber nicht zu mir passt, dann setze ich es auch nicht um. So schön diese Geschichten auch sind: es muss für einen selbst passen.

ONETZ: Gibt es Gärten in der Region, die für Sie was Besonderes sind und die Sie anderen empfehlen?

Vor zwei Jahren war ich am „Tag der offenen Gartentür“ in Friedenfels. Einer der Gärten war der wunderschöne Pfarrgarten mit ganz vielen Ramblerrosen. Wenn ich so etwas sehe, geht mir das Herz auf.
Bisher war ich ja ziemlich beschäftigt mit meinem eigenen Garten und habe mich daher noch nicht wirklich umgesehen. Aber eines ist schon erstaunlich: Meine alten Gartenfreunde aus dem Fränkischen waren in der Vergangenheit immer in Richtung Norden, Süden oder Westen unterwegs, um sich Gärten anzuschauen. Und jetzt, seit die Grenzen offen sind, haben sie plötzlich die Oberpfalz entdeckt. Das wird bestimmt noch zunehmen.

ONETZ: Spricht Sie eine Jahreszeit im Garten besonders an?

Ich habe keine bevorzugte Jahreszeit im Garten, mich sprechen alle an. Aber im Frühjahr geht mir schon das Herz auf, wenn ich sehe, wie die ersten Spitzen der Schneeglöckchen hervorkommen. Und auch wenn es um diese Jahreszeit im Garten insgesamt noch recht wüst und unansehnlich aussieht – weil ich die Frucht- und Samenstände der Stauden ja erst im Frühling abschneide – freue ich mich an den Strukturen und den Vögeln, die im Garten leben. Wenn man sieht, was da alles wächst, was die Natur alles zustande bringt, bin ich einfach sprachlos.

ONETZ: Warum lohnt es sich für Sie, mehr Zeit im Garten zu verbringen?

Zeit im Garten ist keine verlorene Zeit. Es lohnt sich immer, sich dort aufzuhalten. Gerade durch Corona hatte ich in den vergangenen Monaten viel Zeit für den Garten. Das ist natürlich auch gefährlich (lacht). Weil man da nämlich neue Ideen bekommt. Und diese Ideen arten dann in Arbeit aus. Mein Mann musste zum Beispiel gleich wieder eine neue Kompostkiste bauen.

ONETZ: Welche Tipps haben Sie für Gartenfreunde?

Wenn man einen Garten neu anlegt, dann sollte man sich Zeit dafür nehmen. Viele wollen halt ein schnelles Ergebnis, aber man sollte sich gerade in der Vorbereitungsphase viel Mühe geben. Es reicht nicht aus zu fräsen, dann schnell Sträucher zu setzen und Mulch darüber zu streuen.
Wichtig ist auch zu schauen, welchen Boden man hat. Ich lasse meinen Boden im Garten alle zwei Jahre untersuchen. So sehe ich, was an Nährstoffen fehlt. Manchmal bieten das zum Beispiel Raiffeisenmärkte an.
Beim Anlegen des Gartens siebe ich die Wurzelunkräuter, wie Giersch oder Quecken, heraus. Das war am Anfang sehr viel Arbeit, aber dafür hat man später kaum mehr Probleme damit. Eine Wurzelsperre sollte man auch nicht vergessen. Ich habe eine solche zwischen dem Bereich „Wildwuchs“ und dem „angelegten Garten“. Dafür verwende ich einfach Teichfolie, die senkrecht so ca. 30 – 40 cm tief in den Boden eingegraben wird. Das ist ein guter Schutz, das hat sich in der Vergangenheit bewährt.
Und zum Düngen verwende ich organischen Universaldünger, den ich zukaufe. Nicht zu vergessen das Allerwichtigste: Kompost, Kompost, Kompost. Ich habe neun Kompostbehälter im Garten!

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