24.08.2021 - 10:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bund Naturschutz setzt sich für Erhalt des Waldgebiets Engelmannsholz ein

Der Bund Naturschutz sieht die geplante Industrieansiedlung der Ziegler-Group im Engelmannsholz kritisch. Er befürchtet Auswirkungen auf das Moorgebiet.

BN-Vorsitzender Josef Siller stellte bei einer Exkursion durch das Engelmannsholz die Wichtigkeit der Moore als CO2-Senker heraus.
von Ulla Britta BaumerProfil

Rund 25 Teilnehmer schauten sich auf Einladung der Kreisgruppe Bund Naturschutz (BN) das Waldgebiet Engelmannsholz bei Tirschenreuth an. Vorsitzender Josef Siller hob die Wichtigkeit des Moor-, Wald- und Teichgebietes hervor

Während Siller das Ökosystem im Engelmannsholz beschrieb, liefen immer wieder Spaziergänger und Jogger an der Exkursionsgruppe vorbei. Dieser Wald sei für die Einwohner von Tirschenreuth auch ein Naherholungsgebiet, stellten die Umweltschützer fest. Das ist eines der Argumente, warum sich der Bund Naturschutz für den Erhalt des Engelmannsholzes stark macht.

Wie schon mehrmals berichtet, möchte die Ziegler-Group dort ein „Holzbau-Kompetenz-Zentrum" errichten. Dafür müssen 25 Hektar Forst abgeholzt werden. Für den BN und den "Aktivkreis Engelmannsholz" bedeutet das eine unnötige Zerstörung eines wertvollen Biotopverbundes.

Wichtigste CO2-Senker

Die Interessierten waren zum Treffpunkt am Parkplatz beim OWV-Heim gekommen, wo sich nach wenigen Schritten in den Wald ein Moorgebiet linkerhand befindet. 95 Prozent der Moore seien in Deutschland in den vergangenen 200 Jahren zerstört worden, erklärte Siller. Dieses Niedermoor gehöre zu den restlichen fünf Prozent. "Zwar soll das Moor nur am Rande von der Industrialisierung dieses Gebietes betroffen sein", meinte Siller. "Aber die Auswirkungen werden dennoch bis ins Moorgebiet reichen." Moore gehörten neben den Wäldern zu den wichtigsten CO2-Senkern, die noch vorhanden seien in Deutschland, stellte Siller heraus.

Ein paar Hundert Meter weiter stoppte die Gruppe ein weiteres Mal. Hier soll das Industriegebiet beginnen, auf dem die Ziegler-Group Holzhäuser für ganz Europa produzieren möchte. Holzbauten seien natürlich für die Natur und das Klima besser als Beton. Aber dass dafür 25 Hektar wertvoller Wald abgeholzt werden muss, dafür fehlt Siller das Verständnis. Zumal es seiner Meinung nach andere Standorte geben müsste, die besser geeignet sind.

Vergleich mit Teichelberg

Wolfgang Schödel, Revierförster aus Pullenreuth und Exkursionsleiter in vielen Waldgebieten für den BN, freute sich, im Engelmannsholz einen derart gesunden Mischwald vorzufinden. Auf dem weiteren Weg Richtung Engelmannsteich passierte die Gruppe ein Waldgebiet, das eigentlich ein Sumpf ist. Hier reinzugehen ohne Gummistiefel sei bei Regen nahezu unmöglich, sagten die Naturschützer. Der BN-Vorsitzende verglich das Engelmannsholz gar mit dem Teichelberg bei Pechbrunn, der seit 20 Jahren ein dreifach und europaweit geschützter Urwald ist.

Wenigstens seien nach seinen Kenntnissen die Pläne für das Wohngebiet rund um den Engelmannsteich vermutlich vom Tisch, sagte Siller am Teichufer. Den See mitten im Wald stellte er als das dritte wertvolle Biotop im Naturverbund des Engelmannsholzes vor. Zu den Plänen der Ziegler-Group betonte Siller mehrmals, dass man nicht gegen die Ansiedlung neuer Betriebe sei. Nur dürfe ein Biotopverbund wie dieser dafür nicht zerstört werden, gerade in Zeiten, in denen die Klimakatastrophe direkt vor der Tür stehe.

