10.05.2020 - 13:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Auswirkungen der Coronakrise auf die heimische Fischzucht

Zumindest den Fischzüchtern hat der Corona-Shutdown ab Mitte März nicht sehr geschadet. "Da haben wir viel mehr Probleme mit Fischotter und Kormoran" resümiert Thomas Beer, Vorsitzender der Arge Fisch zum Ende der Karpfensaison.

Für Franz Kühn junior hält sich der Schaden durch die Coronabeschränkungen in Grenzen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Fischsaison ist zu Ende. Die Züchter sind längst damit beschäftigt, die Schuppenträger zu produzieren, die ab Herbst auf den Speisekarten der Restaurants zu finden sein werden. Freilich habe die Schließung der Gaststätten gegen Ende März auch den Absatz frischer Fische aus heimischer Produktion abrupt gestoppt. Betriebe hatten teilweise erhebliche Einbußen. Das gilt für jene, die sich auf die Belieferung der Gastronomie mit Fischen spezialisiert haben. Oder solche, die selbst ein Fischlokal betreiben.

Fischladen lief weiter

Klaus Bächer, Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz musste am 15. März wie alle anderen auch, sein Restaurant "Fischstüberl" in Muckenthal schließen. "Das war für uns die größte Einschränkung. Der Fischladen lief unter Beachtung der Hygienevorschriften weiter. Auch ansonsten konnte der Betrieb weitestgehend aufrecht erhalten werden", resümiert er die vergangenen Wochen.

Thomas Beer ist Vorsitzender der Arge Fisch. Der Züchter und Gaststättenbetreiber erklärt, dass die Teichwirte vor allem unter dem fehlenden Absatz zu Ostern gelitten hätten, weil ja die gesamte Gastronomie weggefallen sei. Im Vergleich zu dem was Fischotter in der Region anrichteten, sei der Schaden durch die Auswirkungen der Coronabeschränkungen aber eher gering. Die Arge Fisch sei bereits kurz vor der Veröffentlichung ihres Jahresprogramms Erlebnis Fisch 2020/21 gestanden. Das habe man aufgrund der Corona-Situation verschoben. In angepasster Form soll es jetzt Mitte Mai herauskommen. Vor allem die Großveranstaltungen stünden auf der Kippe. Die Situation werde beobachtet und dann entschieden. Sicherheit und Gesundheit stünden an erster Stelle.

Hoffen auf den Herbst

An Großveranstaltungen wären heuer die Eröffnung der Erlebniswochen Fisch in Waldsassen am 27. September und die Kornthaner Karpfenkirchweih am 10./11. Oktober geplant. "Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Situation so weit verbessert, dass wir uns ab Herbst auf eine erfolgreiche Karpfensaison 2020/21 freuen können, in der die Gäste aus nah und fern den Karpfen wieder in Restaurants und auf Veranstaltungen genießen können." Auch der Tirschenreuther Fischzüchter Franz Kühn geht mit seinen Kollegen konform. "Die Auswirkungen durch die Coronakrise auf die Fischerei sind speziell in unserem Betrieb eher gering", sagt er. Natürlich sei der Absatz von Speisekarpfen vor Ostern buchstäblich ins Wasser gefallen.

Für Betriebe, die viel über Direktvermarktung an Endverbraucher und Gastronomie machen sei der Schaden wahrscheinlich ziemlich groß, vermutet Franz Kühn. "Bei uns hält er sich in Grenzen. Es fällt zwar einiges an Direktverkauf weg und auch das ausgefallene Ostergeschäft im Wirtshaus (Schwanenwirt) ist spürbar."

Hauptgeschäft Fischereivereine

Das meiste gehe bei ihm aber bereits im Herbst an Fischereivereine weg. Das seien fast alles langjährige und zuverlässige Kunden. Was allerdings schon auffällig wäre, sei der Rückgang der Nachfrage nach Satzfischen im Frühjahr. In dem Zusammenhang sei aber vorstellbar, dass als Grund Corona gleichauf mit "Otterfrust" sei. Kühn weiß außerdem, dass Kollegen wegen des Virus auch Probleme gehabt hätten, Helfer zum Abfischen zu bekommen.

Alfred Stier aus Thanhausen ist stellvertretender Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern und selbst Fischzüchter im großen Stil. Für seinen eigenen Betrieb sei seit Auftauchen des Coronavirus bisher alles relativ normal gelaufen, sehe man von den Umsatzeinbrüchen bei Speisefischen ab, vor allem in der Osterzeit. Viel mehr Sorgen mache ihm die Tatsache, dass alle Großveranstaltungen abgesagt seien oder wenigstens "wackelten". Veranstalter etwa der Regensburger oder der Auer Dult seien Kunden von ihm. Fielen diese Events aus, bedeute das für seinen Betrieb empfindliche Einbußen beim Salmoniden-Geschäft.

Dann müsse er staatliche Hilfen beantragen, was er bisher nicht vorgehabt hätte. Auch überlege er ernsthaft, ob er nicht seinen Laden und den Biergarten bei der Wendermühle wieder öffne, um die Verluste wenigstens zum Teil abzufedern. Dazu inspiriert hätten ihn Kollegen, die im Randbereich der Großstädte agierten.

Bei ihnen boome Direktvermarktung, weil die Menschen nicht in die Restaurants könnten und sich selbst versorgten. Diese Züchter profitierten sogar vom Coronavirus und sagten: "Für uns ist seit Wochen Weihnachten." Wie auch seine Kollegen ist aber auch Alfred Stier überzeugt, "das werden wir überstehen, irgendwann wird Corona kein Thema mehr sein.

Garnelenzucht auf Eis gelegt

Vielmehr Kopfzerbrechen mache auch ihm die Existenz des Fischotters, der verheerende Schäden anrichte und nicht wieder so mir nichts dir nichts verschwinden werde. Die Garnelenzucht, die Stier demnächst starten wollte, habe aber definitiv das Virus auf Eis gelegt. Die Postlarven kommen per Flug aus Florida und da gehe im Moment überhaupt nichts.

Hier lässt sich kein Sicherheitsabstand einhalten. Deshalb steht in diesem Jahr auch das beliebte Abfischen für Kinder am Gowerlhof in Rothenbürg auf der Kippe.
Das Ostergeschäft fiel für viele Fischzüchter und Fischlokal-Betreiber regelrecht ins Wasser. Sie blieben auf ihren Fischen und Produkten daraus sitzen.
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