16.02.2021 - 19:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Der 1. März: Ein einschneidendes Datum für Friseure und ihre Kunden

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Nach elf Wochen endlich wieder ein Haarschnitt oder eine andere Frisur: Am 1. März dürfen die Friseure wieder öffnen. Die Telefone in den Salons im Kreis Tirschenreuth stehen seit Tagen nicht still.

Nach elf Wochen geht es bei den Friseuren wieder los. Der Andrang wird groß sein, obwohl viele Hygienevorschriften, wie das Tragen von Masken, eingehalten werden müssen.
von Armin Eger Kontakt Profil

An den Montagen haben die meisten Friseure eigentlich geschlossen. Am 1. März machen aber alle eine Ausnahme, denn nach elf Wochen endet für die "Haarmacher" der Lockdown. "Natürlich stellen sich andere Branchen die Frage, warum dürfen die, und wir nicht", sagt Sonja Sollmann vom "Hair Royal" in Tirschenreuth."Wir haben keinen Einfluss darauf und das nicht für uns bestimmt. Aber wir freuen uns darauf und sind froh, wieder arbeiten zu dürfen."

Lehrling im Lockdown ausgebildet

Dabei gab es bei Sollmann in den vergangenen Wochen keinen Stillstand. "Ich habe stundenweise meine beiden Lehrlinge ausgebildet, da sie im Mai Zwischenprüfung haben. Wie sollen die das sonst schaffen, ohne jede Praxis?" Die Friseurin sicherte sich vorher ab und holte sich bei der Handwerkskammer die Erlaubnis dazu. "Meine Mutter war das Prüfungsmodell und sonst benutzten wir einen Übungskopf", erklärt Sollmann.

Probleme gab es trotzdem. "Nachdem bei uns das Licht im Geschäft gebrannt hat, dachten einige, wir haben auf. Die haben uns die Polizei und das Gesundheitsamt geschickt. Aber wir haben uns an alle Vorgaben gehalten", erklärt die Friseurmeisterin. Sie brachte ein Schild im Schaufenster an und informierte darüber, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Die Tirschenreutherin weiß nicht, ob sich auch andere Kollegen im Lockdown um die Auszubildenden gekümmert haben. "Das musste sein, denn wenn es am 1. März losgeht, habe ich sowieso kaum mehr Zeit für meine Lehrlinge." Denn die Telefone stehen seit Tagen nicht still und Sollmann hat soviel Termine, dass sie über längere Zeit ausgebucht ist.

Die Tirschenreuther Friseurin Sonja Sollmann hat im Schaufenster extra darauf hingewiesen, dass sie nur Lehrlinge ausbildet und ihren Salon nicht geöffnet hat.

Angestellte in Kurzarbeit

"Die Nachfrage nach Terminen ist groß", bestätigt auch Nicole Grüner, die den Salon "Haargefühl" in Kemnathseit sieben Jahren betreibt. Sie musste ihre vier Angestellten in den vergangenen Wochen in Kurzarbeit schicken. Geld hat sie vom Staat bisher keins bekommen. "Während des ersten Lockdowns im vorigen Jahr musste ich von meinem Ersparten leben." Auch sie sperrt ihr Geschäft am Montag, 1. März, auf, denn sie ist froh, dass es wieder losgeht. Die Hygienevorschriften bringen schon einen Mehraufwand. "Aber wir können gut damit umgehen. Nach dem jetzigen Stand müssen wir Friseure keine FFP2-Maske tragen, sondern es reicht eine OP-Maske."

Bis jetzt immer ohne Anmeldung

Seit über 100 Jahren gibt es das Friseurgeschäft Härteis in Erbendorf. "In der vierten Generation sind wir schon", sagt Petra Härteis. Und in all den Jahren konnten die Kunden vorbeikommen, ohne Anmeldung. "Ob das jetzt auch geht, weiß ich nicht. Wir müssen das erst abklären. Denn in den Bestimmungen heißt es, es ist eine Terminreservierung zwingend erforderlich." Das der Stammkundschaft zu vermitteln, sei nicht einfach. "Die jungen Leute informieren sich in Facebook oder sonst wo, die Älteren stehen dann weiter einfach vor der Tür."

Es gibt extrem viele ungeklärte Fragen, meint Petra Härteis. "Es wird uns täglich etwas hingeschmissen und es gibt immer neue Vorgaben." Selbst wenn nach elf Wochen wieder aufgesperrt werden darf, gibt es Einbußen. "Wir haben sechs Bedienplätze, dürfen aber nur drei nutzen. Zudem müssen wir jedem Kunden die Haare waschen. Auch das kostet Zeit. Vorher hatten wir bei den Herren viele Trockenschnitte." Das Problem Auszubildende spricht die Friseurin ebenfalls an. "Wie soll ich einem Lehrling etwas am Kunden zeigen, wenn auf einer Fläche von zehn Quadratmetern nur eine Person sein darf?"

Zwei Mitarbeiter in den Laden zurückgeholt hat Friseurobermeister Alfons Kliebhan, der in seinen Geschäften in Waldsassen und Konnersreuthacht Leute beschäftigt. "Seit Söders Ankündigung, dass wir wieder aufsperren dürfen, brauchen wir einen eigenen Telefondienst. Die ersten beiden Wochen sind wir schon voll." Kliebhan lässt seine Läden zudem bis 21 Uhr offen, um möglichst viele Kunden zu bedienen. "In der dritten Wochen wollen wir dann wieder zu den normalen Öffnungszeiten zurückkehren", sagt der 45-Jährige.

Er denkt, dass das "sehr durchdachte Hygienekonzept" der Friseurinnung eine Grund dafür sei, dass die Salons als erstes wieder aufsperren dürfen. "Wir hatten in ganz Bayern bisher nachweislich keine Ansteckungen in den Friseurläden", weiß Kliebhan.

"Seit Söders Ankündigung, dass wir wieder aufsperren dürfen, brauchen wir einen eigenen Telefondienst."

Friseurobermeister Alfons Kliebhan

Friseurobermeister Alfons Kliebhan

Arbeiten ohne FFP2-Maske

Einige Vorschriften seien gelockert worden, wie der Verzicht auf die FFP2-Maske, aber nur für die Mitarbeiter. "Das wäre arbeitsrechtlich auch schwierig geworden, da mit Maske regelmäßig Pausen eingehalten werden müssen. Aber was passiert, wenn die Friseurin beim Färben ist und dann zwischendurch Pause machen muss?", fragt Kliebhan. Er habe auch das Glück, dass er einen sehr großen Laden habe und dadurch bei den Mindestabstand keine Probleme habe.

Auch er musste seine Beschäftigen in Kurzarbeit schicken. Momentan habe die Corona-Pandemie keine Auswirkungen auf die Zahl der Friseure, langfristig werde die Anzahl jedoch zurückgehen. Auch die Auszubildenden werden immer weniger. "Wir sind froh, wenn wir überhaupt noch eine Berufsschulklasse zusammenbringen."

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