21.10.2021 - 14:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wieder leichter Anstieg bei den Asylbewerberzahlen im Landkreis Tirschenreuth

Nachdem die Anzahl der Asylbewerber leicht rückläufig war, steigt sie wieder. 454 sind im Landkreis Tirschenreuth untergebracht. Darunter sind auch zwei afghanische Ortshelferfamilien.

In der zentralen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Tirschenreuth stehen 168 Plätze zur Verfügung. Belegt sind davon knapp 100.
von Armin Eger Kontakt Profil

Sieben Monate diente die Dreifachturnhalle beim Beruflichen Schulzentrum in Wiesau als Notunterkunft. Anfang April 2016 hatten die letzten Asylbewerber das Gebäude verlassen. Daran erinnerte Regierungsdirektorin Regina Kestel, als sie in der Kreistagssitzung in eben dieser Halle über die derzeitige Asylsituation im Landkreis Tirschenreuth informierte.

In diesem Jahr 160 Personen

Derzeit seien im Landkreis 454 Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge untergebracht. Davon sind 38 Fehlbeleger, also Aslybewerber, die ihren Anerkennungsbescheid bereits erhalten haben und eine andere Wohnung beziehen könnten, aber keine finden. Dies entspreche einer Quote von 9,9 Prozent. Auch diese sei massiv nach unten gegangen. So lag sie im Januar 2018 noch bei 35,51 Prozent.

658 Plätze (262 dezentral, 285 zentral) stünden zur Verfügung, so Kestel. In diesem Jahr seien dem Landkreis 160 Personen zugewiesen worden. Dazu zählten auch 12 Kinder, die im Landkreis geboren wurden. Von den 160 würden 111 als Asylbewerber gelten und 49 seien auf „Einladung der BRD“ gekommen."Wir haben seit Juli zwei afghanische Ortshelferfamilien hier, eine dritte kommt jetzt noch", sagte Kestel. Hauptsächlich seien die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Äthiopien und Nigeria.

Nach einem Rückgang der Asylbewerberzahl gebe es wieder einen leichten Anstieg. "Der Landkreis Tirschenreuth hat 22 Unterkünfte in 13 Orten mit 262 Plätzen angemietet. Betreut werden die Leute von zwei Hausverwalterinnen", so die Regierungsdirektorin. Die Aufgaben dieser Hausverwalterinnen seien vielfältig. Sie seien Ansprechpartner, Streitschlichter und vieles mehr. "Sie haben auch bereits viele Asylbewerber überzeugt, sich impfen zu lassen. Die Quote ist dort ähnlich wie im gesamten Landkreis", sagte Regina Kestel. Zentrale Gemeinschaftsunterkünfte gebe es in Tirschenreuth, zudem Teil-Gemeinschaftsunterkünfte in Mähring und Waldsassen. Sogenannte Übergangswohnheime seien in Fuchsmühl und Bad Neualbenreuth zu finden. Im Jahr 2021 sei keine Abschiebung durch die Ausländerbehörde des Landratsamtes erfolgt. Eine Person sei freiwillig in den Iran ausgereist.

4,92 Prozent der Bevölkerung

Auch auf den Anteil der Ausländer ging Kestel ein. "Im Landkreis wohnen derzeit 3521 Ausländer." Das entspreche einem Bevölkerungsanteil von 4,92 Prozent. Aus Europa kommen 2534 Personen (2020: 2500/2019: 2329), aus Asien 658 (2020: 649/2019: 736), aus Afrika 170 (2020: 182/2019: 189), aus Amerika 132 (2020: 128/2019: 126 und aus Australien 6. Die meisten Ausländer stammen aus Tschechien (685), gefolgt von Syrien (272), der Türkei (263), Ungarn (230), Rumänien (213), Polen (186), Italien (152) und dem Irak (138.)

"In Bad Neualbenreuth sind 34 Asylbewerber untergebracht", sagte Bürgermeister Klaus Meyer. "Die Kinder besuchen den Kindergarten und die Schule und werden pädagogisch betreut. Wir sprechen hier von 1500 Euro Ausgaben jährlich pro Kind." Aber Gastschulanträge seien bisher immer abgelehnt worden. Es sei nicht in Ordnung, dass man dafür abgestraft werde. Kestel versprach, sich darum zu kümmern.

Uli Roth, SPD-Kreistagsfraktionssprecher, stellte fest, dass es in neun Gemeinden des Landkreises keine Asylbewerberunterkünfte gebe. Es sei ein Akt der Solidarität, dass sich alle daran beteiligen sollten, so Roth. "Wir versuchen, auf größere Orte zu gehen. Wir brauchen die Infrastruktur, wie zum Beispiel Kindergärten", erklärte Kestel. Zudem müsse man auf die Angebote von Vermietern warten.

Deutschunterricht gefordert

Heidrun Schelzke-Deubzer von den Grünen sprach die Situation an, dass in den Schulen Kinder von Asylbewerbern seien, die kein Deutsch sprächen. "Die müssen unbedingt Deutschunterricht bekommen", forderte sie. Das gehöre zur Willkommenskultur dazu, meinte auch Grünen-Fraktionssprecher Josef Schmidt. Auch Landrat Roland Grillmeier sah die Notwendigkeit ein. Am sinnvollsten sei es, dies jeweils in den Kommunen vor Ort zu organisieren.

Wohnraum für Asylbewerber

Tirschenreuth

„Wir haben seit Juli zwei afghanische Ortshelferfamilien hier, eine dritte kommt jetzt noch.“

Regierungsdirektorin Regina Kestel

 

 

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