15.04.2021 - 13:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona ist für Direktvermarkter kein Zuckerschlecken

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Während bei einigen Direktvermarktern ein regelrechter Boom auf die Produkte für freudige Überraschung gesorgt hat, bangen andere um ihre Existenz. Einblicke in den Landkreis Tirschenreuth.

Bernhard Schedl bietet in Schwarzenbach bei Bärnau unter anderem Erdbeeren zum Selbstpflücken an. Seine Felder wurden im Corona-Sommer 2020 regelrecht überrannt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Es ist ein Wechselbad der Gefühle. So sieht es zumindest Madeleine Gareiß. Die 28-jährige Referendarin am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Tirschenreuth schreibt gerade an einer Facharbeit mit dem Thema „Direktvermarktung in der Coronakrise“. Das Thema, sagt sie, habe sie von ihrer Chefin, Hauswirtschaftsdirektorin Doris Eckl, bekommen. „Damit konnte ich wenigstens einige der Direktvermarkter kennenlernen“, sagt die junge Frau aus Franken in der Nähe von Münchberg dazu. Auch sie hat seit Juli 2020, als sie ihr einjähriges Referendariat in Tirschenreuth antrat, weitgehend kontaktlos gearbeitet.

Madeleine Gareiß hat mit ihrer Umfrage unter den Direktvermarktern überraschende Erkenntnisse gewonnen. Sie sagt, die Direktvermarktung boome. „Während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach regionalen saisonalen Produkten gestiegen.“

Erlebnis für die ganze Familie

Gareiß hat unter den Hofläden und Direktvermarktern im Landkreis nachgefragt, wie es ihnen in der Pandemie ergeht. Sie erfuhr erfreuliche Dinge: „Regionale Einkaufsmöglichkeiten von frisch erzeugten Lebensmitteln sind in Zeiten von Corona sehr gefragt.“ Die Referendarin hat beispielsweise Johann Grillmeier vom Kartoffel- und Gemüsehof Konnersreuth nahe Plößberg angesprochen. Er habe ihr aus Erfahrungswerten gesagt, die Verbraucher lernten gerade in dieser besonderen Zeit, heimisches und saisonales Obst und Gemüse sowie den direkten Kontakt zum Erzeuger und zum Produkt wieder mehr schätzen.

„Es gibt unter den Direktvermarktern wie in nahezu sämtlichen Branchen Gewinner und Verlierer.“

Madeleine Gareiß

Die gleiche Erfahrung habe ihr Bernhard Schedl vom Beerenobst Schedl in Fürstenhof bei Bärnau bestätigt. Schedl habe bemerkt, dass die Leute auch deshalb gekommen seien, weil ihnen im ersten Lockdown daheim die Decke auf den Kopf gefallen sei. Ein Besuch auf dem Erdbeerfeld und das Selbstpflücken seien zum Erlebnis für die ganze Familie geworden.

Große Einbußen

Gareiß hebt auch hervor, dass sich die Direktvermarkter im gemeinsamen Verein „TIR – Direkt“ zusammengeschlossen hätten. „Gerade in der aktuellen Zeit ist die Zusammenarbeit wichtiger denn je, um die neuen Herausforderungen bewältigen zu können.“ Durch die vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten organisierten Qualifizierungen würden sich die Mitglieder zudem fortlaufend weiterbilden können und blieben hinsichtlich neuer Regelungen und Standards stets auf dem neuesten Stand.

Während ihrer Nachforschungen hat Madeleine Gareiß aber auch Verlierer in der Pandemie ausgemacht. „Viele Direktvermarkter bekommen die Einschränkungen im öffentlichen Leben und das Ausbleiben von Veranstaltungen zu spüren. Nachdem Bauern- und Wochenmärkte, Feste, Gastronomie- und Tourismusbetrieb nicht stattfinden können, fallen wichtige Standbeine komplett aus“, erklärt sie. So hätten auch viele Teichwirte wie Thomas Beer vom Fischhof Beer in Kleinsterz bei Mitterteich mit großen Einbußen zu kämpfen.

Der Lockdown, bekam sie zu hören, habe dafür gesorgt, dass viele Fische übrig geblieben seien. Auch die zusätzlich geschaffenen Standbeine wie Teichführungen, Gästezimmer und Ferienwohnung sowie eine Fisch-Gaststätte seien als Einnahmequelle weggebrochen. Dabei sei gerade die Nachfrage nach regionalem Urlaub und Naherholungsgebieten im ländlichen Raum durch die Pandemie so gefragt wie nie. Beer habe auch Fahrradtouren mit dem E-Bike angesprochen. Im Sommer 2020 seien viele Fahrradtouristen bei ihm gewesen. Und er dürfe sich auf Buchungen bereits für 2022 freuen und hoffe natürlich, bis dahin wieder Urlauber empfangen zu dürfen.

Gewinner und Verlierer

Insgesamt fasst Gareiß ihre Recherchen in zwei Kategorien zusammen. „Es gibt unter den Direktvermarktern wie in nahezu sämtlichen Branchen Gewinner und Verlierer.“ Das komme immer auf das jeweilige Angebot an. „Wer von der Öffentlichkeit leben muss, auf Märkten unterwegs ist oder Tourismus anbietet oder sogar eine Gastwirtschaft hat, leidet schon sehr unter Corona", so die 28-Jährige.

Für Doris Eckl bietet die Direktvermarktung auch in Zukunft große Chancen. Es gebe aber immer weniger Hofnachfolger, die die Direktvermarktung weiter betreiben wollen. Dabei sei dies die beste Möglichkeit, mit den Verbrauchern in Kontakt zu kommen und die Landwirtschaft richtig darzustellen. Wichtig sei, vom "angestaubten Hofladen-Image" wegzukommen und die Verbraucher modern mit neuen Medien und Konzepten anzusprechen. Dazu biete das Landwirtschaftsamt auch Qualifizierungsmaßnahmen an.

Das Kulturerbe Karpfenteiche besser schützen

Tirschenreuth
Referendarin Madeleine Gareiß hat sich in ihrer Facharbeit intensiv mit den Direktvermarktern auseinandergesetzt: "Damit konnte ich wenigstens auch ein paar Leute kennenlernen. Ich sitze ja auch nur am Schreibtisch und darf nicht raus zu den Leuten."
Einer, der nicht zu den Corona-Gewinnern gehört: Fischwirt Thomas Beer sind während der Pandemie einige Einnahmequellen weggebrochen.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.