11.08.2021 - 14:22 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Auch im Landkreis Tirschenreuth Corona-Impfungen bei Kindern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist zufrieden: Mehr als 22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben mittlerweile mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Ein Tirschenreuther Kinderarzt berichtet von seinen Erfahrungen.

Es gibt rege Diskussionen, ob Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gegen Corona geimpft werden sollen. Die Ständige Impfkommission hat dazu noch keine Empfehlung abgegeben.
von Armin Eger Kontakt Profil

Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche haben in Deutschland eine erste Impfung erhalten, teilt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter mit. Und er betont : „Wir haben genug Impfstoff für alle Altersgruppen.“

Aber die Debatte, ob Kinder geimpft werden sollen oder nicht, ist nach wie vor ein heikles Thema. Vor allem nach dem Ferienende Mitte September in Bayern werden die Diskussionen noch lauter werden. Denn viele sind sich einig, dass vor allem Schulen für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich sein könnten. Doch Eltern zögern oftmals, ihre Kinder impfen zu lassen.

Eltern bremsen oft aus

Das kann auch der Tirschenreuth Kinderarzt Dr. Stefan Krell bestätigen. "Zu mir kommen Kinder und Jugendliche, die die Corona-Impfung wollen. Ich versuche dann, die Eltern zu überzeugen, denn die bremsen oft aus. Ich rate dazu - und das wird auch angenommen." Er sehe die psychischen und sozialen Folgen bei Kindern, wenn sie aus- oder abgegrenzt würden. Der Mediziner stell klar: "Ich bin nicht einverstanden mit der Wischi-Waschi-Empfehlung der Ständigen Impfkommission."

Ein "Jein" sei zu wenig, so der Mediziner. Seit dem 7. Juni können sich Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren in Deutschland zwar impfen lassen. Aber die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfstoff nur für bestimmte Risikogruppen mit Vorerkrankungen. In seiner Praxis hatte Dr. Krell schon zwei Coronafälle bei Jugendlichen, die unter Geschmacksverlust leiden. "Eigentlich eine Lappalie, aber es beeinflusst die Lebensqualität. Ich weiß nicht, ob das bei ihnen wieder so wird wie vorher."

Etwa 60 Kinder geimpft

Inzwischen hat Dr. Krell etwa 60 Kinder und Jugendliche, darunter auch Zwölfjährige, in seiner Tirschenreuther Praxis geimpft, ausschließlich mit dem Vakzin von Biontech. Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten. Seit sechs Wochen könne er erst impfen, da er vorher keinen Impfstoff bekommen habe, kritisiert er. In den Impfzentren sei genügend da, aber er müsse 14 Tage im Voraus bestellen. Die Leute würden da manchmal ungeduldig. Er hofft, dass die Stiko das Vakzin für alle Kinder und Jugendliche im Schulalter zulässt. "Die wollen ihre Freiheit zurück", sagt Krell. Wichtig sei dann auch, dass die Geimpften, sollte ein Fall in der Klasse auftreten, nicht mit in Quarantäne müssen oder sonstige Einschränkungen bekommen.

Stiko "eiert weiter rum"

Auch bei einer anderen Impfung, nämlich gegen Meningokokken B (einer eitrigen Hirnhautentzündung), warte er seit nunmehr sechs Jahren auf eine Empfehlung der Stiko. "Auch hier eiern sie weiter rum." Momentan müssten, zumindest in Bayern, die Behandlungen (dreimal zu je 109 Euro) selbst bezahlt werden.

Dr. Peter Deinlein, stellvertretender Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes, bestätigt, dass aktuell die Kollegen im Landkreis Tirschenreuth Kinder und Jugendlichen impfen, aber erst nach ausführlicher Beratung. Man müsse unterscheiden zwischen den Indikationen einer vorliegenden Erkrankung oder einem sozialen Aspekt. Aber wenn es ein gesundheitliches Risiko gebe, werde auch geimpft.

"Die meisten Kollegen denken so wie ich, wir führen Impfungen zwar durch, forcieren sie aber nicht. Es ist wichtiger, lieber nochmals einen 80-Jährigen rauszufischen, der geimpft werden muss, als zehn Zwölfjährige", sagt der Kemnather. In seiner Praxis gebe es natürlich Anfragen für Impfungen bei Kindern und Jugendlichen, aber es sei eher so, dass man junge Leute im Führerscheinalter impfe. "Eltern wollen auch wissen, ob sie ihre Kinder impfen lassen müssen. Ich antworte: 'Sie können sie impfen lassen'", so der Mediziner.

Inzwischen haben Bund und Länder angekündigt, mit Blick auf den Schulstart nach den Sommerferien, mehr Impfgelegenheiten für Kinder anzubieten - auch in Impfzentren wie bereits in Praxen. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind ab zwölf Jahren zugelassen. In Deutschland können sich Kinder und Jugendliche auf individuellen Wunsch und nach einer ärztlichen Aufklärung impfen lassen, selbst wenn sie nicht den Risikogruppen angehören. Und auch, wenn die Eltern nicht zustimmen.

In den USA laufen Studien zur Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs bei noch jüngeren Kindern zwischen 6 Monaten und 11 Jahren. Erste Ergebnisse könnten noch im Sommer vorliegen.

Coronaimpfung für Kinder: Nicht alle sind begeistert

Deutschland & Welt

„Ich bin nicht einverstanden mit der Wischi-Waschi-Empfehlung der Ständigen Impfkommission.“

Kinderarzt Dr. Stefan Krell, Tirschenreuth

„Es ist wichtiger, lieber nochmals einen 80-Jährigen rauszufischen, der geimpft werden muss, als zehn Zwölfjährige.“

Dr. Peter Deinlein, Kemnath

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.