20.10.2021 - 13:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Was soll man beachten, wenn man Jägerin oder Jäger werden will?

Einfach so einen Jagdschein machen und auf die Pirsch gehen? So einfach ist das nicht, meint Peter Hamm von der Kreisgruppe Tirschenreuth im Bayerischen Jagdverband. Die Jagd muss mehr sein als ein einfaches Hobby.

Ein Team: Peter Hamm mit seiner sieben Monate alten Schwarzwildbracke "Juna".
von Konrad RosnerProfil

Für Peter Hamm aus Tirschenreuth, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Tirschenreuth im Landesjagdverband Bayern (BJV), ist eines klar: "Jagen heißt Verantwortung." Dies ist auch der Slogan seines Kreisverbandes. Denn, so Hamm, "die Jagd auszuüben heißt nicht nur, Tiere zu töten." Mit dem Jagdrecht sei auch die Pflicht zur Hege verknüpft. "Wer jagt, übernimmt eine hohe Verantwortung für die Natur, für die Hege des Wildes und gegenüber der Gesellschaft."

Wildtiere beobachten, in der Natur aktiv sein, und gesundes Fleisch essen - immer mehr Menschen interessieren sich für das Thema und wollen Jägerin oder Jäger werden, auch in Bayern. Doch die Jagd, so Hamm, sei "mehr als nur ein neues Hobby". Die Jagd sei eine Passion, eine Lebenseinstellung, die das tägliche Denken und Handeln beeinflusse. Das Herz des Jägers schlage für die Natur, so sein Credo.

In Bayern ist der Landesjagdverband, wie alle anderen Jagdverbände in Deutschland auch, ein anerkannter Naturschutzverband. "Die Jagd trägt im hohen Maß dazu bei, auch für nachfolgende Generationen eine artenreiche Fauna und Flora in Wald und Flur zu hinterlassen", so Hamm, "dabei gehört Wald und Wild untrennbar zusammen."

Wer die Jagd ausübe, übernehme eine hohe Verantwortung - dieser könne man nur mit einem fundierten Fachwissen über Fauna und Flora gerecht werden. "Wer Jäger werden will", so Hamm, "der muss eine sehr anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen. Am Ende muss der künftige Jäger oder die Jägerin eine staatliche Prüfung, das sogenannte Grüne Abitur, ablegen."

Inhalte der Ausbildung sind theoretische und praktische Themen rund um die Wildbiologie, Jagdpraxis, Brauchtum, Waffenkunde, Wildbret-Hygiene und Jagdrecht. Außerdem wird der sichere Umgang mit der Waffe und die Schießfertigkeit trainiert. Das Mindestalter für die Jägerausbildung beträgt 15 Jahre, ausgestellt wird der Jagdschein nur Personen im Alter ab 16 Jahren. Wichtige Voraussetzung ist neben der bestandenen Jägerprüfung ein einwandfreies amtliches Führungszeugnis. In der Regel umfasst die Ausbildung laut Peter Hamm 120 bis 180 Stunden Unterrichtsumfang – also Theorie, Schießübungen und Praxisunterricht. Landesjagdverbände und Jagdschulen bieten sowohl Kompaktkurse (Intensivkurse) von drei Wochen als auch Wochenendkurse an, die bis zu sechs Monate dauern. Andere Modelle sind auch möglich. Kosten: "Ein niedriger vierstelliger Eurobetrag ist realistisch das Minimum", sagt der Jagdexperte, "es kann aber auch sein, dass der Jagdschein 5000 Euro und mehr kostet."Für genauere Angebote stehen die einzelnen Kreisgruppen zur Verfügung - alleine in der Oberpfalz sind es insgesamt 23.

Nach der bestandenen Prüfung geht es für den neuen Jäger oder die neue Jägerin erst richtig los. "Wichtig", so Peter Hamm, "ist es, schnell jagdlichen Anschluss zu finden, was am einfachsten durch die Mitgliedschaft in dem jeweiligen Landesjagdverband möglich ist." Wie beim Führerschein gelte auch bei der Jagd: Man lernt sie erst richtig in der Praxis. Interessant auch: Immer mehr Frauen machen den Jagdschein. Laut Deutschem Jagdverband waren vor 25 Jahren nur ein Prozent der Jagdscheininhaber Frauen, heute sind es sieben Prozent der bundesweit rund 384 000 Jagdscheininhaber. In Jagdkursen beträgt aktuell der Frauenanteil demnach rund 24 Prozent.

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