21.06.2021 - 15:50 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Befragung des Piloten noch nicht möglich: Ursache des Flugzeugabsturzes weiter unklar

Warum stürzte das Kleinflugzeug über dem Wald beim Egerer Waldhäusl ab? Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat die Ermittlungen aufgenommen. Infos könnte vielleicht der Pilot geben. Aber eine Befragung ist noch nicht möglich.

Das einmotorige Flugzeug war am Donnerstagnachmittag in einem Waldstück zwischen Rosall und Ottengrün abgestürzt. Die Überreste des Fliegers waren am Freitag schnell geborgen. Das THW Marktredwitz hatte in einer halben Stunde alles verladen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Nach dem Absturz eines einmotorigen Segelfliegers am vergangenen Donnerstag startete eine großangelegte Suchaktion. Der Pilot war mit dem Fallschirm aus der Maschine gesprungen und in einem Baum gelandet. Er wurde von den Rettungskräften in dem Wald beim Egerer Waldhäusl relativ schnell gefunden und von der Bergwacht Fuchsmühl schwer verletzt geborgen. Lebensgefahr bestand trotz zahlreicher Frakturen, innerer Verletzungen und eines Hängetraumas nicht, obwohl der 59-Jährige längere Zeit in dem Baum hing.

Das Polizeipräsidium Regensburg bestätigte am Montag, dass der Zustand des Piloten immer noch ernst, aber stabil sei. "Eine Befragung ist noch nicht möglich", sagt Pressesprecher Dominic Stigler. Ziel des Flugzeugs sei wohl irgendwo im Bayerischen Wald gewesen. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Aber es gibt keinen Hinweis auf Fremdverschulden", so der Polizeioberkommissar.

Am Morgen in Thüringen gestartet

Die Aufzeichnung von Flightradar 24 zeigt, dass der Pilot am Donnerstag um kurz nach 9 Uhr am Flugplatz Arnstadt in Thüringen gestartet war. Seine Route führte ihn über Stadtsteinach, an Tröstau vorbei über den Steinwald. Gegen 11.30 Uhr überflog er Erbendorf. Dann ging es Richtung Flossenbürg, Pleystein, Moosbach, Teunz und Oberviechtach bis nach Rötz und Furth im Wald. Gegen 12.45 Uhr machte sich der 59-Jährige wieder auf Richtung Norden. Gegen 14 Uhr endet die Aufzeichnung, einige Kilometer südlich von Bad Neualbenreuth.

Was danach geschehen ist, konnte noch nicht geklärt werden. Der Pilot war mit dem Fallschirm über dem Waldstück am Egerer Waldhäusl abgesprungen, der Segelflieger flog noch einige Hundert Meter weiter. "Die Mitteilung bei der Polizei ging um 16 Uhr ein", sagt Stigler.

Dass die Rettungskette mit Polizei, Feuerwehr, Bergwacht und dem Technischen Hilfswerk so schnell anlief, hat der 59-Jährige einem ELT-Notsender (Emergency Locator Transmitter) zu verdanken. "Der Sender wird durch den Aufschlag aktiviert. Das Notsignal wird von Satelliten erfasst und dann wird die SAR-Leitstelle informiert", sagt Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die noch am Freitag an der Unglücksstelle die Ermittlungen aufgenommen hat, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Pilotenbefragung kann helfen

"Wir hatten einige Kollegen vor Ort", sagt Friedemann. Erstes Augenmerk galt dem technischen Zustand und ob die Steuerung in Ordnung gewesen ist. Auch die genaue Flugroute müsse noch rekonstruiert werden. Wichtig sei vor allem, den Piloten zu befragen, warum er sich zum Ausstieg entschlossen habe. Der erste Zwischenbericht wird gegen Ende August vorliegen, so der Luftfahrtexperte. Bis die Ursache geklärt und eine Analyse vorliege, werde es aber sicher ein Jahr dauern.

Das Wrack wurde am Freitag geborgen, bestätigt Erster Polizeihauptkommissar Roland Heldwein, Leiter der Polizeiinspektion Waldsassen. "Der Vorteil war, dass gleich eine Forststraße vorbeiführt. So mussten die Teile nur fünf Meter getragen werden. Nach einer halben Stunde hatte das THW alles erledigt. Die Flugzeugreste wurden in Tirschenreuth in einer Halle eingelagert, bis die Staatsanwaltschaft das Wrack freigibt."

Die lange Flugzeit des 59-Jährigen über Stunden sei nichts außergewöhnliches, sagt René Mühlmeier. Der Bärnauer ist ein erfahrener Pilot, der mit ein- oder zweimotorigen Maschinen unterwegs ist. "Die Route, die der Pilot nahm, vom Thüringer Wald über Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald bis hinunter in den Bayerischen Wald, nennt man auch Rennstrecke", weiß Mühlmeier. "Da ist immer Thermik."

Warum es zu dem Unfall kam, kann er sich nicht erklären. "Ein Segelflieger sinkt auf einen Kilometer nur 20 Meter. Der Pilot hätte genügend Zeit gehabt, sich nach einem Platz für die Außenlandung umzusehen. Das kommt x-mal vor." Notlandungen gehören zur Ausbildung, so der Bärnauer, der selbst seit 30 Jahren fliegt und auch Piloten mit ausbildet. Wahrscheinlich habe sich der Pilot verkalkuliert. "Aber es ist sehr schwer, das aus der Ferne zu beurteilen." Da die Flieger immer mit einem Fallschirm in der Kanzel sitzen, sei das Aussteigen einfach. "Wenn die Haube entriegelt ist, fliegt sie sowieso von selbst weg und dann kann man abspringen."

Fliegen "sehr, sehr sicher"

Er selbst habe auch schon gefährliche Situationen erlebt. "Beim ersten Fehler muss man handeln, beim zweiten ganz fit sein, beim dritten wird es ganz gefährlich", sagt der 56-Jährige. Auf dieser Skala hätte er schon mehrmals eine gute Zwei gehabt. "Aber ich konnte es immer wieder meistern." Für ihn ist Fliegen dennoch "sehr, sehr sicher".

Aber man dürfe nicht leichtsinnig und nachlässig werden, meint Mühlmeier, der mit einem Gleitschirm begonnen hat, dann jahrelang mit einem sogenannten Trike in der Luft unterwegs war. "Ich habe von unten angefangen und eine Lizenz nach der anderen gemacht."

Pilot kann sich mit Fallschirm retten

Rosall bei Tirschenreuth

„Der Vorteil war, dass gleich eine Forststraße vorbeiführt. So mussten die Teile nur fünf Meter getragen werden. Nach einer halben Stunde hatte das THW alles erledigt.“

Erster Polizeihauptkommissar Roland Heldwein

„Die Route, die der Pilot nahm, vom Thüringer Wald und Oberpfälzer Wald bis hinunter in den Bayerischen Wald, nennt man auch Rennstrecke.“

René Mühlmeier, Pilot aus Bärnau

 

 

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