15.04.2021 - 18:37 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gurgeltests sollen künftig den Schulalltag erleichtern

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Nasenabstrich oder Gurgeltest? Was ist besser? Der Landkreis Tirschenreuth zeigt sich bereit, Pooltestes an den Schulen zu verwenden. Dafür wurde auch ein Antrag gestellt. Jurist Markus Zapf erklärt Unterschiede, Trefferquote und Ablauf.

Auch am Stiftland-Gymnasium werden Selbsttests mit einem Nasenabstrich gemacht.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Mehrere Eltern meldeten sich bei Oberpfalz-Medien nach dem Erscheinen des Artikels "Viele Fragen wegen Gurgel-Pooltests für Schüler noch offen". Dabei stellten sie vor allem die Frage, warum im Landkreis Wunsiedel grünes Licht für Gurgel-Tests gegeben wurde und im Landkreis Tirschenreuth Schüler mit Selbsttests in den Schulen hantieren.

Im Landkreis Wunsiedel wurde nach einem Modellprojekt die Finanzierung und Ausweitung der Pooltests durch das bayerische Gesundheitsministerium zugesagt. Im Anschluss daran wurden alle Schulen angeboten, ebenfalls das Testverfahren anzuwenden. Nach den Osterferien hatten sich alle Grund- und Mittelschulen sowie zwei von drei Gymnasien dafür entschlossen. Alle anderen Schulen machen dort Selbsttests.

Antrag für Pooltests gestellt

Auch im Landkreis Tirschenreuth sind Pooltests schon am Stiftland-Gymnasium vorgestellt worden. Landrat Roland Grillmeier zeigte in den vergangenen Wochen die Bereitschaft das Verfahren auch hier umzusetzen. In einem aktuellen Statement führt er aus: "In der letzten Woche wurde nun endgültig in München geklärt, dass eine Ausnahmegenehmigung für Pooling an Schulen gestellt werden kann." Bereits diese Woche sei ein solcher Antrag, auch auf Kostenübernahme, gestellt worden. "Mit dem Labor BioVariance Waldsassen und der Zusammenarbeit weiterer Akteure hätten wir eine Grundlage", erklärt er. Nun wartet der Landkreis auf eine Antwort aus München.

"Selbsttestung einfacher"

Für die Eltern, die sich an Oberpfalz-Medien wendeten, bestehe der Vorteil der Pooltests darin, dass "die Selbsttestung bei Kinder erheblich und maßgeblich erleichtert" werde. "Zudem besteht die Möglichkeit, alle anwesenden Kinder zum selben Zeitpunkt und mit nur einer Testung hochqualitativ zu bestimmen", heißt es weiter. Zeigt der Test bei der Auswertung einen positiven Wert an, werde die ganze Klassengemeinschaft als positiv erkannt und kein einzelner Schüler. Mobbing könne auf diese Weise ausgeschlossen werden.

Dahingegen seien ihrer Ansicht nach die Stäbchen-Schnelltests mit einer höheren Fehlerquote von bis zu 40 Prozent versehen sowie nicht kindgerecht. "Es können psychische, körperliche Belastungen und Störungen erheblich gefördert werden", heißt es. Jurist Markus Zapf ist am Landratsamt für das Thema Pooltests zuständig. Er bestätigt, dass die Gurgel-Tests "eine nahezu 100 prozentige Sensitivität" haben. Er erklärt: "Sensitivität ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine vorliegende Infektion vom Test auch tatsächlich richtig angezeigt wird."

Handelsübliche POC-Schnelltests wiederum hätten eine Sensitivität von etwa 70 Prozent. Das sei jedoch abhängig davon, ob eine Person bereits Krankheitssymptome hat oder nicht. "Zeigen sich Symptome, liegt die Sensitivität bei 90 Prozent. Zeigen sich keine Symptome, so werden über solche Tests laut Dr. Christian Drosten in etwa 3 von 8 Infektionen erkannt."

Landkreis für Gurgel-Tests

Aber was spricht dann gegen eine Umsetzung von Pooltests in den Schulen im Landkreis? "Ganz allgemein geht es um eine Risikoabschätzung", führt Zapf aus. Obwohl Pooltests eine gute Trefferquote haben, dauere es länger bis das Ergebnis da ist und der Aufwand sei größer, da die Tests in einem Labor ausgewertet werden müssen. "Bei POC-Tests liegt das Ergebnis zwar nach 15 Minuten vor, dafür sind sie ungenauer." Das Landratsamt geht laut Zapf davon aus, dass durch die Pooltests die Sicherheit an Schulen sogar erhöht werden kann. Außerdem seien sie weniger aufwendig für die Schulen. Für Schüler seien sie angenehmer, da nur Wasser gegurgelt werden muss.

Auf die Frage, ob ein Stäbchen-Test als Nasenabstrich psychische oder körperliche Belastungen bei Kindern fördert, antwortet Zapf: "Da streiten sich die Gelehrten. Allerdings muss man auch sagen, dass es sich bei den derzeit in den Schulen verwendeten Selbsttests nicht mehr um Tests handelt, die durch die Nase, bis in den Rachen geschoben werden, sondern dass die Tests nur noch im vorderen Nasenraum abgenommen werden."

Hier lesen Sie wie die Testpflicht an den Schulen im Landkreis Tirschenreuth gestartet ist

Tirschenreuth
Hintergrund:

Ablauf eines Pooltestst

Jurist Markus Zapf erklärt, wie der Ablauf der Poolingtests bei Schülern laut dem bayerischen Modellprojekt aussehen soll:

  • Zunächst wird zu Hause am Morgen (nach dem Aufwachen, vor dem Frühstück und Zähneputzen, gegurgelt. Ziel ist es eine möglichst große Viruslast zu erreichen, falls eine Infektion vorliegt.
  • Das Gurgeln erfolgt mit 4 Milliliter Wasser. Im Anschluss wird die Probe auf zwei Röhrchen aufgeteilt und eine persönliche Rückstellprobe erstellt.
  • Die Screening-Probe wird in der Schule vor Unterrichtsbeginn gepoolt. Das erfolgt kontaktlos in ein Gefäß in der Poolingstation. Organisiert wird das Verfahren durch die Lehrkräfte.
  • Die gesammelten Proben werden an das regionale Auswertungslabor weitergeleitet und dort analysiert. Im Landkreis Tirschenreuth wäre das das Labor Bio-Variance in Waldsassen.
  • Die Rückstellproben bleiben in der Schule und werden nur eingesammelt, wenn ein Pool positiv ist.
  • Zapf geht davon aus, dass die Pools spätestens gegen 9.30 Uhr im Labor sind. Das Ergebnis liege dann bis Mittag vor und wird online an die entsprechenden Einrichtungen und dem Gesundheitsamt übermittelt.
  • Sollte ein Pool positiv sein, werden nur die Rückstellproben des positiven Pools auf Anordnung des Gesundheitsamts zur medizinischen Einzeltestung an das regionale Labor weitergleitet. Alle anderen Rückstellproben werden an die einzelnen Teilnehmer zurückgegeben.

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