Die Planer des Gewerbegebiets lassen umfangreiche Umweltgutachten anfertigen

Tirschenreuth
Linkerhand soll das Moor bleiben, wie es ist. Jedoch hat BN-Vorsitzender Josef Siller bedenken, dass das Industriegebiet zu nah liegt.
25 Bürger nahmen an der Exkursion teil.
"Moore gehören wie Wälder zu den wichtigsten CO2-Senkern auf der Erde", so Josef Siller.
Mit kleinen Lebendfallen soll der Bestand der Haselmaus am Wegrand im Engelmannsholz kartiert werden.

 

 

Kommentare

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Hans Maier

Jeder Tirschenreuther, der zum Spaziergang oder zum Sport ins Engelmannsholz kommt sollte den Irrsinn des geplanten Monsterprojekts erkennen. Es ist auch schon bezeichnend, dass aus dem Rathaus nichts mehr zu hören ist. Keine innovativen Ideen mehr Herr Stahl? Von der Kommunikationspolitik der Fa. Ziegler ganz zu schweigen, das Verhalten erinnert mich an totalitäre Institutionen. Es wird ja überhaupt nicht auf Anfragen reagiert, wie hier in der Zeitung mehrfach zu lesen war. Solche Unternehmen sind kein Gewinn für die Gesellschaft, im Gegenteil: Die Lebensgrundlage für kommende Generationen wird zerstört durch Flächenversiegelung, LKW Verkehr, Abgase und Lärm.

24.08.2021
Maria Estl

Volle Zustimmung zu Ihren Aussagen, Herr Maier. Flächenfraß und Versiegelung sowie Zerstörung intakter Landschaften, die als CO2 Senken ganz wichtige Funktionen erfüllen, sind in unserem Landkreis kein Thema, zumindest nicht bei den verantwortlichen Politikern. Wenn das so weitergeht, ist der Landkreis in einigen Jahren versiegelt und zugebaut, da sind die Aussagen zu weniger Flächenfraß Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Auch die Kommunikation mit und von Ziegler lässt schwer zu wünschen übrig, das entspricht nicht modernen Unternehmensstandards, die Ziegler doch angeblich für sehr wichtig hält.

28.08.2021
Maria Estl

Volle Zustimmung zu Ihren Aussagen, Herr Maier. Flächenfraß und Versiegelung sowie Zerstörung intakter Landschaften, die als CO2 Senken ganz wichtige Funktionen erfüllen, sind in unserem Landkreis kein Thema, zumindest nicht bei den verantwortlichen Politikern. Wenn das so weitergeht, ist der Landkreis in einigen Jahren versiegelt und zugebaut, da sind die Aussagen zu weniger Flächenfraß Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Auch die Kommunikation mit und von Ziegler lässt schwer zu wünschen übrig, das entspricht nicht modernen Unternehmensstandards, die Ziegler doch angeblich für sehr wichtig hält.

28.08.2021
Weid ener

...kein Problem, so wie sich der Artikel zum neuen Standort für das zunächst in Bärnau geplante Dämmplattenwerk der Ziegler-Group liest... scheinbar versteht es die Stadt Grafenwöhr um einiges besser Investoren, die neben Arbeitsplätzen auch Gewerbesteuereinnahmen bringen zu hofieren.
Da findet sich im Landkreis Neustadt a.d.WN mit Sichereit auch noch ein schönes Plätzchen für ein Holz-Fertighauswerk.

Entlang der Straße zwischen Mantel und Hütten / Grafenwöhr im Manteler Forst ist noch viel ebene Fläche,... teils vom Sand- und Kiesabbau schon mal gerodet und umgegraben... eigentlich ideal.

Und wenns diesmal ein Standort sein soll der etwas näher an der Autobahn gelegen ist... auch kein Problem - Landkreis Schwandorf.
Zwischen Wernberg und Schnaittenbach entlang der B14 gabs in den letzten Jahren hinterm "Conrad-Lager" erst ein schönes großes neuen Gewerbegebiet... das man mit Sicherheit auch noch Richtung Westen erweitern könnte.

Oder auch in Schwarzenfeld... südlich der St2151 in Richtung Fensterbach / Dürnsricht / der Fa. Buchtal... anschließend zum in den letzten Jahren erst errichteten Gewerbegebiet.

Oder südlich von Schwandorf im Gewerbegebiet Bayernwerk... perfekt geeigente Flächen so weit das Auge reicht...

...und obendrein ist man dort auch um einiges näher an den Kunden als oben im verschlafenen Tirschenreuth... gebaut wird dort wo was los ist, wo Leute bevorzugt wohnen wollen... im Süden und nicht dort wo sich Fuchs & Hase gute Nacht sagen... und wo es obendrein keine Arbeitplätze gibt.

25.08.2021