13.11.2020 - 17:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kein Verständnis für geschlossene Fitnessstudios im Landkreis Tirschenreuth und der Region

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Zwischen Freude und Frust lagen nur wenige Stunden: Die Betreiber von Sportstudios im Landkreis Tirschenreuth und der Region sind nach Entscheidung der Regierung, Indoor-Sport zu verbieten, fassungslos.

Den Außenbereich des "Fitnesstreff" in Erbendorf darf Wolfgang Hertlein öffnen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Als am Donnerstag der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) die Schließung von Fitnessstudios als Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz bezeichnete, war das für Betreiber von Fitnessstudios in der Region ein kleiner Hoffnungsschimmer. Dieser wurde aber durch die Regierung schnell zunichte gemacht.

"Fitnessstudios hätten unter strengen Auflagen öffnen können", interpretiert Wolfgang Hertlein das VGH-Urteil. Sofort hatte er sich Gedanken gemacht, wie er die Vorgaben für den "Fitnesstreff" in Erbendorf umsetzen könnte. Seit der Corona-Verordnung vom 2. November durfte zwar in Einrichtungen Individualsport durchgeführt werden, Fitnessstudios waren aber davon ausgeschlossen.

Sport im Fitnessstudio sollte alleine, zu zweit oder mit Angehörigen eines Hausstands möglich sein. "Das war für mich ein gutes Zeichen, so kann ich wenigstens ein kleines bisschen Geld verdienen", sagt Hertlein zum VGH-Urteil. Die Erleichterung schlug nach ein paar Stunden in Frust um, als die bayerische Regierung verkündete, dass alle Indoor-Sportstätten am Freitag schließen müssen. "Auf einmal war wieder alles umsonst", so Hertlein.

Mitglieder wollen Sport treiben

Für seine Branche war es von vornherein schwierig. Schon im Frühjahr wurde viel in Plexiglas und Hygienekonzepte investiert. "Das ständige Desinfizieren beschädigt die Geräte", stellt er fest. Hertlein findet, dass sich die Regierung "wie ein beleidigtes Kind" verhält. Ein kleiner Trost bleibt seine Terrasse, die er im Sommer zu einem überdachten Außensportbereich umgebaut hat. "Ich habe vom Landratsamt bereits das Okay bekommen, dass dieser Bereich benutzt werden kann."

Die Freude über die Öffnung der Fitnessstudios war auch bei den Mitgliedern zu spüren. "Die Leute wollen sich bewegen und Sport treiben", sagt Mona Titzmann, die als Studioleiterin im "Clever Fit" in Marktredwitz arbeitet. Sehr viele Nachrichten und Anrufe hat sie am Donnerstag bekommen. "Wir sind aber gleich davon ausgegangen, dass es eh nichts wird", gibt sie zu. Wütend ist "Powerfit"-Betreiber Andreas Weber aus Tirschenreuth. "Das ist einfach nur Willkür, was die Regierung da macht", sagt er. Das Fitnessstudios möglicherweise wieder öffnen können, hatte er Donnerstag ebenfalls von seinen Mitgliedern erfahren. "Die haben mir gleich geschrieben und gefragt, wann sie wieder kommen können."

"Das ist einfach nur Willkür, was die Regierung da macht."

"Powerfit"-Betreiber Andreas Weber aus Tirschenreuth

Nicht unternehmerfreundlich

Trotz starker Einschränkungen hatte er kurz überlegt, das Studio wieder aufzumachen. "Die Entscheidung wurde mir von der Regierung abgenommen", sagt er. Seiner Meinung nach wäre es besser, Gaststätten und Fitnessstudio für die Bevölkerung zu öffnen. "Die Menschen treffen sich dann nicht in Massen geheim Zuhause, sondern gesittet in kleinen Gruppen im Studio oder im Wirtshaus", so Weber. Auch im Studio von Thomas Koller stand das Telefon nicht still. Seit 31 Jahren betreibt er "Tom´s Sport Lounge" in Waldsassen und hat etwas Vergleichbares noch nicht erlebt. "In der Branche hat es schon immer gute und schlechte Zeiten gegeben", sagt er, aber das jetzt stehe "in keiner Verhältnismäßigkeit". Das Handeln der Regierung ist seiner Meinung "überhaupt nicht unternehmerfreundlich".

Förderanträge nicht verfügbar

Auch er betont, dass er sich an alle Regelungen und Vorgaben gehalten hat. "Es ist doch erwiesen, dass von Fitnessstudios keine Gefahr ausgeht", sagt er. Nach der Verkündung durch den VGH hat er sofort beim Verband Deutscher Fitness- und Gesundheitsunternehmen (VDF) angerufen. "Die Juristen dort meinten, dass ich als Personal Coach mit einer Person oder einem Haushalt trainieren kann", sagt Keller. "Das ist finanziell aber völliger Blödsinn."

Apropos Geld: Auf finanzielle Unterstützung durch die Regierung muss er noch warten. "Die Anträge sind noch nicht online". Ihm bringe es nichts, wenn er die Unterstützung erst Ende des Monats beantragen kann. "Das Geld brauche ich jetzt", sagt Koller. "Sport fördert die Gesundheit und ist deshalb systemrelevant", argumentiert er. In der kalten Jahreszeit haben Fitnessstudios Hochsaison. Deshalb hofft Thomas Koller, dass er im Dezember wieder öffnen darf.

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